Frage: Wie ging es los mit Ihren "African Arenas"?
Hoeffgen: Ich war in Nigeria. Eigentlich sollte ich den Fußballstar Jonathan Akpoborie für eine Reportage begleiten, doch der musste kurzfristig absagen. Gleich am ersten Tag in Lagos war ich auf dem Weg zu einem großartigen Fußballsandplatz mitten in der Stadt. Als ich aus dem Auto stieg, sah ich einen Wasserturm neben dem Feld und beschloss, von dort oben ein paar Aufnahmen zu machen. Keine fünfzehn Minuten später hielten zwei Militärjeeps mit quietschenden Reifen. Das Problem war, dass ich vor der Abreise auf die Schnelle kein Journalistenvisum bekommen hatte. Also wurde mein Film beschlagnahmt und ich verhaftet.
Frage: Und wie ging die Geschichte aus?
Hoeffgen: Man brachte mich zum Verhör in eine nahe gelegene Polizeistation. Nach einigen Stunden Haft stellte einer der Polizisten fest, dass er und mein Fahrer, der mir freundlicherweise zu Hilfe geeilt war, entfernte Verwandte waren. Es dauerte nur fünf Minuten bis sich der Beamte als großer Fußballfan offenbarte. Ich wurde wieder auf freien Fuß gesetzt und konnte meine Filme behalten.
Frage: In welchem Zeitraum sind die Fotografien entstanden?
Hoeffgen: Die erste Reise machte ich 1999, die letzten Bilder dann 2009. Während dieser ganzen Jahre ließ mich das Thema nicht los, ich war bestimmt in acht Ländern, überall auf der Suche nach besonderen Spielfeldern - und nach ihrer Aura.
Frage: Was war Ihr Konzept?
Hoeffgen: Zuerst wollte ich nur leere Fußballplätze zeigen, um dem Betrachter Raum für seine eigenen Fantasien zu lassen. Doch sehr schnell wurde mir bewusst, wie wichtig es war, die besondere Art und Weise zu dokumentieren, mit der auf diesen Plätzen gespielt wurde. Ich wollte das Leben in und um diese behelfsmäßigen Arenen zeigen.
Frage: Warum der Perspektivwechsel?
Hoeffgen: Ganz einfach: Fast überall, wo ich hinkam, interessierten sich die Spieler nicht im Geringsten für meine Arbeit, sondern konzentrierten sich vollständig auf ihren Sport. Großartig!
Frage: Hat Sie ein Erlebnis besonders beeindruckt?
Hoeffgen: Ich werde nie die Begegnung mit ein paar Kindern vergessen, die in Sambia auf einer Straße zwischen Lusaka und Choma am Fuß eines Wasserturms Fußball spielten. Sie traten gegen einen aus Plastiktüten zusammengeflickten Ball. Ich hielt an, stieg aus dem Auto und begann meine Ausrüstung aufzubauen. Meine Contax fand auf einem Stativ auf dem Wagendach ihren Platz, und ich begann mit den Aufnahmen. Keines der Kinder würdigte mich auch nur eines einzigen Blickes, ganz zu schweigen von der Frage, was ich da eigentlich machte. Fußball war ganz offensichtlich das Einzige, was zählte.
Frage: Welchen Stellenwert hat der Sport Ihrer Einschätzung nach in Afrika?
Hoeffgen: In den afrikanischen Ländern, die ich bereist habe, einen extrem hohen. Sicher sorgt Fußball auch für eine gute Verbindung zwischen den einzelnen Staaten. Es gibt wohl kaum etwas Emotionaleres als den Africa Cup of Nations: Fans, die sich von Kopf bis Fuß bemalen, diese ganzen seltsamen Instrumente, mit denen im Stadion Musik gemacht wird, Mannschaften, die nach Tieren benannt werden. Ein archaisches Spektakel.
Frage: Und welche Funktion hat das eigentliche Spiel?
Hoeffgen: Erst einmal, wie überall auf der Welt, geht es um Ablenkung vom Alltag, Freude am Spiel, Wettkampf der Mannschaften. In Afrika kommen zwei weitere Aspekte hinzu: Ein möglicher sozialer Aufstieg, vielleicht sogar der Sprung nach Europa. Aber noch wichtiger scheint mir die Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit des Spiels in Afrika zu sein. Es ist ein Ausdruck der Kommunikation, des Miteinanders. Im Spiel sind die Player ganz bei sich und bei der Gruppe - ein Gefühl von Freiheit vielleicht.
Frage: Sie arbeiten normalerweise als Mode- und Werbefotograf. Wie passen afrikanische Sandplätze zu Glamourshots?
Hoeffgen: Ich habe mich schon immer für die besondere Ästhetik des Sports begeistert. Meine ersten Fotos entstanden 1986 mit einer manuellen Pentax, die ich geschenkt bekommen hatte. Sie zeigen ein Formel-1-Rennen auf dem Nürburgring. Später, als professioneller Fotograf, schoss ich ganze Serien mit Surfern und Snowboardern. Bei "African Arenas" ist der Sport nur ein Teilaspekt der Bilder. Hier haben mich das Lebensumfeld der Menschen, die Architektur und Landschaft stärker interessiert. Obwohl am Beginn des Projektes ein Reportageauftrag stand, hat sich das Künstlerische mehr und mehr in die ganze Arbeit eingeschlichen.
Das Interview führte Anna Wander, seen.by
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