Von Bettina Koch
"Zlatkos Welt" ist wie "Big Brother", nur ohne Container. Der 24-jährige Industriemechaniker aus Schwaben wird weiterhin auf Schritt und Tritt von Kameras verfolgt, trägt Mikrofon und einen Sender am Körper. Wir sehen Zlatko hinter den Kulissen von Stern TV, beim Vorgespräch mit Stefan Raab, beim gemeinsamen Kölsch mit Harald Schmidt ("Ich trink das lieber aus der Flasche"). Die Kameras begleiten ihn auch beim Hosenkauf, und er lässt sich bei der Anprobe zugucken. Er braucht keine Kabine, er macht weiter, wie wir ihn kennen gelernt haben: alles öffentlich.

Showmaster Zlatko Trpkowski
Nicht Zlatko wird porträtiert, sondern der Hype. So begleiten ihn die Kameramänner in die Kneipe von Jürgen, seinem Lieblingsmitbewohner, und fangen auch dort wieder eine grölende Menschenmenge ein: "Singen, singen", fordert sie, und Zlatko gibt seinen Hit zum besten, dessen lässige Grammatik so schön unklar lässt, ob mit der Zeile "Ich vermiss dich wie die Hölle" die Freundin oder der Mitbewohner besungen wird und ob sie nicht vielleicht bedeuten soll: Ich vermisse dich, so wie ich die Hölle vermisse - nämlich gar nicht? "Hab mich selbst um den Verstand gebracht", lautet ein weiterer doppeldeutiger Vers aus dem Big-Brother-Abschiedslied.
"The Brain" ist natürlich nicht mehr so unbedarft wie im Container. Er beamt sich selber auf eine Meta-Ebene, scherzt in der Harald-Schmidt-Kantine "Bitte ein Shakes-Bier für mich" und antwortet souverän mit "Keine Ahnung", statt etwas Dummes zu sagen. Während seines zehnminütigen Auftritts bei Stefan Raab verhilft er auch diesem Spruch zu Kultcharakter, denn beim nächsten Ansatz eines Kopfschüttelns ruft das Studiopublikum die Antwort schon im Refrain. Zlatko muss nur noch allwissend lächeln, und plötzlich kann niemand mehr so sicher sein, ob sich hier Zuschauer über einen Hofnarren lustig machen oder ob Zlatko seinen Fans einfach den Spiegel vorhält. Auch bei anderer Gelegenheit nämlich zwingt der Gehypte seine Anhänger zu innerer Einkehr und ruft in den Menschenauflauf: "Ihr liebt mich ja mehr als eure eigenen Leute!" Das ist richtig klug beobachtet. Und es ist eine zlatko-pointierte Fassung des Satzes "Geht nach Hause zu den Menschen, die euch wirklich wichtig sein sollten."
Besuche bei Raab - Jauch - Schmidt - Raab...
Nachdem man am Montag Abend dem früheren Tankstellenjobber eine Stunde lang in der Sondersendung zugucken konnte, war er einen Zapp weiter wieder bei Stefan Raab zu sehen. Dort hat er in der Vorwoche seinen "TV Total"-Preis gewonnen. Beim zweiten Auftritt ist er noch cooler, weist gar Blödel-Otto in die Schranken, der nicht aufhört, Raab bei der Moderation zu stören. Soll nur ja keiner glauben, dass er den Clown macht.
Weiteres Indiz dafür, dass Trpkovski sich längst über seine Fans erhebt: Er trägt außerhalb von Big Brother gerne einen Anzug. Die Zuschauer aber gewinnen mit der richtigen Antwort auf die Quizfrage "In welchem Land ist Zlatko geboren?" ein Set aus signierter Jogginghose, Zlatko-T-Shirt und Big-Brother-Mütze. Während der Fan also in Schlumpklamotten vor dem Fernseher sitzt und die dritte Aufzeichnung von Zlatko bei Raab anguckt (denn natürlich hat er auch diesmal den "Raab der Woche" geholt), wird der Held längst mit seinen Anzügen den doppelten Boden, den er der Fernsehgemeinde bereitet hat, verlassen haben. Trpkovski hat nämlich angekündigt, den Hype noch zwei Wochen mitzumachen und dann mit Freundin einige Monate nach Australien zu entschwinden.
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