Berlin - Die Idee Haackes ist auf Widerstand in der CDU, aber auch in der SPD, FDP und bei den Grünen gestoßen. Rund 150 Abgeordnete unterzeichneten einen von der CDU eingebrachten Antrag gegen das Auftragswerk.
Haacke will in einem der Lichthöfe des Reichstages Erde, die die 669 Bundestagsabgeordneten aus ihren Wahlkreisen nach Berlin mitbringen sollen, wie ein Blumenbeet aufschütten und das Kunstobjekt mit der Neon-Inschrift "Der Bevölkerung" versehen.
Die Grünen-Politikerin und Bundestags-Vizepräsidentin Antje Vollmer schlug sich am Dienstag erneut auf die Seite der Gegner. In ihren Augen ist die Haacke-Installation "Biokitsch". Es sei das Recht der Abgeordneten im Bundestag frei zu entscheiden, ob sie sich an einer solchen "eher komischen Szene wie diesem Erdritual beteiligen wollten oder nicht", sagte sie in einem Interview der Berliner Zeitung "Der Tagesspiegel". In der Debatte könne sie deshalb auch keinen Verstoß gegen die Freiheit der Kunst sehen.
Der Ausführung des Werks hatte der Kunstbeirat des Bundestages erst im November vergangenen Jahres mit großer Mehrheit zugestimmt. Der extra nach Berlin gereiste 63-jährige Haacke stellte klar, er habe die Inschrift als bewussten Kontrast zu der Widmung im Reichtagsportal "Dem Deutschen Volke" gewählt. Mit seinem Beitrag wolle er Artikel drei des Grundgesetzes veranschaulichen. Dieser lautet: "Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich." Mit dem Artikel würden allen Mitgliedern der Gesellschaft und nicht nur der Volksgemeinschaft gleiche Chancen einräumt.
Haacke verwahrte sich nachdrücklich gegen Vorwürfe des Hamburger Kunsthistorikers Martin Warnke, der die Installation in die Nähe der Blut-und-Boden-Ideologie der Nationalsozialisten gerückt hatte. Laut Haacke wird seit den sechziger Jahren in zahlreichen Ländern Erde als künstlerisches Material eingesetzt. Auch gehe es nicht um "Heimaterde", sondern Erde aus den Wahlkreisen der Abgeordneten.
Der Künstler stellt es jedem einzelnen Abgeordneten frei, ob er sich beteiligt oder nicht. Nach Neuwahlen sollen neue Abgeordnete das Recht haben, ihre Erde für das Kunstwerk mitzubringen, so dass dieses nie abgeschlossen wird.
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