Hamburg/Berlin - Sie untersuchte die Kindheit Adolf Hitlers, des Mörders Jürgen Bartsch und von Christiane F., beschrieb "Das Drama des begabten Kindes", plädierte für eine liebevolle und gewaltfreie Erziehung. Alice Miller war eine der einflussreichsten Erziehungswissenschaftlerinnen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - studiert hat sie allerdings Philosophie, Psychologie und Soziologie.
Nach der Promotion arbeitete die Schweizerin, die in Polen geboren wurde, 20 Jahre lang als Psychoanalytikerin. 1980 gab sie ihre Praxis auf. Im Jahr zuvor war ihr bekanntestes Buch erschienen: "Das Drama des begabten Kindes und die Suche nach dem wahren Selbst". Darin befasst sich Alice Miller mit den Folgen der Verdrängung im persönlichen und sozialen Bereich und mit den Ursachen kindlicher Verletzungen.
Eine von Millers Thesen lautete: "In jedem noch so schrecklichen Diktator, Massenmörder, Terroristen steckt ausnahmslos ein einst schwer gedemütigtes Kind, das nur dank der absoluten Verleugnung seiner Gefühle der totalen Ohnmacht überlebt hat."
Was Miller schrieb, klingt angesichts der aktuellen Schlagzeilen zu den Missbrauchsvorwürfen gegen Geistliche der katholischen Kirche einmal mehr aktuell: Sie appellierte an Erwachsene, sich dem Schmerz zu stellen, den sie als Kind erlitten haben. Depressionen, Krankheit und Drogensucht können Folgen eines "Selbstverrats" sein. Als Beispiele nannte Miller Prominente wie Marilyn Monroe, Virginia Woolf und Elvis Presley. Insgesamt schrieb Miller 13 Bücher, sie wurden in 30 Sprachen übersetzt.
Alice Miller starb bereits am 14. April im Alter von 87 Jahren. Die Beisetzung fand laut Suhrkamp im engsten Kreis statt. Das teilte der Suhrkamp Verlag am Freitag in Berlin mit.
sha/dpa
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