Von Ole Reißmann
Das hoch gehandelte "A-Team" ist abgestürzt: Der Actionfilm, eine Filmversion der erfolgreichen TV-Serie, enttäuscht an den US-Kinokassen, das Remake von "Karate Kid" lockt mehr Zuschauer an. Zwei Wochen nach dem Filmstart liegt die Aktie (ATEAM) deshalb nur noch bei 69,70 Dollar, vorher war sie noch doppelt so viel wert - zumindest an der Hollywood Stock Exchange, einer Internetseite, wo mit Wertpapieren von Schauspielern und Filmen um fiktive Dollar gespielt wird.
Aus diesem Spiel wird jetzt Ernst. Zwei Anbieter haben bei der zuständigen US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) Lizenzen für das Wettgeschäft auf den Erfolg von Filmen beantragt. Am Montag haben die Aufseher der Trend Exchange grünes Licht gegeben, die von einer Venture-Capital-Gesellschaft finanziert wird. Die Finanzbranche wittert große Geschäfte: 2009 haben Hollywood-Filme 10,6 Milliarden Dollar eingespielt, zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Allein James Camerons Science-Fiction-Epos "Avatar" hat seit Ende Dezember bis jetzt rund 2,7 Milliarden Dollar Umsatz gebracht.
Über den Antrag der Canter Exchange (CX), hinter der die Betreiber der Hollywood Stock Exchange stehen, soll in den kommenden Tagen entschieden werden. Der Unterschied: Während die Trend Exchange auf institutionelle Anleger mit einem Mindesteinsatz von 5000 Dollar abzielt, will CX auch private Anleger zulassen. Eine Genehmigung, noch rechtzeitig vor dem Start der Sommer- Blockbuster, gilt aber auch hier als sicher.
Schweinehälften, Baumwolle, Hollywood-Filme
Das Prinzip der Hollywood Stock Exchange: Einen Monat nach dem Kinostart werden die Filmaktien vom Markt genommen. Wer 200 Hollywood-Dollar für eine Filmaktie ausgegeben hat, rechnet mit mehr als 200 Millionen Dollar Einspielergebnis an der Kinokasse. Spielt der Film sogar 250 Millionen Dollar ein, gibt es einen Gewinn von 50 Hollywood-Dollar je Aktie. Rund 200.000 Spieler machen mit, analysieren den Markt und platzieren ihre Tipps. Aus ihnen sollen echte Anleger werden, mit Gewinnen und Verlusten in echten Dollar.
Bisher wird an Warenterminbörsen mit Gütern wie Getreide, Baumwolle oder Schweinehälften gehandelt und spekuliert - künftig auch mit Hollywood-Filmen. Für die Aufsichtsbehörde CFTC kein großer Unterschied: Die Verträge, sogenannte Derivate, deren Wert sich aus dem Einspielergebnis der Filme ergibt, basierten schließlich auf einem Rohstoff, erklärten die Aufseher. Die Filmderivate könnten nicht einfach manipuliert werden und dienten zur Absicherung wirtschaftlicher Risiken - damit seien die wichtigsten Voraussetzungen erfüllt.
Das sehen die Hollywood-Studios allerdings anders. Sie haben sich vehement gegen die Filmderivate gewehrt. Ihre Sorge: Wird ein Film schon vor seinem Start schlecht gehandelt, könnten Kinobetreiber darauf verzichten, ihn überhaupt zu zeigen. Weil Hollywood als Gerüchteküche bekannt ist, fürchten die großen Studios außerdem durch gezielte Indiskretionen Kursmanipulationen und Insiderhandel.
Angst vor spekulativen Leerverkäufen
Eigentlich könnten die Filmderivate den Studios sogar nützlich sein. Denn diese können sich zwar gegen vielerlei Risiken absichern, etwa gegen die Erkrankung von Hauptdarstellern oder eine Verzögerung der Produktion. Gegen den Flop an der Kinokasse hilft aber bisher keine Versicherung. Wenn das Studio nun aber ahnt, dass der Film trotz aller Vorkehrungen nicht besonders gut geworden ist, könnte es sogar gegen den eigenen Film wetten - und wenigstens ein bisschen Geld verdienen. Unterstützen könnte das Studio seine Spekulationsgewinne, in dem Werbemaßnahmen schnell gekürzt werden, damit ja niemand etwas von dem Film erfährt.
Doch nicht nur Insiderinformationen sind ein Problem. Mit dem Börsenhandel von Filmen werden auch Spekulationen zugelassen, die sich auf den finanziellen Erfolg auswirken könnten. Dazu zählen Leerverkäufe: Dabei wetten Investoren auf fallende Kurse. Sie leihen sie sich ein Wertpapier, verkaufen es und hoffen, es vor der fälligen Rückgabe billiger kaufen zu können. Bei ungedeckten Leerverkäufen verfügt der Spekulant noch nicht einmal über das Papier, das er verkauft.
Solche Wetten könnten einem schwächelnden Filmkurs zusätzlich schaden. Die Folgen davon zeigt die aktuelle Finanzkrise: Leerverkäufe trugen unter anderem zum Absturz von Lehman Brothers bei. Die Bundesregierung hat deswegen jüngst beschlossen, ungedeckte Leerverkäufe sicherheitshalber zu verbieten.
Hollywood hofft auf den Kongress
Gerät Hollywood damit in die Hände von Finanzspekulanten? Die Horrorvorstellung der Studiobosse: Erst wird über einen Film schlecht geredet, dann stürzt der Kurs ab, und durch platzende Spekulationsblasen ist das Vertrauen dermaßen erschüttert, dass die Kinos das Risiko scheuen und lieber einen anderen Film zeigen.
Noch ist der Streit nicht entschieden. Auch in Amerika werden derzeit strengere Regeln für den Finanzmarkt verhandelt. Ein Gesetzentwurf, an dem Abgeordnete und Senatoren arbeiten, würde die gerade genehmigten Filmderivate schon wieder verbieten. Klar, dass die Motion Picture Association of America (MPAA), die Lobby der großen Hollywood-Studios, diesen Gesetzentwurf unterstützt.
Die Venture-Capital-Firma Veriana, die hinter Trend Exchange steht, hat umgehend Protest angekündigt. Nun soll der Kongress überzeugt werden, die Filmderivate nicht zu verbieten - es kommt zum Showdown in Washington.
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...[/QUOTE] Wir brauchen keine "Instrumente" um Probleme zu lösen die wir ohne diese "Instrumente" überhaupt nicht hätten. Vollbankensystem, keine Aus dem Nichts erfundene Kredite und Geldmengen, [...] mehr...
Kein Geld keine Kekse ;-) mehr...
Finanzmärkte fördern die Gier und das kurzfristige Denken und beides begünstigt die negativen Entwicklungen in unserer Gesellschaft und auf unserem Planeten. Wenn wir noch 40 Jahre so weiter machen sind wir am Ende! Doch was [...] mehr...
Leerverkäufe sind im übrigen ein hervorragendes Marktinstrument gegen Spekulationsblasen ;-) Was hier aber keiner wahrhaben will....[/QUOTE] Stimmt, deswegen haben wir ja auch keine momentane Blase, die alles vorher dagewesene [...] mehr...
Sie mögen für das Finanzsystem wichtig sein, für die Bürger und Volkswirtschaften bringen sie keinen Nutzen. Leerverkäufe spiegeln falsche Preisdaten wieder - und sind nur wegen der allseits betriebenen Intransparenz [...] mehr...
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