Kulturpolitik der AfD "Wir wollen die Stimmung im Land drehen"

Die AfD hat Chancen, den Vorsitz im Kulturausschuss des Bundestags zu übernehmen. Als Kandidat bringt sich Marc Jongen in Stellung. Er kündigt einschneidende Änderungen an.

AfD-Abgeordnete Marc Jongen (Archiv)
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AfD-Abgeordnete Marc Jongen (Archiv)


Drei Ausschüsse wird die neue AfD-Bundestagsfraktion übernehmen dürfen. Neben dem Innen- und Haushaltsausschuss haben die Rechten ein Auge auf den Kulturausschuss geworfen - ein vergleichsweise machtloses, aber symbolisch wichtiges Gremium. Hier könnte die Partei ihre schon oft erklärte Kampfansage an das "linksgrüne Establishment" in die Tat umsetzen.

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Der AfD-Abgeordnete Marc Jongen, Philosoph an einer Karlsruher Hochschule und Schüler von Peter Sloterdijk, gilt als aussichtsreichster Kandidat für den Vorsitz des Kulturausschusses. Im SPIEGEL kündigt er einschneidende Änderungen der Kulturpolitik an: "Unser Ziel ist es, die Förderkriterien grundlegend zu untersuchen und die bisherige Förderung politisch korrekter Projekte herunterzufahren", sagte Jongen. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Viele künstlerische Vorhaben würden nur "für ihr Bekenntnis zu Diversity oder Multikulturalismus unterstützt", so der AfD-Mann, und "oft genug in Propaganda ausschlagen". Seiner Partei gehe es "um eine Entideologisierung der Kulturpolitik, hin zur Förderung von echter Qualität und Talent".

Die vermisst Jongen bei vielen Kulturschaffenden. "Leute, die lange selbstverständlich auf dem öffentlichen Förderticket gefahren sind, werden es künftig nicht mehr so leicht tun können", warnt er. "Wir wollen die Stimmung im Land insgesamt drehen."

In der Kulturszene regt sich schon Widerstand gegen einen Ausschuss unter AfD-Führung. Die Kritik gelte aber nicht ihm selbst, so Jongen, sondern der AfD, "deren Aura auf mich projiziert wird". Kritikern wirft er "Verdachtshermeneutik" vor: Sie nähmen seine Worte nur als radikal wahr, "weil sie von einem AfD-Mitglied kommen".

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ama



insgesamt 142 Beiträge
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Seite 1
cwoller 20.01.2018
1.
"Sie nähmen seine Worte nur als radikal wahr, "weil sie von einem AfD-Mitglied kommen"." Nö, sondern weil sie wie üblich klassistisch, rassistisch, sozialdarwinistisch und eben der uralte Elitensprech sind, wie wir in schon zu genüge haben. Man will nicht die Stimmung drehen, sondern anpassen, gleichschalten und dann verstärken, so dass der Pöbel brav die Schnauze hält. Die AfD ist eine Systempartei, das ist ihr größtes Übel, weil wir haben schon mehr als genug neoliberale Menschenhasser.
jonashof 20.01.2018
2. vernünftige Argumentation
Die Fördergelder sollten dort hinfließen wo sie wirklich etwas bewegen. Kunst und Ideologien sollten bei staatlicher Förderung klar getrennt werden.
Furchensumpf 20.01.2018
3. Äähhmm...
Das hört sich so an, als würde der gute Herr meinen, nur weil er Vorsitzender wäre könnte er den Ausschuss nach Gutsherrenart leiten. Soviel zum Demokratieverständnis der AfD...
DerBlicker 20.01.2018
4. das sind sie ja bisher auch
Zitat von jonashofDie Fördergelder sollten dort hinfließen wo sie wirklich etwas bewegen. Kunst und Ideologien sollten bei staatlicher Förderung klar getrennt werden.
Die AfD will ja genau das Gegenteil, sie will zukünftig Kulturprojekte, die ihnen ideologisch nicht passen, nicht mehr fördern. So ist die Realität.
hwdtrier 20.01.2018
5. Irrtum
Sie will den üblichen Kulturdriss ändern. Nicht mehr von Kulturschaffenden für ihresgleichen sondern für die Bevölkerung. Wer schaut sich das heute an.
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