Von Hobbykoch Peter Wagner
Auch bei dieser Erfindung stammt der Impuls vom schnöden Mammon und der wiederum wie so oft vom Militär: 12.000 Francs in Gold versprach Kaiser Napoleon Bonaparte demjenigen, der ihm ein Verfahren zur Haltbarmachung von Nahrung und deren Transport in überschaubaren Verpackungseinheiten entwickeln würde. Napoleon hatte eine Million Soldaten in Waffen, und seinen rasanten Eroberungsplänen stand die bisherige Truppenernährungspraxis im Wege: feindliche Dörfer brandschatzen, die Bauern füsilieren, die Mägde schänden und danach die erbeuteten Vorräte samt Viehherden mühsam zur nächsten Schlacht mitschleppen.
Zwar hatte der italienische Biologe Lazzaro Spallanzani schon 1765 die Idee veröffentlicht, Lebensmittel in luftdicht abgeschlossenen Behältern zu konservieren, doch die Ehre der Erfindung von Konserven gebührt einem Franzosen: Der Pariser Zuckerbäcker Nicolas-François Appert entwickelte Anfang des 19. Jahrhunderts die Methode, Suppe, Rindfleisch und Hülsenfrüchte mit Hilfe von langsamer Erhitzung in Glasflaschen haltbar zu machen. Anfangs benutzte er ausgediente Champagnerflaschen, später eigens geblasene große Glasballons.
Appert kassierte nach bestandenen Tauglichkeitstests seiner Konserven bei der französischen Kriegsmarine 1805 die kaiserliche Belohnung, obschon sich die Behälter letztlich als zu fragil für den harten Kriegseinsatz herausstellten. Erst ein paar Jahre später erzielte ausgerechnet Frankreichs Erzfeind England den Durchbruch: Der Londoner Kaufmann Peter Durand ließ sich am 25. April 1810 (einige Quellen nennen auch den 25. August) die Verpackung von Nahrung in Blechdosen mit verzinntem Deckel mit anschließender Sterilisation im kochenden Wasser patentieren.
129 Männer starben an Bleivergiftung
Diese ersten "Konservendosen" waren doppelt so schwer wie ihr Inhalt und deshalb zunächst nur der Armee-Verpflegung und wenigen Forschungsexpeditionen vorbehalten. Die Büchsen mit Kalbfleisch, die der britische Polarforscher Sir William Parry 1824 mit in die Arktis nahm, trugen die Aufschrift: "Mit Hammer und Meißel rund um den Deckel öffnen" - der Dosenöffner wurde erst im Jahr 1858 patentiert.
Kurz zuvor hatte der Brite John Franklin 8000 mit Blei versiegelte Dosen einladen lassen, als er mit 129 Männern die Nordwestpassage erkunden wollte. Keiner von ihnen überlebte die schleichende Bleivergiftung. Bis heute hält sich der Mythos, Lebensmittel dürften nicht in geöffneten Büchsen aufbewahrt werden. Das ist inzwischen Blech von gestern, denn moderne Dosen bestehen aus 0,5 Millimeter dünnem, innen mit Kunststoff versiegeltem Weißblech und Vorsicht ist allenfalls bei Fischkonserven zweifelhafter Herkunft, bei der schwedischen Heringsmutprobe Surströmming und bei einigen Konserven aus Großbritannien geboten - die Briten verzichten gern mal auf den inneren Kunststoffüberzug, weil sie finden, dass Essen aus Dosen einen typischen Dosengeschmack haben sollte.
Von den "Maggi Eier-Ravioli" werden pro Jahr in Deutschland bis zu 50 Millionen Dosen verkauft
Eine Meinung, die sie offenbar mit jenen bis zu 50 Millionen Deutschen teilen, die jährlich seit der Markteinführung 1958 die "Maggi Eier-Ravioli" zu ihrer Hauptmahlzeit machen. Wie man diesen Glibber mit frischen Zutaten auf einer halben Arschbacke um Galaxien besser zubereiten kann, haben wir in einer früheren Tageskarte gezeigt, doch es soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch einige wenige, ausgesuchte Nahrungsmittel aus den mehr als 200 Milliarden jährlich weltweit hergestellten Dosen mit "Vollkonserven" (mind. zwei Jahre haltbar) und "Dreiviertelkonserven" (1 Jahr bei max. 20 Grad) ihren Platz in Feinschmeckerspeisekammern finden können.
Was auf die durch Zugabe von Konservierungschemie haltbar gemachten "Halbkonserven" natürlich ebenso wenig zutrifft wie auf die für viele Nordeuropäer nur schwer verdaulichen Maiskörner für den Nudelsalat, die "Baked Beans" oder die durch Andy Warhol unsterblich gewordene "Campbell's Tomato Soup". Wenn Gourmets Dosen aufreißen, die nicht für ihre Haustiere bestimmt sind, dann edle Manufakturkonserven mit bretonischen Jahrgangssardinen, neapolitanischen vollreife San-Marzano-Tomaten, elsässischer Bio-Foie Gras, Artischockenherzen von der Loire-Mündung oder aromastark eingemachte Wintertrüffel.
Auf diesem Wege hilft unser vegetarisches Rezept für vertikale Pappardelle allen Genießern aus der Patsche, die trotz sonntäglich leerem Kühlschrank noch auf hohem Niveau abnudeln wollen.
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... hin und wieder durchaus in Ordnung. Wer das Zeug aus eigenem Antrieb massenhaft frißt, betrügt sich selbst um den Genuß des Kochens und des guten, nach individuellem Geschmack zubereiteten Essens. mehr...
Schön, daß mal das Büchsen-Essen nicht pauschal abgewertet wird. Es ist schon pervers: schonend zubereitete, schmackhafte, spottbillige Konserven werden in Grund und Boden verdammt, und die Hausfrau geht anschließend hin, um ihre [...] mehr...
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