"Israel-Hasserin": Zentralrat der Juden greift Judith Butler an

Die jüdische Philosophin und legendäre Geschlechtertheoretikerin Judith Butler soll den Adorno-Preis erhalten. Der Zentralrat der Juden kritisiert die Entscheidung und bezeichnet Butler als moralisch verdorben und als "bekennende Israel-Hasserin".

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Judith Butler im Jahr 2010: Gegen jede Form von Gewalt

Berlin - Der Zentralrat der Juden in Deutschland protestiert gegen die Verleihung des Frankfurter Adorno-Preises an die amerikanische Philosophin Judith Butler. Es sei empörend, dass mit der 56-Jährigen ausgerechnet jemand geehrt werde, der zum Boykott gegen Israel aufrufe und Organisationen wie Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen bezeichne, erklärte Generalsekretär Stephan J. Kramer am Montag in Berlin.

Butler soll den Preis am 11. September in der Frankfurter Paulskirche entgegennehmen. "Eine bekennende Israel-Hasserin mit einem Preis auszuzeichnen, der nach dem großen, von den Nazis als "Halbjude" in die Emigration gezwungenen Philosophen benannt wurde, kann nicht als bloßer Fehlgriff gelten", erklärte Kramer. "Nur ein Kuratorium, dem die für seine Aufgabe erforderliche moralische Festigkeit fehlt, konnte Butlers Beitrag zur Philosophie formvollendet von ihrer moralischen Verderbtheit trennen."

Butler hatte in einem Interview mit der Wochenzeitung "Jungle World" allerdings erklärt, ihre Äußerungen zur Hamas und Hisbollah seien "schrecklich" missverstanden worden. Sie habe damit auf eine Frage hin die beiden Organisationen lediglich im politischen Spektrum einordnen wollen. Sie lehne jede Form von Gewalt ab.

Der Theodor-W.-Adorno-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt vergeben. Das Kuratorium hatte Butler als "eine der maßgeblichen Denkerinnen unserer Zeit" gewürdigt. Bisherige Preisträger waren unter anderen Norbert Elias, Jürgen Habermas, der Komponist György Ligeti und zuletzt 2009 der Filmemacher und Philosoph Alexander Kluge. Dem diesjährigen Kuratorium des Preises gehörten unter anderem die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz und der Philosoph Rainer Forst an.

kha/dpa

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