Afghanische Exil-Schätze: 1.400 Kunstobjekte nach Kabul zurückgekehrt

Acht Jahre lang lagerten sie im Schweizer Exil - nun sind sie wieder in Kabul angekommen: Über 1.400 Ausstellungsstücke, die 1999 vor dem Taliban-Regime in Sicherheit gebracht worden waren, wurden heute wieder dem afghanischen Nationalmuseum übergeben. Glanzstück der Sammlung: eine Eule.

Hamburg/Kabul – Der Schatz kam auf dem Luftweg: Ein Transportflugzeug der deutschen Luftwaffe brachte den Container voller afghanischer Kostbarkeiten heute nach Kabul. "Ein großer Teil der verlorenen Schätze Afghanistans ist zu uns zurückgekehrt", sagte Informations- und Kulturminister Abdul Karim Kurram, als der riesige Container mit 1.423 Kunstobjekten vor dem afghanischen Nationalmuseum in Kabul schließlich geöffnet wurde.

Eine in Stein gehauene Eule ist der Stolz der Sammlung. "Wir wissen mit Sicherheit, dass sie als Teil eines Grundsteins von Alexander dem Großen berührt worden ist", erklärte Paul Bucherer. Bucherer war Direktor des Afghanischen Exil-Museums im schweizerischen Bubendorf, das seit seiner Eröffnung im Jahr 2000 über 50.000 Menschen besucht hatten. Afghanen, die das kulturelle Erbe ihres Landes nach Jahrzehnten des Krieges in Sicherheit bringen wollten, hatten es bestückt. Das älteste Stück der Sammlung ist 3500 Jahre alt. Mit der Rückkehr der Kunstobjekte wird das Schweizer Exil-Museum geschlossen.

Frieden durch Kulturschätze

Feierlich öffneten Bucherer und Museumsmitarbeiter heute den Container vor dem Museums-Eingang in Kabul und ließen eine der Holzkisten in den zweiten Stock tragen. Unter den ersten aufgestellten Objekten war eine kleine Buddha-Statue aus dem Hochtal von Bamiyan. Dort hatten die konservativ-islamistischen Taliban vor sechs Jahren zwei riesige, in Sandstein gehauene Buddha-Statuen zerstört. Auch das Nationalmuseum in Kabul, das 1930 gegründet worden war, war unter der Herrschaft der Taliban immer wieder geplündert worden.

Nach der Restaurierung und Wiederherstellung, öffnete das Museum schließlich im Oktober 2004 wieder für die Öffentlichkeit. Die afghanischen Behörden hatten daraufhin einen Antrag bei der Unesco gestellt, dass die ausgelagerten Kunstschätze wieder zurückgebracht werden sollten. "Ich hoffe, dass diese Kunstobjekte zur afghanischen Identität beitragen", sagte Exil-Museumsleiter Bucherer. "Die eigene Kultur ist der einzige Weg, um wieder Frieden zu finden in Afghanistan."

jkr/AFP/AP

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