Von Carmen Stephan

Wer hätte das gedacht? Unser preußischer Hedonist Wolfgang Joop will nicht nur in die Hamburger Bürgerschaft, er brutzelt sich auch am Herd etwas zurecht. Aus "spontanen Hungeranfällen" entwickelte er die "Hectic Cuisine" - ein kreatives Kochbuch für Menschen, die mit Handy und Laptop hantieren und normalerweise den Sushi-Delivery-Service anwählen, wenn der Magen knurrt. Doch mit diesen Zuständen will Wolfgang Joop aufräumen. Schließlich ist Kochen irgendwie auch Kultur und somit Blaupause der Gesellschaft. Und die, ja die muss man an die Hand nehmen, egal ob durch die Wirtschaft, Mode, Design, Journalismus oder aktuell durch Politik und Küche. Wolfgang Joop ist der universale Trendguru und selbsterklärte Aufklärer unserer Zeit.
In der Küche vermittelt uns Joop, dass man heutzutage lässig im Unterhemd kocht und den dampfenden Nahrungsmitteln zuhört: "Der Fisch sagt mir selbst, wann er aus der Pfanne will, wie im Märchen. Das Gemüse flüstert mir zu, wie es zubereitet und gewürzt werden möchte", raunt der Mode-Mann. Garzeiten gibt er deshalb nicht an, der Leser soll sich ganz aufs Flüstern konzentrieren und somit ein Gefühl für sinnliche Wahrnehmung entwickeln.

Nicht aufs Hemd kleckern, Wolfgang
"Wie Striptease zu einer Haute-Couture-Modenschau" verhält sich sein Kochbuch zu dem von Alfred Biolek, hat Wolfgang Joop richtig erkannt. Seine Kreationen sind höchstens als spröde Model-Vorspeisen zu gebrauchen. Feinschmecker stellen sie kaum zufrieden. Zudem verwirrt Joops Zutaten-Fibel durch ihr buntes Werber-Layout und wirkt eher wie das Portfolio eines Food-Designers. "Hectic Cuisine" ist weder praktisch noch eine Anleitung zum Sattwerden. Was bleibt, ist die rettende Nummer des Pizzaservices, oder Mutters Kochbuch.
Wolfgang Joop: "Hectic Cuisine". Wolfgang Hölker Verlag, Münster; 100 Seiten; 39,80 Mark.
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