9/11 Memorial Museum Gedenken im Untergrund

Verbogener Stahl, Feuerwehrwagen, von Asche bedeckte Kleidungsstücke: Das 9/11 Memorial Museum zeigt auf sieben unterirdischen Etagen die Überreste der Anschläge des 11. September. Heute hat es US-Präsident Obama eröffnet.

Jin Lee/ 9-11 Museum

New York - Die Räder sind verbogen. Die Sättel staubbedeckt. Die Fahrräder sind noch immer angeschlossen an diesem Ständer, der in der Nähe des World Trade Center stand. Nun steht er im 9/11 Memorial Museum, das am Donnerstagvormittag (Ortszeit) von US-Präsident Barack Obama eröffnet wurde.

Das Museum zeigt tausende Gegenstände aus dem World Trade Center und aus dem Besitz von Opfern, Augenzeugen oder Helfern: Schuhe, Hüte, Uniformen. Ein zerstörtes Feuerwehrauto und Flugzeugfenster, einen Ehering.

Es sind Hinterlassenschaften der fast 3000 Menschen, die den Anschlägen vom 11. September 2001 zum Opfer gefallen sind. Das Museum gedenkt der Toten dieses Tages. Zwei Flugzeuge wurden damals in die zwei Türme des World Trade Centers gelenkt. Ein weiteres stürzte auf das Pentagon, den Sitz des US-Verteidigungsministeriums. Eine viertes entführtes Flugzeug wurde in Pennsylvania zum Absturz gebracht.

Im 9/11 Memorial Museum wird zudem der Menschen gedacht, die beim ersten Anschlag auf das World Trade Center am 26. Februar 1993 gestorben sind.

Fotostrecke

18  Bilder
9/11 Memorial Museum: Hinterlassenschaften der Opfer

Der Bau erstreckt sich über sieben unterirdische Stockwerke, in die das Licht des gläsernen Eingangsbereichs vordringt. Hier werden die Hintergründe der Anschläge erklärt, ihre Nachwirkungen und die Geschichten einzelner Betroffener erzählt. Überirdisch befindet sich das Mahnmal für die Toten: zwei gigantische Wasserbecken, die in den Fundamenten der Türme stehen.

Finanzstreitigkeiten und die Verwüstungen des Wirbelsturms Sandy im Jahr 2012 hatten die Eröffnung immer wieder verzögert. Anfang der Woche erst protestierten Angehörige gegen die Überführung von sterblichen Überresten der Opfer in die Katakomben des Museums. Sie wollen nicht, dass daraus Museumsstücke werden. Es war kein leichter Weg bis zur Fertigstellung dieser Gedenkstätte.

Nach der Eröffnung steht das Museum in den nächsten Tagen ausschließlich den Überlebenden offen, den Angehörigen der Opfer, Nachbarn sowie Polizisten und Feuerwehrmännern, die damals im Einsatz waren. Ab 21. Mai wird es dann für alle anderen Besucher für 24 Dollar Eintritt geöffnet.

Zu sehen sind auch die Hosen und Hemden und Pullover eines Bekleidungsgeschäfts. Der Inhaber von Chelsea Jeans wollte den Schrecken des 11. September festhalten. Also ließ er einen Teil seines Ladens genauso bestehen, wie er durch die Anschläge hinterlassen wurden.

Ausgestellt ist auch der Motor eines Aufzugs aus dem Nordturm, der mit dem Einschlag eines Flugzeugs beschädigt worden war, wodurch alle Menschen oberhalb des 93. Stockwerkes zu Gefangenen wurden. Zu sehen sind Gebäude- und Stahlteile. Und Erinnerungen auf Fotos und Videos. Und eben dieser Fahrradständer. Wem die Räder gehören, weiß man nicht. Nur ein Besitzer meldete sich. Er wollte sein Fahrrad zurück haben.

Fotostrecke

9  Bilder
9/11-Opfer: Trauer im Morgengrauen

kha/dpa



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mirmel 15.05.2014
1. Respekt
Den Bildern nach zu urteilen ist dieses Museum ein Meisterwerk. Ein würdiges Andenken.
robin-masters 15.05.2014
2. Stilles gedenken
wird vermutlich Touristen-Magnet und der Eintritt ist auch ziemlich Teuer. Ansonsten gut gestaltet. Die Überschrift ist eher ironisch zu sehen. Schade ist nur das solche Art des Gedenkens den Opfern und dem Leid nicht wirklich ein Denkmal setzt. Ich bin Berliner und sehe Historien-Vergnügungsparks jeden Tag.
e33h372 15.05.2014
3. verklärung der geschichte
leider wird von den machern der ausstellung nichts über den entstehungsprosess des anschlags vermittelt.klassische amerikanische oberflächlichkeit die der brisanz der eigentlichen umstände nicht gerecht werden.wie immer erst die hymne mirt hand auf dem herz danach hot-dog und burger
correllon 15.05.2014
4. Gemischte Gefühle
Es ist richtig und wichtig, dass es eine Gedenkstätte für die Opfer von 9/11 gibt; einen Ort, an dem die Erinnerung bleibt und die Angehörigen trauern können. ---Zitat--- Ab 21. Mai wird es dann für alle anderen Besucher für 24 Dollar Eintritt geöffnet. ---Zitatende--- Dass man für dieses Museum allerdings Eintritt bezahlen muss und auch die sterblichen Überreste einiger Opfer austellen wollte, verleiht dem Ganzen einen faden Beigeschmack. Es scheint, als wollle man an der Erinnerung an das wohl einschneidenste Erlebnis des 21. Jahrhunderts noch Geld verdienen. Wenn man davon ausgeht, dass die USA an dem Terroranschlag beteiligt waren, offenbart die Eröffnung eines mehrstöckiges Memorial Museum schon einen gewissen Zynismus. Eine "einfache" Gedenkstätte ähnlich dem Arlington International Cementary oder dem Holocaust Mahnmal in Berlin wäre angemessener gewesen.
mimas101 15.05.2014
5. Hmm
die Halle mit den Gedenken an alle Opfer ist sicherlich sinnvoll und richtig so, aber auf den restlichen Bildern wirkt der Rest eher etwas wie ein Vergnügungspark denn als eine würdige Gedenkstätte. Die Ausstellungsstücke sind zwar alles das Ergebnis der Zerstörungen der beiden Bürohochhäuser, aber irgendwie meine ich ist es doch etwas zu nichtssagend für das Gedenken an die Opfer (um die es ja letztendlich geht; gegenüber einem kaputten Haus, Auto oder ein paar zum Verkauf angebotene Jeans kann man schlecht ein Gedenken ausüben).
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.