Extremkünstler Abraham Poincheval Acht Tage im Felsblock

Mein Block: Im Pariser Palais de Tokyo hat sich ein französischer Künstler in einen ausgehöhlten, zwölf Tonnen schweren Felsblock einschließen lassen. Nach der Woche im Fels will er Eier ausbrüten.

AFP

Am Mittwochnachmittag hat sich der Fels geschlossen: Acht Tage im Inneren eines zwölf Tonnen schweren Felsblocks - mit dieser Performance tritt der französische Extremkünstler Abraham Poincheval im Pariser Museum Palais de Tokyo auf. Vor den Augen seines Vaters und vieler Museumsbesucher wurden die beiden Hälften aus Kalkstein zusammengefügt und Poincheval in einer kleinen Höhle in Form eines menschlichen Körpers für über eine Woche eingeschlossen.

Die Höhle, in der er sich aufhält und die nun nicht mehr zu sehen ist, zeichnet in leicht vergrößerter Form seine Sitzhaltung nach; Platz zum Bewegen hat der 1972 geborene Künstler somit kaum. Es gibt kleine Nischen, in denen Wasser, Suppe, Trockenfleisch und ein paar Bücher bereitliegen. Direkt unter ihm ist ein kleiner Container eingebaut, den er als Toilette benutzen muss. Der Künstler hat sich monatelang psychisch und körperlich auf die Aktion vorbereitet.

Sein Ziel sei es, die Felsen-Zeit zu spüren, sagt Poincheval. Dies habe durchaus eine "mystische Dimension", räumt er ein. Klaustrophobie fürchtet der Extremkünstler nicht: "Wir sind doch schon in unseren eigenen Körpern eingeschlossen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP kurz vor dem Beginn seiner waghalsigen Performance. Trotzdem hat er Respekt vor seinem Unterfangen. "Wir haben gestern einen kleinen Test gemacht und es war absolut unglaublich", sagte er. Eine der großen Herausforderungen werde sein, nicht den Verstand zu verlieren, sagte er.

Der tonnenschwere Felsbrocken ist mit einer Infrarotkamera ausgestattet, über die Besucher des Museums für moderne Kunst die Performance verfolgen können. Es gibt außerdem ein Belüftungssystem und eine Notfallverbindung, zudem wird Poinchevals Herzrhythmus ständig überwacht. Im Notfall können die beiden Hälften des Steins binnen Sekunden wieder auseinandergefahren werden.

Wenn Poincheval dann gesund wieder aus seinem Felsbrocken gestiegen ist, folgt schon Ende März die nächste außergewöhnliche Kunstaktion. Als lebende Henne will er dann mehrere Wochen lang auf ein paar Dutzend Eiern sitzen und sie ausbrüten. Die geschlüpften Küken sollen bei seinen Eltern leben.

Der Performancekünstler hat schon mehrfach durch spektakuläre Aktionen von sich reden gemacht. Unter anderem lebte er zwei Wochen lang im Inneren eines ausgestopften Bären oder schipperte als riesige Flaschenpost die Rhône hinunter. Nach seinen künstlerischen Experimenten ist der Vater von zwei kleinen Kindern nach eigenen Angaben stets für einige Zeit etwas desorientiert. Er brauche oftmals "mehrere Wochen, wenn nicht Monate", um seinen eigenen "Takt" wiederzufinden, sagt er.

feb/AFP

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