Abfällige Äußerung über Marzahn Politiker kritisieren ZDF-Moderator Poschmann

Spezieller Humor? Wüste Beleidigung? Am Samstag hatte Moderator Wolf-Dieter Poschmann im ZDF gesagt: Wenn man in Marzahn aufgewachsen sei, "ist man zu allem fähig". Politiker sind empört - und laden Poschmann in den Berliner Bezirk ein.

Marzahn in Berlin: "Was wir nicht brauchen, ist arrogantes Herabsehen aus dem Westen"
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Marzahn in Berlin: "Was wir nicht brauchen, ist arrogantes Herabsehen aus dem Westen"


Berlin - Im Mai wurde der Bezirk Marzahn-Hellersdorf im Osten Berlins als "Ort der Vielfalt" ausgezeichnet. In jedem Fall ist es ein Ort, über den es vielfältige Meinungen gibt. Abfällig äußerte sich etwa ZDF-Moderator Wolf-Dieter Poschmann über Marzahn - und wurde dafür heftig kritisiert.

Poschmann hatte am Samstag während der Übertragung des Hammerwurf-Finales der Damen mit der Berlinerin Betty Heidler unter anderem gesagt: "Wenn man in Marzahn aufgewachsen ist und das unbeschadet überlebt hat, ist man zu allem fähig."

Politiker aller Couleur zeigten sich empört. "Was wir nicht brauchen, ist arrogantes Herabsehen aus dem Westen", kommentierte die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Petra Pau von der Linken, die Äußerung. Wichtig sei dagegen, dass Marzahn "sehr viele talentierte Künstler, Sportler und Paralympics-Sieger hervorgebracht hat". Der Berliner "Tagesspiegel" nannte die Aussage des Moderators einen "Komplettausfall".

Poschmann solle sich "schämen", sagte die Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Monika Grütters am Sonntag. Das seien "miese Klischees" von Leuten, die nicht in Marzahn gelebt hätten und es nicht einmal für wert hielten, den Ort zu besuchen. Grütters tritt bei der Bundestagswahl im Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf an. Im Gegensatz zu Petra Pau lebt sie selbst dort zwar nicht, sie habe sich aber "intensiv mit dem Bezirk beschäftigt".

Zudem rangiere Marzahn-Hellersdorf bei vielen Sozialdaten vor den Westbezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Spandau und Reinickendorf. Marzahn-Hellersdorf hat laut Bezirksamt 247.000 Einwohner.

Auf die Vorwürfe hat das ZDF inzwischen reagiert. In "keinster Weise" sollte die Formulierung den Bewohnern von Marzahn zu nahe treten, verteidigte der Sportchef des Senders, Dieter Gruschwitz, die Äußerung. Im Gespräch zwischen den Moderatoren Poschmann und Peter Leissl sei sie "eine humoristische Randnotiz" gewesen. "Wir bedauern, wenn es sich als solche nicht erschlossen hat."

Für seinen Kommentar hat Poschmann nicht nur heftige Kritik einstecken müssen, sondern auch eine Einladung in den Bezirk erhalten. Die Bürgermeisterin, die Linke-Politikerin Barbara Pohle, lud Poschmann am Sonntag ein. Sie bedauere es außerordentlich, dass "Journalisten der Öffentlich-Rechtlichen, die selbst vermutlich noch nie in ihrem Leben einen Fuß in den Bezirk Marzahn-Hellersdorf gesetzt haben, sich in dieser Art und Weise diskreditierend über die Bewohner hier äußern".

kgp/dpa/ddp



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