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09.09.2010
 

"WAZ"-Gesellschafterin

Anneliese Brost ist tot

Anneliese Brost: Zeitungsfrau der Stunde nullZur Großansicht
DPA / WAZ/ FotoPool / Ilja Höpping

Anneliese Brost: Zeitungsfrau der Stunde null

Bis ins hohe Alter engagierte sie sich und nahm Anteil an der Arbeit ihrer Redaktionen. Kurz nach ihrem 90. Geburtstag ist Anneliese Brost, "WAZ"-Gesellschafterin und Witwe des Zeitungsgründers Erich Brost, nun gestorben.

Hamburg - Gemeinsam mit ihrem Mann Erich Brost (1905-1995) prägte sie die Medienlandschaft der Bundesrepublik: Ihr Blatt, die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" gilt mit seinen vielen Regionalausgaben als einflussreichste Tageszeitung Nordrhein-Westfalens. In der Nacht zu Donnerstag ist die "WAZ"-Gesellschafterin und Witwe des Gründers der "Westdeutschen Allgemeinen" jetzt gestorben. Das teilte die "WAZ"-Mediengruppe in Essen mit. Brost war am vergangenen Samstag 90 Jahre alt geworden.

Die Brost-Familie hält 50 Prozent an der "WAZ"-Mediengruppe, die in 30 Tageszeitungen, zahlreichen Wochenzeitungen, Fach- und Anzeigenblättern rund 17.000 Menschen beschäftigt. Die Anteile werden dem Konzern zufolge von einem erfahrenen Testamentsvollstrecker verwaltet. "WAZ"-Geschäftsführer Bodo Hombach sagte, die Todesnachricht sei überraschend gekommen. Laut Hombach ist die Kontinuität in der Führung des 50-prozentigen Anteils der Brost-Familie an der "WAZ"-Gruppe durch die testamentarischen Verfügungen des Gründungsherausgebers Erich Brost seit mehr als 20 Jahren gesichert.

Dem Konzern zufolge hatte die Verstorbene bis zuletzt regen Anteil an der Arbeit der Redaktionen und sich immer wieder für die Interessen der Journalisten eingesetzt. Noch vor wenigen Tagen habe sie sich in einem Interview für das Medium Zeitung und einen modernen Qualitätsjournalismus ausgesprochen: "Die Zeitung hat Zukunft. Sie wird (aber) neue Schwerpunkte setzen müssen, denn die reine Nachricht wird heute von Internet, Radio und Fernsehen praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit geboten." Orientierung, einordnende Kommentare und Hintergrundberichte - darin liege die Zukunft des Mediums, sagte Brost.

Von der Sekretärin zur Gesellschafterin

Anneliese Brost wurde Sekretärin, weil die Nationalsozialisten ihr ein Betriebswirtschaftsstudium verwehrten. Nach dem Krieg arbeitete sie als Sekretärin für Erich Brost, als die britische Militärverwaltung dem damaligen Chefredakteur der "Neuen Ruhr Zeitung" die Lizenz für eine politisch unabhängige neue Zeitung anbot.

Anneliese Brost überzeugte den eher der Politik zuneigenden Brost von dem Angebot. Die von den Briten erteilte "Lizenz 192" für die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" hing seitdem in ihrem Büro. 1975 heirateten die beiden. Heute ist die "WAZ" die bekannteste Zeitung des Medienkonzerns. Nach dem Tod ihres Mannes 1995 übernahm Brost seine Aufgaben.

Sie engagierte sich in zahlreichen sozialen und kulturellen Stiftungen. Unter anderem förderte sie die deutsch-polnische Verständigung, das Essener Folkwang-Museum und die Zeche Zollverein, die inzwischen Weltkulturerbe ist. Auch ein Wissenschaftszentrum zu internationalem Journalismus an der Technischen Universität Dortmund geht auf eine Brost-Stiftung zurück. 2004 bekam Anneliese Brost für ihre Verdienste die höchste Auszeichnung des Landes Nordrhein-Westfalen, den Staatspreis.

ulz/dpa/AP

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