Der Tod eines großen Humoristen, wie es Loriot war, ist nicht nur schrecklich humorlos, er ist auch gemein, weil er den Nachrufer sprachlos macht. Humoristen-Nekrologe sind Kassengift. Denn nichts ist dröger als der Satz, er war witzig, er hat uns zum Lachen gebracht. Man möchte Loriot zitieren, immer nur zitieren. Nicht wahr, Herr Hoppenstedt, nicht wahr du blasender und saugender Staubsauger Heinzelmann, an dem Mutti nur noch blasen kann. Oder so ähnlich - Loriots vergesslicher Rentner Erwin Lindemann wird sich genau erinnern.
Dieser Herr von Bülow entzieht sich irgendwie allem, über das man totentechnisch schwatzen kann. War er eine tragische Person, weil das Preußen untergegangen ist, dem er, gebildet und disziplinert wie er war, entstammte? Da lachen die historischen Hühner.
Hat er den deutschen Fernsehhumor verändert, als er in den siebziger Jahren in die voll verbembelte Volkskomiktrostlosigkeit der blauen Böcke einbrach? Da rascheln die leeren Blätter im Buch des deutschen Fernsehhumors. Hat er die Sache der Frauen befördert, das konservative Lager bestärkt, die Spottlust entpolitisiert, das reaktionäre pseudogebildete Bürgertum hofiert?
Edelmann und Quietscheentchen
Ich habe zu Weihnachten von meiner Frau die DVD-Sammlung "Loriot und die Musik" geschenkt bekommen. Wie das so mit lieben Geschenken ist, man würdigt sie nicht. Jetzt, wo er tot ist, habe ich seine Opernbeschreibungen zum ersten Mal angehört und es ist schade, dass ich sie hier nicht zitieren kann und den Satz niederschreiben darf: Sie sind schreiend komisch. Die Oper als herrlicher Wahnsinn, schon ohne Musik, bloß als Inhaltsangabe aus Loriotscher Brille.
Humor ist, wenn man ihn macht. Guter Humor ist nichts außer sich. Er ist monoman. Er kann sich als Edelmann verkleiden, als Wendelin, als Quietscheente, als Möbelverkäufer, als unabwischbare Nudel, als ungeschickter Hagestolz, der ausgerechnet an die Jungfer Frau Hamann gerät, als Pappa ante, apud, oder hinter portas (oder sub portis).
Ach, was hätte Loriot aus seinem Ableben witziges gemacht. Aber er sei mit einem Wort des ihm ebenbürtigen Humorgroßmeisters Wilhelm Busch getröstet: Hinderlich, wie überall, ist hier der eigene Todesfall.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Kultur | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Gesellschaft | RSS |
| alles zum Thema Loriot | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH