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Offener Brief von Grass, Rushdie und Co.: Schriftsteller rechnen mit Putin ab

Mehr als 200 Schriftsteller aus aller Welt appellieren in einem offenen Brief an Wladimir Putin, die Meinungsfreiheit zu wahren. Scharfe Kritik äußern sie an den russischen Homosexuellen-Gesetzen. Zu den Unterzeichnern gehören Günter Grass, Elfriede Jelinek und Salman Rushdie.

London - Die Meinungsfreiheit in Russland sei im "Würgegriff" von Anti-Homosexuellen-Gesetzen: Wenige Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Sotschi haben mehr als 200 internationale Schriftsteller Russlands Präsident Wladimir Putin in einem offenen Brief in der britischen Zeitung "Guardian" gemahnt, die Meinungsfreiheit in Russland zu wahren. Zu den Unterzeichnern zählen die Literaturnobelpreisträger Günter Grass, Elfriede Jelinek und Orhan Pamuk.

Die Schriftsteller verdammen die Gesetze gegen "homosexuelle Propaganda", Blasphemie und Verleumdung. Diese drei Gesetze bedrohten Schriftsteller besonders, heißt es in dem Brief. "Wir können nicht stumm dastehen und zusehen, wie unsere Kollegen, Autoren und Journalisten dazu gezwungen werden zu schweigen oder dafür verfolgt werden, dass sie einfach nur ihre Gedanken ausdrücken. In Russland ist es etwa verboten, in Gegenwart von Kindern positiv über Homosexualität zu sprechen.

"Eine gesunde Demokratie muss die unabhängigen Stimmen aller ihrer Bürger hören", heißt es in dem Brief. Die Weltgemeinschaft müsse die Vielfalt der russischen Meinung hören "und von ihr bereichert werden". Daher fordern die Unterzeichner die russische Regierung auf, die Gesetze, die eine "freie Meinungsäußerung außer Kraft setzen", wieder aufzuheben.

Insgesamt haben sich 217 Schriftsteller aus mehr als 30 Ländern zusammengetan, darunter weltbekannte Autoren wie Salman Rushdie, Margaret Atwood, Jonathan Franzen oder Jostein Gaarder und auch die bekannteste zeitgenössische russische Autorin Ljudmila Ulizkaja. Viele Sportler dürften das Schreiben quasi auf der Anreise ans Schwarze Meer lesen - am Freitag werden die Winterspiele in Sotschi eröffnet.

"Der Würgegriff, in dem Russland die Meinungsfreiheit hält, ist beunruhigend und muss im Interesse einer gesunden Demokratie in Russland angesprochen werden", sagte der Schriftsteller Salman Rushdie dem "Guardian". Der Brief sei "für russische Schriftsteller, Künstler und Bürger gleichermaßen wichtig". In dem offenen Brief fordern die Autoren die russischen Behörden dazu auf, die Gesetze, welche die "freie Rede ersticken", aufzuheben.

Sie hofften, dass Präsident Putin den Brief lesen und seinen Kurs ändern werde, sagten einige der Unterzeichner. Die russische Schriftstellerin Ulizkaja, sagte dem "Guardian", die Behörden versuchten den Menschen in Russland eine "kulturelle Ideologie aufzuzwingen", die in vielerlei Hinsicht der Propaganda in der Sowjetzeit entspreche.

nck

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insgesamt 49 Beiträge
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1. Statt dem Putingebashe,
orthos 06.02.2014
Statt dem Putingebashe, das wirkich nicht viel bedeutet, solltet ihr, lieber SPON die leute bal darauf hinweisen, dass Deutschland sich bei der EU-Abstimmung zum Genmais nächste Wochen enthalten will!!
2. Lesen
polarwolf14 06.02.2014
Er wird wohl in Kenntnis gesetzt, aber ändern wird er das Gesetz deswegen nicht, es wurde ja im Parlament mit über 80 Prozent Unterstützung in Kraft gesetzt. Warum sollte er auch auf irgendwelche westliche Schriftsteller hören. Ich persönlich möchte nicht durch homosexuelle Propaganda bereichert werden. Putin hat wenigstens den Mut, das zu sagen was er denkt, das haben viele Politiker in der EU nicht.
3. oh je
freiemeinungbo 06.02.2014
da wird Herr Putin aber schlecht Schlafen und bibbern. Der bekommt es schon mit der Angst. lächerlich. da wollen sich manche Autoren nur mal wieder in den Vordergrund spielen und wichtig machen.
4. Man kann es nicht mehr hoeren.
FKassekert 06.02.2014
ich kann es jedenfalls nicht mehr hoeren! Wer will und muss Russland denn diktieren wie Homosexuelle zu leben haben! Die haben doch keine Ahnung bzw, waren in den 40-igern Jahren wohl das letzte mal in Russland Grass! Oh, sorry spaeter war er noch einmal in Rauschen und hat einen Gedenkstein fuer T. Mann eingeweiht! Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese 200 auch nur einmal in ihren Leben mit einen russischen Homo oder Lesbe gesprochen haben! Und man muss eben auch keine Gaypride in der Stadt haben! Genau wie keinen McDonalds! Als gaebe es in den Laendern dieser Welt keine anderen Probleme - zB Gewalt gegen Frauen in Indien; da habe ich kein Wort von denen gehoert! Die Heuchelei ganz bestimmter Kreise ist nicht mehr zu ertragen ...
5. Hört, hört!
wasdarfssein? 06.02.2014
Zitat von sysopDPAMehr als 200 Schriftsteller aus aller Welt appellieren in einem offenen Brief an Wladimir Putin, die Meinungsfreiheit zu wahren. Scharfe Kritik äußern sie an den russischen Homosexuellen-Gesetzen. Zu den Unterzeichnern gehören Günter Grass, Elfriede Jelinek und Salman Rushdie. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/200-autoren-fordern-in-offenem-brief-an-putin-meinungsfreiheit-a-951780.html
Grass und Jelinek! Aber wehe, ein Linker wagt hier im Spiegel Putin zu kritisieren. Dann ist er nach Meinung der meisten Foristen sofort russophil oder noch rechts von der CDU anzusiedeln. Schön, wenn ab und zu mal das politische Koordinatensystem wieder etwas geradegerückt wird. Allerdings hat Putin Russland nie an dem Anspruch messen lassen wollen, demokratisch zu sein. Er spricht ja selbst von einer "gelenkten Demokratie". Was irgend so etwas sein muss, wie die Antimaterie von Demokratie.
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