"Affengeil" Lotti Hubers Nachlass versteigert

Kleider, Schmuck und Kostüme der vor zwei Jahren verstorbenen Sängerin, Kabarettistin und Entertainerin sind in der Berliner "Bar jeder Vernunft" versteigert worden. Rosa von Praunheim und andere Weggefährten feierten die Grande Dame der Berliner Subkultur noch einmal und machten aus der Auktion eine Show.


Berliner Diva: Lotti Huber
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Berliner Diva: Lotti Huber

Berlin - Besonderen Anklang fand bei der Versteigerung, bei der zeitweise auch über das Internet mitgeboten werden konnte, ein Lieblingsensemble der Künstlerin aus weißem Kleid, weißer Weste und Tüll, zu der die nur 1,50 Meter große Huber eine rosa Boa, ein Strassarmband, Perlenohrringe und als Krönung einen weißen Schwanenhut trug. Für 1500 Mark und damit mehr als das Doppelte des Einstiegsgebots, erwarben Mitarbeiterinnen des Jüdischen Museums in Berlin die Kleidungs- und Schmuckstücke. Sie sollen in dem Museum ausgestellt werden.

Der Erlös des Abends geht an das Berliner Projekt "Musik hilft!" der Nordorff-Robbins-Stiftung für Musiktherapie. Am Berliner Krankenhaus Westend, in dem Folteropfer behandelt werden, soll damit eine Musiktherapeutenstelle eingerichtet werden. "Das ist ganz im Sinne von Lotti Huber", sagte ihr musikalischer Begleiter in den letzten Jahren, Thomas Nowotny. Er hatte auch die Versteigerung organisiert: "Lotti wollte erst, dass ich nach ihrem Tod alles wegschmeiße. Als ich protestierte und sagte, wir könnten damit noch Gutes tun, war sie einverstanden."

Die Grande Dame der Subkultur Der Filmemacher Rosa von Praunheim hatte Lotti Huber ein Comeback beschert. Seine Filme "Unsere Leichen leben noch" und "Affengeil" machten die Grande Dame der Berliner Subkultur bekannt. Bei der zweiten Produktion 1990 war Lotti Huber 77 Jahre alt.

"Diese Zitrone hat noch viel Saft" hatte sie da bereits in einem autobiografischen Buch angekündigt. Es war eine Art Abrechnung mit den Jammernden, die mit 40 Jahren bereits fragen, was denn noch kommen soll. "Ich riskiere, ich will mittendrin stehen", liest die Schauspielerin Barbara Schöne aus dem Buch der Huber. Und: "Jede Zeit ist meine Zeit!" Auch das war ein Lebensmotto der nur 1,50 Meter großen agilen Frau, die über sich sagte: "Meine Mutter hat mich hinausgetanzt ins Leben."

Wo die Huber auftrat, fiel sie schon durch ihre Erscheinung auf: Roben in Tüll und Taft, Kostüme mit Perlen, Strass und Pailletten und dazu jede Menge Schmuck an Fingern, Ohren und um den Hals. Und erst die Hüte! Kunstvoll geformt wie ein Schwan oder eine Kappe mit überlangen federbesetzten Antennen. Auch sie kamen an diesem Abend in Berlin unter den Hammer.



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