Heute in den Feuilletons "Im Herzen ist jeder Neuköllner"

In der "FAZ" bringt es der Verleger Michael Klett auf den Punkt: Stuttgart fürchtet um die Geborgenheit, derentwegen Städte überhaupt erst gegründet wurden. Für die "Zeit" las Walser Steinbrück und fand Shakespeare. Die "FR" war in Neukölln.



Die Welt, 14.10.2010

In der Berliner Ausstellung "Hitler und die Deutschen" (mehr hier) geht es an sich gar nicht um Hitler, meint Richard Herzinger, sondern um die Projektionen, die die Deutschen auf ihn richteten: "Vielleicht wäre 'Der Hitler der Deutschen' ein präziserer Ausstellungstitel gewesen, liegt der Fokus der Aufmerksamkeit doch auf den - etwa im Barbarossa-Mythos manifestierten - Sehnsüchten nach einer rettenden Erlöserfigur, die in der deutschen Gesellschaft tief verankert waren und vom Hitler-Kult minuziös bedient wurden.".

Weitere Artikel: Stefan Keim ist beeindruckt von Elfriede Jelineks Stück "Rechnitz (Würgeengel)" über ein Massaker an jüdischen Zwangsarbeitern in den letzten Kriegstagen, das in der Inszenierung Hermann Schmidt-Rahmers in Düsseldorf einen wahren Theaterskandal auslöste. Wieland Freund stellt den diesjährigen Booker-Preisträger Howard Jacobson vor.

Besprochen werden Filme, darunter Joel Schumachers Romanverfilmung "Twelve" (mehr hier) über einen jungen Drogendealer in New York.

Aus den Blogs, 14.10.2010

(via Jezebel) Designboom zeigt eine Auswahl der interessanten Schuhe von Kobi Levi. Das besondere daran erkennt man sofort: Sie sind alle handgemacht!

(Via The Awl) Japaner können sich das Rauchen auf die ganz harte Tour abgewöhnen, meldet Weired Asian News. Der Spieleentwickler Proge Inc. hat das Death Meter entwickelt, eine Software-Applikation, die Rauchern hilft auszurechnen, wieviele Jahre sie schätzungsweise noch zu leben haben. "Users input the data into the 'Death Meter' and a countdown until their likely demise appears on the screen over the image of mocking Grim Reaper with a cigarette between his boney fingers. The countdown can be slowed by inputting a smaller daily cigarette consumption figure, but that requires lighting up fewer coffin nails each day." Dazu gibt's natürlich auch ein anschauliches Video.

Mlawski hat für Overthinking It ein Schaubild mit interessanten weiblichen Charakteren für Autoren und Regisseure. Dazu schreibt sie "At the risk of being called a penis-bashing dog-faced psycho feminazi* again, I’m going to talk about gender today! (Woo! Gender!) More precisely, I’m going to show off this crazy infographic I made with Carlos A. Hann Commander. Think of this piece as a visual aid for my strong female character article, my piece about likability in fiction, Belinkie’s awesome piece about Chris Nolan’s women, or any of the other gender-related articles on this site. Better yet, you can use this graphic the next time you write your own original female character and wonder if she’s a cliche or not. I know how hard writing original characters can be, and I hope this flowchart can help you out."

Frankfurter Rundschau, 14.10.2010

Elke Brüns hat in Neukölln dem Stand der Integration nachgeforscht und kann Entspannendes melden: "Der neue Flohmarkt am Kanal heißt Nowkölln Flowmarkt, man möchte weinen bei so viel sprachspielerischer Kreativität - integrieren jedenfalls möchte man sich nicht in diese putzige Monokultur. Besucher des Webportals des Bezirks Neukölln werden mit der erstaunlichen Behauptung empfangen: 'Im Herzen ist jeder Neuköllner!' Nun müsste man eigentlich nur noch kurz wissen, was Neukölln ist, um sich endlich selbst zu begreifen. Karstadts Büchertisch 'Betrifft Neukölln' zeigt, dass man neuerdings im symbolisch geschlossenen Universum einer Migrationsdebatte lebt, die nur noch Integrationsverweigerer kennt. Andererseits die frohe Botschaft des Bezirks, dass Neukölln ein quasi kosmopolitischer Ort ist, der keine Herkunft, Nationen, Ethnien kennt."

Autorin Jagoda Marinic beschwert sich über die Medien, die über die Integration so hysterisch und total pauschal diskutieren: "Ob nun Sarrazin oder Seehofer, die Medienlandschaft zieht statt einer Debatte lieber Skandale auf. Und was predigen diese Dämonen oder Heilsbringer? Dass die Welt in Freund und Feind einzuteilen ist. Amen!"

Besprochen werden Samuel Maoz' Kriegsdrama "Lebanon", Joann Sfars filmische Verbeugung vor Serge Gainsbourg, Philipp Stölzs "Goethe"-Schmonzette, Kay Voges' Start am Theater Dortmund, Jonas Kaufmanns Inszenierung der "Schönen Müllerin" in Frankfurt und Margarete Mitscherlichs Aufsatzband "Die Radikalität des Alters" (mehr ab 14 Uhr in unserer Bücherschau des Tages).

Die Tageszeitung, 14.10.2010

Isolde Charim wirft einen Blick in die jüngste Ausgabe der Zeitschrift Transit, in der der Versuch unternommen wird, Säkularisierung neu zu definieren und Religion als konstitutiv für die Moderne zu behaupten. "Die Redefinition des Säkularismus erweist sich, eine Redefinition der Demokratie zu sein, wonach freie Religionsausübung zu deren notwendiger Bedingung wird. Die Parole lautet nicht einfach mehr Freiheit für die Religionen, sondern in der argumentationstypischen Verkehrung: 'Ohne Religionsfreiheit gibt es keine Demokratie!"" Kapiert?

Petra Schellen kommentiert die Sparvorgaben für das Hamburger Schauspielhaus, die immerhin die Hälfte des künstlerischen Etats ausmache und derentwegen man laut dem Geschäftsführer in der kommenden Spielzeit Insolvenz anmelden müsste.

Besprochen werden der Spielfilm "Lebanon" des israelischen Regisseurs Samuel Maoz, Eyal Sivans Essayfilm "Jaffa - The Oranges Clockwork" (mehr hier), das Filmdebüt "Gainsbourg - Der Mann, der die Frauen liebte" von Joann Sfar, das der peruanische Film mit dem prophetischen Titel: "Im Oktober werden Wunder wahr" sowie ein Band mit Bildern der Fotografin Giorgia Fiorio.

Auf den Tagesthemenseiten berichtet Martin Kaul über eine neue Studie, die belegt, dass Ausländerfeindlichkeit wieder zunimmt und außerdem kein Rechtsaußenphänomen, sondern tief in der gesellschaftlichen Mitte verankert sei. In einem flankierenden Gespräch erklärt die Psychologin Beate Küpper: "In puncto Rassismus und Antisemitismus sind die Menschen heute sensibler geworden als noch vor wenigen Jahrzehnten. Es ist zum Beispiel eine starke soziale Norm, jemanden nicht nach seiner Hautfarbe zu beurteilen. Wenn es um Stereotype gegenüber Muslimen geht, ist das anders. Da sind derzeit alle Schleusen offen."

Auf der Meinungsseite erklärt der Berliner Wissenschaftler Wolfgang Wippermann die Ablehnung gegen Roma in Europa mit aus Unwissen gespeisten Ressentiments.

Und Tom.

Neue Zürcher Zeitung, 14.10.2010

In Banja Luka, der Hauptstadt der bosnischen Serbenrepublik, wird mit Unterstützung der Unesco die altehrwürdige Ferhadija-Moschee wiederaufgebaut, berichtet Hartwig Vens, der sich mit dem Leiter der Bauarbeiten, Muhamed Hamidovic, unterhalten hat: "Fragen zur politischen Bedeutung der Ferhadija aber interessieren Hamidovic nicht. Allenfalls reagiert er sarkastisch: 'Symbol der Versöhnung - ha, das könnte ein Slogan sein. Aber es gibt Leute in Banja Luka, die sagen: Ihr könnt sie wieder aufbauen, aber wir werden sie wieder zerstören!"

Besprochen werden auf der Filmseite Philipp Stölzls Film "Goethe!" (den Roman Bucheli nicht einmal als seichte Unterhaltung genießen konnte) und die Komödie "Octubre" von Daniel und Diego Vega, außerdem eine Ausstellung über Zwangsarbeit im Jüdischen Museum Berlin, die vorübergehende Umwandlung des New Yorker Goethe-Institut in ein Hotel-Savoy-Installation sowie Kita Morio Familienepos "Das Haus Nire" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Weitere Medien, 14.10.2010

Genetik ist eine linke Wissenschaft geworden, freut sich Cory Doctorow in BoingBoing nach Lektüre eines Artikels im Guardian. Der Grund: Es ist der Wissenschaft nicht gelungen, irgendeinen angeborenen genetischen Grund dafür zu finden, dass die einen Looser und die anderen Winner sind. Beim Guardian liest es sich so: "In developed nations, women and those on a low income are twice as likely to be depressed as men and the wealthy. When DNA is tested in large samples, neither women nor the poor are more likely to have the variant."

Blick in den Abgrund: Der Boston Globe bringt sehr große Bilder von der chilenischen Rettung.

Berliner Zeitung, 14.10.2010

Die Berliner Zeitung übersetzt einen Text, den Liu Xiaobo im Jahr 2006 zum 17. Jahrestag des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens veröffentlicht hat: "Die chinesische Regierung unterstützt mit aller Macht wirtschaftliche Reformen; politische Reformen jeglicher Art werden strikt unterbunden. Wenn es dem Volk materiell besser geht - so die Hoffnung der Funktionäre -, dann wird es sich schon in die Verhältnisse fügen. Doch diese Strategie geht nicht auf. Je besser es den Menschen geht, desto vitaler wird auch der Wunsch nach politischer Freiheit." Auf Englisch stand er zuerst auf der exilchinesischen Seite boxun.com.

Süddeutsche Zeitung, 14.10.2010

Kia Vahland schüttelt den Kopf über die sich häufenden vermeintlichen Funde bislang unbekannter Werke alter Meister. Nicht nur die Leichtfertigkeit von Medien und Öffentlichkeit und Kunsthistorikern wie jüngst Martin Kemp sei daran irritierend - man bringe mit übereilten Zuschreibungen auch noch die Künstler um ihre Verdienste: "Es gehört zu den großen Leistungen Leonardo da Vincis, die Persönlichkeit seiner Modelle zu zeigen. Als erster italienischer Künstler befreite er die Frauen aus der Profilansicht, die als züchtig galt, aber keinen Blickkontakt mit den Betrachtern erlaubte. Bildnisse wie seine Cecilia Gallerani oder die Gioconda sind deshalb so wirkmächtig, weil sie mit dem Betrachter kommunizieren und ihm gleichzeitig ein Geheimnis vorenthalten. Rechnete man jetzt auch Kemps 'Bella principessa' im braven Profil hinzu, so brächte man Leonardo um diese große malerische und humanistische Errungenschaft."

Weitere Artikel: Immer auch eine Spur von "Reliquienkult" erkennt Andrian Kreye bei der teils durchaus gelungenen Rückkehr von Altstars wie Eric Clapton und Robert Plant zum Blues. Alexander Menden kommentiert den etwas überraschenden Booker-Preis-Sieg für Howard Jacobsons komischen Roman "The Finkler Question". Auf der Filmseite schreibt Fritz Göttler über eine Reihe mit neuen rumänischen Filmen in München. Doris Kuhn unterhält sich mit dem israelischen Regisseur Samuel Maoz über seinen Venedig-Gewinnerfilm "Lebanon".

Auf der Medienseite kann man von Janet Robinson, Chefin der New York Times Company, lernen, wie man Traditionsbewusstsein und Zukunftszugewandtheit ohne jede Hysterie miteinander in Verbindung bringen kann: "Ich sehe die NYT Company als eine Nachrichten- und Informationsfirma, die auf vielen verschiedenen Plattformen präsent und aktiv ist. Ich bin Plattform-Agnostiker. Wo immer die User sind, da wollen wir auch sein. Wir werden die Zeitung noch für viele, viele Jahre drucken. Denn wir haben eine äußerst loyale Leserschaft, die jeden Tag mehr als 45 Minuten mit der Zeitung verbringt. Unsere Anzeigenkunden schätzen diese feste Bindung sehr." Gemeldet wird, dass Chefredakteur Max Dax nach Konflikten mit dem Verleger die Popzeitschrift Spex verlässt.

Besprochen werden die Uraufführung von Marc Sinans sinfonischer Dichtung "Hasretim" in Dresden-Hellerau, Theaterfassungen von Julia Francks "Die Mittagsfrau" in Göttingen und von Martin Walsers "Ein liebender Mann" in Meiningen, die Ausstellung "Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg" im NS-Dokumentationszentrum Köln, Joann Sfars Biopic "Gainsbourg" und Carmen Tartarottis Friederike-Mayröcker-Doku "Das Schreiben und das Schweigen" (mehr) und jüngste Bücher über die Lebensmittelindustrie von Thilo Bode bis Jonathan Safran Foer (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2010

Von rechtschaffen konservativer Aufgewühltheit zeugt Michael Kletts mehr zurück als nach vorne blickender Stimmungsbericht aus Stuttgart. Eigentlich ist der ehemalige Verleger ein Stuttgart-21-Freund, die aktuellen Vorgänge aber sind ihm in eigentlicher jeder Hinsicht alles andere als geheuer: "Vielleicht ist meine Liebe zu diesem Ort mit diesem Gefühl der Gefährdung noch größer geworden, aber zugleich werde ich das Unbehagen nicht los, dass Stuttgart für mich die Geborgenheit zu verlieren droht, derentwegen Städte gegründet wurden und werden und die ein gut geordnetes, intaktes Gemeinwesen gewährleisten muss."

Ganz anders geht es in Delhi zu, dem Austragungsort der gerade beendeten Commonwealth-Spiele. Christine Brosius berichtet aus einer Stadt, die es der Welt zeigen wollte und viel zu verbergen hat: "Verdeckt mit großen Plakatwänden sind illegale Siedlungen, Mülldeponien, Baustellen und stinkende Abwässerkanäle, vertrieben sind Tausende 'Illegaler', Bettler und Straßenhändler. Delhi will den Kriterien einer 'Weltklasse-Stadt' entsprechen. Kriterien, die von globalen Beratungsfirmen wie McKinsey erstellt werden und bestimmen, in welche Stadt profitabel investiert werden kann."

Weitere Artikel: Zur Kenntnis nimmt wenig erfreut Dieter Bartetzko, dass, wo in der Frankfurter Lindenstraße einst Suhrkamp war, demnächst architektonisch auch noch sehr durchschnittliche Apartments stehen werden. Martin Halter war dabei, als das Freiburger Theater mit vielen Aktionen seinen 100. Geburtstag feierte. In der Glosse hält Jürg Altwegg sehr wenig von den Präsidentschaftskandidatur-Plänen des französischen, antisemitischer Neigungen nicht ganz unverdächtigen Kultur- und Medienkritikers Renaud Camus. Auf der Kinoseite wird Michael Althen etwas wehmütig ums Herz angesichts von Volker Schlöndorff kommentierter Aufnahmen von den Dreharbeiten zu Alain Resnais' "Letztes Jahr in Marienbad" (den Film kann man auf Bernard-Henri Levys Website La regle du jeu sehen). Andreas Platthaus hat den Comickünstler und Jetzt-auch-Filmemacher Joann Sfar in Paris getroffen.

Auf der Medienseite informiert Mark Siemons über einen offenen Brief von Parteiveteranen an den chinesischen Volkskongress mit der Aufforderung, mit der Zensur ein Ende zu machen. Darin heißt es: "Diese falsche Demokratie mit ihren formalen Zusicherungen und ihren faktischen Dementis ist ein skandalöser Schandfleck in der Geschichte der Weltdemokratie geworden." Bernard-Henri Levy ruft auf zum Widerstand gegen die Verhaftung des Sohnes der zum Tod durch Steinigung verurteilten Sakineh Mohammadi Ashtiani. Von den Münchner Medientagen, auf denen unter anderem über Online-Bezahlmodelle gegrübelt wurde, berichtet Henning Peitsmeier.

Im nichtredaktionellen Teil, nämlich in einem regulären Leserbrief beschwert sich Durs Grünbein, Berlin, über Ernst Osterkamps (hier nachzulesenden) Verriss seines jüngsten Buches "Aroma": "Eine spaßhafte Weisheit doziert hier ein lustiger Doktor / Bloß dem Namen nach Ernst ...".

Besprochen werden ein Konzert in der Alten Oper, bei dem Jonas Kaufmann Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin" sang, zwei bislang unveröffentlichte Alben von John Coltrane, die Ausstellung "Hitler und die Deutschen" im Deutschen Historischen Museum Berlin, Joann Sfars Biopic mit Märchenelementen "Gainsbourg" und Bücher, darunter Tom McCarthys nach Ansicht von Andreas Platthaus leider an Poststrukturalismus erkrankte Studie "Tim & Strupp und das Geheimnis der Literatur" und eine unter dem Titel "Das Tier, das ich also bin" zusammengestellte Sammlung von Texten Jacques Derridas (mehr dazu in der Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).

Die Zeit, 14.10.2010

"Mehr Shakespeare als Godesberg" hat Martin Walser in Peer Steinbrücks Drama "Unterm Strich entdeckt", das ihm grundlegende Einsichten in die Finanzkrise vermittelte, ihn aber auch anheimelte: "Das weltweite Handelsvolumen an den Finanzmärkten, schreibt Steinbrück, sei mit 4400 Billionen Dollar 70-mal so groß wie die jährliche weltweite Wirtschaftsleistung. Da möchte man glauben, die Ökonomie und die Belletristik hätten mehr als eine Schnittstelle. Und Steinbrück konstatiert, 'die Abweichungen zwischen nominalen Geschäften auf den Finanzmärkten und der realen Wertschöpfung' machten deutlich, 'dass es sich bei der gegenwärtigen Krise auch um eine Krise in den Köpfen handelt'. Schön, dann machen die also auch nichts als wir. Wir im Feuilleton."

Einspruch erhebt Adam Soboczynski gegen die Rede von der christlich-jüdischen Tradition, die ja so symbiotisch auch nicht immer war: "Im Diskurs um Integration werden erneut die Bibel und eine 'kulturelle Wurzel statt das Bürgerliche Gesetzbuch geltend gemacht. Gerade so, als solle nicht der aufgeklärte, säkulare, demokratische Westen rechtsstaatlich verteidigt, sondern der Islam kulturnationalistisch deklassiert werden."

Weiteres: Ina Hartwig kann der deutschen Literatur mit Blick auf Lutz Seiler, Clemens Meyer, Herta Müller, Ulrich Peltzer und Marlene Streeruwitz eigentlich ein positives Zeugnis ausstellen: "Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur ist auf der Höhe ihrer Zeit und muss den internationalen Vergleich nicht scheuen." Thomas Assheuer begrüßt die neue Lust am Protest: "Nach den Jahren politischer Apathie kann diskursiver Druck auf die Parlamente nicht schaden." Jens Jessen freut sich über den Nobelpreis für Mario Vargas Llosa als erstem Preisträger "von unzweifelhaft weltliterarischem Rang nach einer langen Kette von, sagen wir höflich: Experimenten." Heinrich Wefing trifft den vom Internet-Euphoriker zum Schwarzseher gewendeten Jaron Lanier.

Besprochen werden Samuel Moaz' Kriegsfilm aus der Perspektive eines Zielfernrohrs "Lebanon", Sufjan Stevens' Album "The Age of Adz", zwei Romantik-Ausstellung in Pommerschen Landesmuseum Greifswald und in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe, eine große Michelangelo-Schau in der Wiener Albertina und Bücher, darunter Henning Ritters "Notizhefte" und Aharon Appelfelds Roman "Katerina" (siehe auch unsere Bücherschau des Tages ab 14 Uhr).



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