Von Daniel Haas
Hey, Sie! Wie fingern Sie denn gerade auf Ihrem iPhone herum! Von Apple haben Sie das aber nicht gelernt. Der Konzern hat sich gerade x Gesten patentieren lassen, mit denen man auf Touchscreens angemessen agiert. Und Ihre knotige Handhaltung - also die war da so nicht vorgesehen.
Wenn demnächst der Messias in Gestalt des iPad auf uns kommt, dann wird sich auch die Handarbeit grundlegend verändern. Das Tippen mit Daumen und Mittelfinger, das Spreizen von zwei Fingern oder das Wischen mit der Hand von rechts nach links sind dann keine unschuldigen Gesten mehr. Es sind gewerblich geschützte Aktionen.
Man weiß, wie durchsetzungskräftig die Rechtsabteilung von Apple ist. Es soll sogar eine Art Betriebsgestapo geben, das sogenannte Worldwide Loyalty Team. Von diesen Leuten lässt man sich dann besser nicht erwischen, wenn man zum Beispiel einen Fussel von der Tischplatte wedelt. Das ist nämlich die "Find Next"-Bewegung (siehe oben im Bild).
Überhaupt wird unsere Körpersprache sehr viel knapper werden: Den Kindern am Zug bye bye winken - besser nicht. Ist nämlich die "Find Previous"-Operation mit der "Find Next"-Geste kombiniert.
Ein System mit Haken
Ebenfalls gefährlich: Anführungszeichen in die Luft haken. Typische "Scroll"-Geste. Kann teuer werden. Oder zärtlich dem Partner Buchstaben auf den Rücken schreiben: entfällt. Das lässt sich sofort als "Copy"-, "Tab"- und "Point/Click"-Moves deuten.
Richtig schlimm wird es aber erst, wenn Apple Google kauft und Zugang zu allen Street-View-Daten bekommt; die Taubstummen, die sollen sich schon mal warm anziehen. Die Hälfte ihres Alphabets können die dann nämlich vergessen.
Ganz schlimm sieht es für Schattenspieler aus: Mach mal einen Fuchs oder ein Schiffchen, ohne "Text Point" oder "Replace" zu verwenden. Kannst du knicken - und zwar deine Finger.
Ebenfalls übel dran: Gang-Mitglieder in urbanen Krisengebieten. In Los Angeles erkennen die sich ja hauptsächlich an ihren Handzeichen (siehe Video). Das wird jetzt schwierig: Spreizt du einmal kurz die Finger für dein Gang-Logo, schon sieht das nach "Replace" oder "Drag/Double Click" aus. Und dann musst du richtig blechen.
Zugegeben: Der Fingerablass hat unter Umständen auch zivilisierende Wirkung. Den ausgestreckten Mittelfinger wird sich niemand mehr erlauben, wenn er eine Patentklage an den Hals kriegt ("Eindeutig das Redo-Zeichen!"). Auch das beiläufige Grabschen bei Kolleginnen wird schwieriger: So ein verdecktes Streichen über Rücken und Kopf von Sekretärinnen/Praktikantinnen kann ganz leicht als "Global Replace"- oder "Refresh"-Operation ausgelegt werden.
Eine Geste hätten die Leute von Apple allerdings gerne haben können: den hoch gereckten Arm mit flach ausgestreckter Hand. Diese Haltung braucht keiner mehr - schon gar nicht in unserer aufgeklärten digitalen Moderne.
Ansonsten empfehle ich: iPatsch. Von mir absolut kostenlos für Sie. Einfach auf die Fotostrecke klicken.
Damit Sie auch in Zukunft Ihre Kommunikation frei gestalten können. Hand drauf.
Auf anderen Social Networks posten:
Irgendwie teile ich nicht den Humor des Autors. Wo ist das Problem? Apple hat sich die Art und Weise patentieren lassen, mit der Apple- Touchscreens bedient werden können. Haben die in Cupertino erfunden oder gekauft und damit [...] mehr...
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Verstehen Sie Haas? | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH