68er-Vordenker Christian Semler ist tot

Vom Studentenbeweger und Maoisten zum Journalisten: Christian Semler war Weggefährte Rudi Dutschkes, später Mitbegründer der maoistischen KPD/AO und seit 1989 unverzichtbarer Autor der "taz". In der Nacht zum Mittwoch ist er gestorben.

"taz"-Autor Christian Semler: Stratege der Studentenbewegung
Wolfgang Borrs

"taz"-Autor Christian Semler: Stratege der Studentenbewegung


Berlin - Die Redaktion der linksalternativen Tageszeitung "taz" trauert um ihren langjährigen Autor und Vordenker Christian Semler.

Semler, Sohn der Kabarettistin und Schauspielerin Ursula Herking und des CSU-Mitbegründers Johannes Semler, trat bereits 1957 in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) ein und war dort maßgeblich an der Ausarbeitung der politischen Strategie und an der Planung und Ausführung von Demonstrationen und Kampagnen beteiligt. Im Oktober 1967 führte Semler gemeinsam mit Rudi Dutschke und Bernd Rabehl in der Zeitschrift "Kursbuch" ein "Gespräch über die Zukunft", in welchem die Ziele der damaligen Studentenbewegung erörtert und vorgegeben wurden.

1970 war Semler Mitbegründer und später Vorsitzender der maoistischen Kommunistischen Partei Deutschlands Aufbauorganisation (KPD/AO). Nach der Auflösung der KPD/AO engagierte sich Christian Semler im Komitee "Solidarität mit Solidarnosc". Seit 1989 arbeitete er als Autor für die "taz" - von seinen Kolleginnen und Kollegen geschätzt als höchst belesener, undogmatischer und stets offener Gesprächspartner und Ratgeber. Im Jahr 2009 erhielt Semler den Otto-Brenner-Preis für sein journalistisches Werk. 2010 wurde er vom polnischen Staatspräsidenten Bronislaw Komorowski mit der Dankesmedaille des Europäischen Zentrums der Solidarnosc ausgezeichnet.

In der Nacht auf Mittwoch ist Christian Semler im Alter von 74 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

kuz



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Seite 1
Ausfriedenau 13.02.2013
1. Christian Semler
Zitat von sysopWolfgang BorrsVom Studentenbeweger und Maoisten zum Journalisten: Christian Semler war Weggefährte Rudi Dutschkes, später Mitbegründer der maoistischen KPD/AO und seit 1989 unverzichtbarer Autor der "taz". In der Nacht zum Mittwoch ist er gestorben. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/68er-vordenker-christian-semler-ist-tot-a-883117.html
war der klare Kopf der 68-Bewegung, der komplizierte Sachverhalte und theoretische Zusammenhänge einfach und verständlich ausdrücken konnte. Um diese "ehrliche Haut", der durch seine Besonnenheit Emotionen steuerte, trauern wir alle.
cato. 13.02.2013
2. ...
Zitat von sysopWolfgang BorrsVom Studentenbeweger und Maoisten zum Journalisten: Christian Semler war Weggefährte Rudi Dutschkes, später Mitbegründer der maoistischen KPD/AO und seit 1989 unverzichtbarer Autor der "taz". In der Nacht zum Mittwoch ist er gestorben. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/68er-vordenker-christian-semler-ist-tot-a-883117.html
Wer hat sich denn diesen Abschnit ausgedacht, also ein Maoist, der von seinen Kollegen als undogmatischer Gesprächspartner und Ratgeber geschätzt wird... Jede politische Ideologie beruht auf Dogmen, insbesondere aber die Sozialistischen Bewegungen sind absolut dogmatisch. Also entweder hat Semler irgendwann ne Kehrtwende vollzogen, die aus dem Artikel nicht deutlich wird und mit seinem Engagement für die "taz" eher unwahrscheinlich ist oder aber man möchte einfach nur ein paar belanglose Nettigkeiten über einen gerade Verstorbenen äußern...
Pat-Riot 13.02.2013
3. Vor-Denker?
Mag ja sein, dass die taz Vordenker braucht (wahrscheinlich bräuchte sie jede Menge davon). Aber die 1968er? Wenn etwas bei denen nicht benötigt wurde, dann einen, der ihnen was vor-denkt. Das konnten die schon selber.
c++ 13.02.2013
4.
Einer der nicht wenigen militanten Verfassungsfeinde der 68er, der mit zunehmendem Alter geläutert in den Schoß jener bürgerlich-kapitalistischen Schicht zurückkehrte, der er entstammte. Man sollte auch bei einem Nachruf die stalinistischen Extremisten der KPD/AO nicht verharmlosen, wenn man sie schon mal erwähnt. Die waren dogmatischer und für die Demokratie gefährlicher als alles, was heute an politischen Extremisten rumläuft. Undogmatisch war keiner von denen, Vordenker höchstens einer stalinistischen Gesellschaftsordnung. Erst mit zunehmendem Alter kehrten sie zurück an den warmen Herd der bürgerlich kapitalistischen Ordnung, wo sie herkamen.
lukapp 13.02.2013
5. Ist der Ausdruck
für einen 68er nicht so etwas wie ein "gebackener Schneeball" oder ein "hölzernes Eisen"?
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