Montag, 23. November 2009

Kultur



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06.04.2000
 

Ausstellung

Von Doppelspionen und Todeskommandos

Die Ausstellung "Streng geheim!" im Hamburger Museum für Kommunikation zeigt neben Spionage-Utensilien vor allem den beklemmenden Alltag, der hinter dem Agentenberuf in Wirklichkeit steht.

Die Miniaturkamera der Spionin Sonja Lüneburg
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DPA

Die Miniaturkamera der Spionin Sonja Lüneburg

Aus der Agentengalerie mit Portraits von Spionen, Doppelspionen und Aussteigern spricht die glühende Überzeugungskraft dieser Berufsgruppe - das bedingungslose und erbitterte Eintreten für eine politische Überzeugung, welches nach 1990 für den Ausstellungsbesucher allenfalls einen musealen Realitätsbezug hat.

Mit Befremden verfolgt der Besucher die Lebensläufe der meist spektulär enttarnten Spione aus der Zeit zwischen 1940 und 1990. In der Agentengalerie findet sich ein Portrait von Günter Guillaume, der bis zu seiner Verhaftung am 24.April 1974 als persönlicher Referent bei Willy Brandt arbeitete und durch seine Enttarnung den Rücktritt des damaligen Bundeskanzlers auslöste. Auch Johanna Olbrich alias Sonja Lüneburg wird vorgestellt. Die Chef-Sekretärin des damaligen FDP-Politikers Martin Bangemann schien ein Jahrzehnt lang immer dann unter Schnupfen zu leiden, wenn vertrauliche Akten auf dem Schreibtisch lagen. Die Museumsbesucher in Hamburg wissen warum: Die Agentin hatte eine zeigefingergroße Minikamera in ihr Taschentuch eingenäht.

Klaus Beyrer, der die Ausstellung konzipierte, wies darauf hin, dass zum Westen übergelaufene Ost-Spione teilweise durch Todeskommandos liquidiert wurden. Aus diesem Grund erhielt zum Beispiel Werner Stiller, nachdem er über das Ministerium für Staatssicherheit ausgeplaudert hatte, vom CIA eine neue Identität und wurde in den USA versteckt. Mielke setzte damals eine Millionen Mark Kopfgeld auf ihn aus. Seit dem Zusammenbruch der DDR lebt Stiller unbehelligt in Frankfurt.

Zutaten zur Herstellung von Geheimtinte
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Zutaten zur Herstellung von Geheimtinte

"Streng geheim" geht aber auch auf die Geschichte der Kryptologie ein. "Schon vor 2000 Jahren hat Cäsar verschlüsselte Briefe verschickt", erzählt Beyrer. Nach einem bestimmten Code verschob der römische Feldherr die Buchstaben des Alphabets um eine bestimmte Anzahl von Stellen nach oben oder unten. Auch dem verstorbenen US-Regisseur Stanley Kubrick wird nachgesagt, die Methode auf der Leinwand verwendet zu haben. In der Zeit des Kalten Krieges hörten deutsche Radiohörer bisweilen eine scheinbar unzusammenhängende Zahlenreihe. So teilte Mielkes Ministerium für Staatssicherheit seinen Kundschaftern im Westen verschlüsselte Botschaften mit.

Neuere Exponate zeigen, dass die Spionage auch nach dem Zusammenbruch des Ostblocks Konjunktur hat. Verschlüsselung, im Fachjargon Kryptologie, ist im Zeitalter des Internet in aller Munde. So schafft es "Streng geheim!", eine Brücke zu schlagen zwischen tatsächlichen Spionen und den Stereotypen aus James Bond, zwischen Fiktion und Realität. Die Ausstellung läuft vom 6. April bis 27. August im Museum für Kommunikation in Hamburg, für Schulklassen und Gruppen gibt es Sonderführungen. Weitere Infos unter: Museum für Kommunikation Hamburg

Dörte Tewes

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