Von Christoph Twickel
Das etwas aus der Zeit gefallene Logo sticht als erstes ins Auge. Sieht aus wie eine Shampoo-Marke aus den Achtzigern, ziert aber den Titel einer brandneuen Zeitschrift. Die soll den Markt der Männermagazine um eine weitere Variante bereichern. "Trip", so verkündet die Verlagsinfo vollmundig, "ist der Gegenentwurf zum Mainstream", "weckt den Rebellen im Mann" und "erreicht Männer, die sich die Andersartigkeit etwas kosten lassen." Und das mit so einem Logo? Das Rätsel ist schnell gelöst: Das Blatt ist ein Lizenzprodukt des gleichnamigen brasilianischen Magazins, 1986 gegründet und mittlerweile Mittelpunkt eines kleinen Medienimperiums.
Soweit hat es die Globalisierung gebracht! Nach über 500 Jahren Medienexport, von der Bibel bis zum "Playboy", schlägt die Südhalbkugel zurück. Jetzt sollen die deutschen Männer sich mal ein bisschen am Lifestyle der Copacabana orientieren. Und warum auch nicht? Die aus dem brasilianischen Original übernommenen Storys lösen das Versprechen vom "Gegenentwurf zum Mainstream" noch am ehesten ein. "Ich bin relativ viel in Brasilien und habe immer geschaut, was es dort am Kiosk gab", erläutert Chefredakteur Thomas Garms, zuvor Leiter von "Hörzu", "Welt am Sonntag" und "Men's Health", den Illustriertenimport. Chancen für Zeitschriften sieht er "nicht im Häppchenjournalismus, sondern in kantigen Themen" und will "eher wenig Celebritys, sondern spannende Biografien und wahrhaftige Typen" zeigen.
Garms "Trip"-Kollegen vom Zuckerhut besuchen den US-Pharmakologen Sasha Shulgin, der sein Leben der Erforschung und Erfindung psychedelischer Drogen gewidmet und der Menschheit das beliebte Techno-Pharmazeutikum Ecstasy beschert hat. Oder sie begeben sich auf die Spuren von Doc Paskowitz, einem Surfbrett-Patriarchen, der mit seiner elfköpfigen Familie zweieinhalb Jahrzehnte lang im Wohnmobil die Strände der USA und Mexiko abfuhr. Das "Trip Girl des Monats" zieht, alte Herrenmagazin-Tradition, ungefähr in der Heftmitte blank und kommt natürlich aus Rio.
"Mehr als die 30 Euro für Lisa und Jutta sind nicht drin"
Um diese Mischung aus Copacabana-Girls und Freak-Stories herum hat Garms ein etwas zielloses Themenpotpourri gruppiert. Da gibt's das einfühlsame Karriere-Portrait des deutschen Erfolgsfotografen Martin Schoeller. Eine charmant-sentimentale Analyse des FC St. Pauli vom ehemaligen Mittelfeldspieler Markus Lotter, eine Reihe unlustiger Kolumnen. Eine finstere Rote-Khmer-Story, Modestrecken, dazwischen gekaufte Produktseiten, auf neudeutsch "Advertorial".
Die Reportage über den Besuch eines "Gang Bang"-Abends in einem norddeutschen Swingerclub - zwei Damen, drei Dutzend Herren - verkauft den Rudelbums als zeitgemäßes Vergnügen von krisengeschüttelten Männern. "Früher habe er sich teure Escort-Mädchen geleistet", verrät der Börsianer Edgar dem Reporter. "Heute seien nicht mehr als die 30 Euro für Lisa und Jutta drin."
Das lässt erahnen, dass sich "Trip" im doch recht vollgestellten Herrenmagazin-Markt womöglich ein Alleinstellungsmerkmal als Fachblatt für Post-Krisen-Maskulinität erarbeiten will. "Draußen herrscht die Megakrise" erklärt Hartz-IV-Empfänger Claas nach vollbrachter Ejakulation. "Hier aber dürfen wir noch wir selbst sein und körperlich."
Nein, Businesspunks kommen hier nicht so richtig auf ihre Kosten. Ein bisschen was für Erfolgstypen gibt's aber doch: Der Chefredakteur selbst krönt seinen Rio-Aufenthalt mit dem Besuch eines Luxusresorts über den Dächern der Stadt und gerät ins Schwärmen: "Zwischen den prachtvollen Bäumen und Blütenpflanzen tummeln sich immer wieder Äffchen und vielfarbige Papageien; ein großzügiger Pool lädt zusätzlich zum Verweilen ein." Ach, Brasilien!
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Wie beschissen deutsche Verlage mit Individuals umgehen und nach Mainstream gieren, um den Werbefotzen der Grosskonzernen rücklings zu dienen, kann man hier nachlesen [...] mehr...
ich würde gerne wissen wer das Magazin tatsächlich gelesen hat. Man kann ja nur eine Zeitschrift kritisieren, wenn man sie gelesen hat. Ich habe es persönlich noch nicht. Aber ich bin jetzt neugierig. mehr...
Wenn das mal kein Irrtum ist, in Brasilien gibt es eine ganze Reihe von Männer-Magazinen und um einiges härter als in Deutschland. mehr...
Nein, Sie verwechseln da etwas. Die Verlage die ihren Brigitte-Genen nicht entkommen können, stopfen alles in Schubladen. Idioten sind die, die diesen lächerlichen Idealbildern hinterherhecheln und in der Mittagspause gleich in [...] mehr...
Ah, Deutschland, das Land in dem alles in Schubladen gestopft werden muss (Klein-Fritzi auf dem Dorf, Möchtegernyuppi, Supermanager-Yuppie-Spacken...)und wer nicht sich nicht in der gleichen Schublade befindet wie man selbst ist [...] mehr...
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