Von Hobbykoch Peter Wagner
Die Tage zwischen dem meteorologischen und dem kalendarischen Herbstbeginn bieten trotz aller Melancholie, dass es nun vorbei damit ist, mitternachts nackt im See zu schwimmen, zumindest dem Gaumen einen ganzen Strauß an spannenden Reizen. Nach oftmals eher fleischigen Monaten am Grill bietet die aktuelle Nahrungsjahreszeitenbrücke bis zu jenem Moment, an dem Enten- oder Schmorbratengelüste parallel mit den Herbstnebeln auf den Feldern hochsteigen, ein perfektes Zeitfenster, um nun etwas weniger Fleisch, dafür mehr herrlich reifes Obst und Gemüse zu essen.
Damit ist natürlich nicht die Bekehrung zur vegetarischen oder gar veganen Ernährung gemeint - trotz Jonathan Safran Foer und aller lautstarken Lobbyarbeit bleiben in Mitteleuropa Menschen, die ihren Proteinbedarf konsequent teilweise oder vollständig nicht aus tierischen Quellen decken, eine kleine Minderheit: Je nach Zählweise sehen sich 1,5 bis 2,5 Prozent der Bevölkerung als (Voll-, Ovo-, Lacto- oder Pesco-)Vegetarier, als noch dazu tierische Produkte wie Wolle oder Leder ablehnende Veganer oder primär von Fallobst lebenden Fructarier.
94 Prozent essen Tiere
Der "Vegetarierbund", dauerverzückt von Indien mit etwas über 40 Prozent Veggies, zählt als Ernährungslobby naturgemäß anders: Aber auch wenn nur sechs bis sieben Prozent (die Europäische Vegetarier Union spricht sogar von neun Prozent) kein Fleisch und Fisch inklusive deren Produkte zu sich nehmen mag, gilt für die restlichen 94 Prozent: Tiere essen? Ja bitte!
Und das kann sogar nach Lektüre von Jonathan Safran Foers Buch "Tiere essen" die Antwort sein, aber bitte doch mit ein wenig mehr Hirneinsatz beim täglichen Nahrungsmitteleinkauf. Wer Essen als lästige, unnütze Zeit an der Kalorientankstelle begreift, dem ist ohnehin in dieser Frage nicht zu helfen. Der Rest der mehr oder minder regelmäßig Fleischessenden könnte Foers Recherchen in den moralfreien Niederungen der Massentierhaltung zum Anstoß nehmen, öfters mal nach Herkunft, Aufzucht, Leben und Sterben der Kreatur zu fragen, deren Fleischteil er zu verspeisen gedenkt.
"Wir schaffen es nicht, nicht zu töten"
"Es setzt einem ganz schön zu, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen", sagte Foers Autoren-Kollegin Karen Duve (ihr Buch "Anständig essen: Wie ich versuchte, ein besserer Mensch zu werden" erscheint im Januar 2011) im SPIEGEL. "Wir schaffen es nämlich nicht, nicht zu töten. Wir können nur entscheiden, was, wie viel und unter welchen Bedingungen wir zerstören." Und damit meint sie eben auch die Pflanzen, deren Leben wir eifrig kauend zerstören.
Für Genießer wie für Spitzenkochschaffende ist "Bio" zwar nicht automatisch und immer besser, beim Fleisch- und Fischeinkauf achten beide aber schon seit jeher auf Qualität. Und die kommt bei den Nutztieren eben nicht von Qual: "Label Rouge", eine der ältesten Highend-Qualitäts-Auszeichnungen Frankreichs, steht nur auf Fleisch und Tierprodukten, deren Produktion von vorne bis hinten auf die Erzeugung möglichst hochwertiger Qualität - geschmacklich wie bakteriologisch - optimiert wurde. Und das geht in den von Foer beschriebenen Tier-KZs schon per Geschäftsmodell-Ausrichtung nicht.
Wer Fleisch und Fisch aus noch tierfreundlicherer Erzeugung als unter dem für viele bewusst lebende und essende Genießer oftmals zu laschen EU-Bio-Siegel haben möchte, sich aber nicht die Mühe machen will, in seiner Region persönlich nach entsprechenden Betrieben, Bauern oder Genossenschaften zu suchen, ist mit Produkten gut bedient, die ein Bioland- oder Neuland-Siegel tragen. In beiden Fällen wird zum Beispiel die von Foer völlig zu Recht angeprangerte Kastration nicht betäubter Ferkel ausgeschlossen.
Für die Rezepte der kommenden drei "Tageskarten" müssen wir uns solche Gedanken aber erst gar nicht machen: Wir laden ein zu einem überraschenden Amuse Gueule und Aperitif, einem jahreszeitlich genordeten Dessert und, gleich jetzt und hier, zu einer Variation von Backpackers Liebling Dal Bhat.
Das kommt zwischen Himalaya und Sri Lanka meist als einfache Suppe aus Linsen (Dal) mit etwas Reis (Bhat) und ein paar Gemüsen auf den Tisch, letztere in Nepal gern in der für unseren Gaumen schwer erträglichen Yak-Butter gedünstet. Wir aber wollen wie immer etwas schicker speisen und gönnen dem kargen Mahl einen Gourmet-Upgrade.
Immerhin ist in diesen Wochen Gemüse unser Fleisch.
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wie einem hohen Cholesterinspiegel, Fettleibigkeit sowie Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Bluthochdruck, Arthritis und verschiedenen Herzerkrankungen in Verbindung gebracht. Ein weiteres Problem stellen die Rückstände von [...] mehr...
wenn ich meinen Vorredner anschliessen darf - alles wie gehabt bei dem "Hobbykoch". Aber er darf immer weitermachen und keiner nimmt ihm die Kamera weg - unterirdisch seine Fotos. mehr...
Eine wirkliche Yak-Butter-Kur habe ich an sich nur in Tibet erhalten. Was für mich wesentlich schlimmer war, war der Korianderanteil in praktisch allen Dals (min. einmal pro Tag, jeden Tag an dem ich da war). mehr...
... natürlich musste Pedro Wackler die satirisch gemeinte Anregung der Yakbutter aufgreifen - fürs nächste Mal werde ich mir was noch exotischeres ausdenken, da es ja die nächsten Wochen vegetarisch zugehen soll, denke ich über [...] mehr...
Um mich dem Vorredner anzuschließen, das Rezept hat nichts mit Dal zu tun, die Würzung passt nach Thailand. Vielleicht sind die traditionellen Gewürze einfach nicht hipp genug für die Wagner´sche High-End-Küche. Ich koche Dhals [...] mehr...
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