Agnolotti-Rezept Am 25. Oktober ist Weltnudeltag!

Fast acht Kilo Pasta isst ein Deutscher im Jahresdurchschnitt. Anlass genug, die Nudel mit einem eigenen Festtag zu würdigen. Zur Feier gibt's Agnolotti, selbstgemachte Nudelteigtaschen, mit Hokkaidokürbis und Kichererbsen.

Peter Wagner

Von Hobbykoch


Schade, dass so ein normales Jahr nur 365 Tage hat. Da bleibt einfach keine Zeit, den "Tag der Entenpresse", den "Welttag der Skibelagausbesserer" oder gar den "Welttaubenmisttag" zu feiern. Die offiziellen, weltweit begangenen Gedenktermine der Vereinten Nationen, darunter der "Weltfernmeldetag und Welttag der Informationsgesellschaft" (17. Mai), allein machen das Jahr natürlich noch nicht voll.

Deshalb hat im Laufe der Zeit so ziemlich jede Lobby ihr eigenes Gedenkjubiläum mehr oder minder erfolgreich in den Kalender gepumpt. Die Folge: Wer sträflicherweise den "Tag des Butterbrotes" oder gar den "Weltspartag" verpasst hat, kann wenigstens noch den Tag des Bieres/Schlafes/Obstbaumes, der Akupunktur/Logistik/Artenvielfalt oder zumindest den "Tag der Schleswig-Holsteiner Landespolizei Rendsburg" feierlich begehen. Halt! Stopp! Der fällt dieses Jahr leider wegen klammer Staatskassen aus.

Migrationsgewinner Pasta

Für uns Gerne-Esser ist das nicht so schlimm, wir haben ja wenigstens noch den Weltnudeltag am 25. Oktober. 1995 von 40 internationalen Pasta-Produzenten erstmals ausgerufen, erinnert uns dieses Fest jedes Jahr aufs Neue daran, was jenseits aller Hochküchenschleckereien das Lieblingsgericht der Deutschen ist. Selbstverständlich gibt es so viele Lieblingsgerichte wie Umfragen nach Lieblingsgerichten, aber ein Trend lässt sich trotz starker Konkurrenz von Currypommes über Schnitzel und Pfannkuchen bis hin zu Pizza und Döner quer durch alle Umfragen heraus lesen: Pasta, allen voran Spaghetti mit Tomatensauce, landet stets unter den Big Five.

Das erfreut die Verwertungskette rückwärts: Handel, Hersteller und Hartweizenanbauer. Letztere sorgen dafür, dass weltweit zehn Prozent allen angebauten Weizens (primär in Ländern mit heißen, kurzen und trockenen Sommern) den Sortennamen Triticum durum trägt; vulgo: Durum- oder Hartweizen. Diese Sorte ist wegen ihres hohen Glutengehaltes bei gleichzeitig straffer Kohlehydratstruktur der ideale Grundstoff für Nudeln - ein perfektes Lebensmittel, das nach seiner recht simplen Herstellung getrocknet über sehr lange Zeit ungekühlt haltbar ist und beim Kochen auch Anfängern gelingt.

Doch im Gegensatz zu den gut 30 Kilogramm, die im Pasta-Kernland Italien pro Kopf und Jahr gegessen werden, sind in Deutschland die immerhin 7,7 Jahreskilo nicht immer von der Qualität, die der Italiener als niedrigstes erträgliches Level akzeptieren würde. Denn egal ob reine Hartweizenpasta oder Eiernudeln (beide Sorten leben zwischen Gardasee und Sizilien einträchtig nebeneinander) - letztlich entscheidet bei jedem Produkt, das gerade mal aus zwei, drei Zutaten hergestellt wird, die absolute Qualität jeder einzelnen Komponente über den Gesamterfolg.

Bei Nudeln kommt erschwerend der Zeitfaktor hinzu. Hartweizenpasta sollte langsam in Formen mit rauer Oberfläche gepresst werden und anschließend mit noch mehr Ruhe durchtrocknen. Das geht in der industriellen Massenfertigung meist nicht, weswegen auch beim Nudelkauf im Zweifelsfall die kleine Manufaktur fast immer die bessere Ware abliefert.

Zen oder wie man die Nudel knetet

Bei selbstgemachten gefüllten Nudeln, wie wir sie zum Beispiel als "Trüffelraviolo" schon einmal auf der Tageskarte stehen hatten, erzielt man die besten Ergebnisse durch Verwendung einer geeigneten Mehlmischung und durch zeitintensive Hingabe beim Kneten, sowie ausreichender Quell-Ruhe danach im Kühlschrank.

Das Kneten ist ein Ritual von Zen-artiger Vertiefung: Beide Mehlsorten mit dem Salz vermengen, auf dem Nudelbrett aufhäufen, mit der Faust eine tiefe Mulde in die Mitte drücken - die "fontana di farina" ("Mehlbrunnen"). In diese Vertiefung die (zimmerwarmen!) Eier und Eigelbe und das Öl geben. Von außen nach innen gründlich verkneten, bis ein homogener, elastischer Teig entstanden ist. Wenn der Teig beim Kneten zu trocken erscheint, immer wieder mal die Hände mit lauwarmem Wasser befeuchten.

Sollte dann überall Teig zwischen den Fingern kleben, nicht weinen: Irgendwann kommt bestimmt der Welthändewaschtag.



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Seite 1
motormouth 24.10.2010
1. ...
Wie wärs denn mall mit einem Welt-"Heute schreibe ich keinen Quatsch"-Tag? Dann blieben uns auch Hobbykoch Wagner und seine "Rezepte" incl. Gesülze erspart!
glücklicher südtiroler 24.10.2010
2. ;)
Zitat von sysopFast acht Kilo Pasta isst ein Deutscher im Jahresdurchschnitt. Anlass genug, die Nudel mit einem eigenen Festtag zu würdigen. Zur Feier gibt's Agnolotti, selbstgemachte Nudelteigtaschen, mit Hokkaidokürbis und Kichererbsen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,724402,00.html
Sehr schöner Artikel mit einem tollen Rezept... :) Zuerst einmal; man merkt, daß der Verfasser kein Italienisch kann... "fontana di darina" Wenn schon fontana oder pozzo di farina... :) http://eu.fotolia.com/id/25751875 Wen dieses Rezept zu exotisch ist, empfehle ich das Pastarezept meiner süditalienischen Frau... Pasta al Rum/Whisky Man nehme eine Wurst aus Mantova oder alternativ eine dicke, grobkörnige Hackfleischwurst, man zerlege sie und brate sie in der Pfanne leicht an; Fett ist in der Wurst bereits genug vorhanden wieso man auf eine Zugabe von Öl oder Butter verzichten möge. Man lösche das Ganze mit etwas Rum oder Whisky ab, noch etwas köcheln lassen und danach Tomaten dazugeben. Bei Hälfte der Kochzeit etwas Flüssigsahne dazugeben. Ganz am Ende fügt man dem Ganzen noch ein paar Stücke Mozzarella oder einem anderen Weichkäse hinzu... Daneben gleichzeitig eine Hartweizenpasta kochen; al dente natürlich... ;) Ideal: Pennette... Sehr gut und auch bei Kindern sehr beliebt und von Letzteren auch Essbar, zumal der Alkohol restlos verdampft aber der Geschmack übrigbleibt. Zuletzt noch eine Weinempfehlung; für beide Gerichte... Südtiroler Blauburgunder... http://www.suedtiroler-weinstrasse.it/deutsch/unsere-weine/rotweine/blauburgunder.html Lagrein... http://www.weinstrasse.com/de/wein/weine-und-rebsorten/lagrein.html Oder alternativ aus dem benachbarten Trentino... http://www.cantinarotaliana.it/de/Unsere-Weine/Teroldegoweine/Teroldego-Rotaliano Guten Appetit... Viele Grüße aus Südtirol...
embyro 24.10.2010
3. Hilfe !!!!
Zitat von sysopFast acht Kilo Pasta isst ein Deutscher im Jahresdurchschnitt. Anlass genug, die Nudel mit einem eigenen Festtag zu würdigen. Zur Feier gibt's Agnolotti, selbstgemachte Nudelteigtaschen, mit Hokkaidokürbis und Kichererbsen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,724402,00.html
Die einzigen, die Grund haben zum Kichern, sind die Nudelhersteller. Was für eine Vera..... und es gibt sogar welche, die darauf hereinfallen :)
Caiman, 24.10.2010
4. Das!...
Zitat von motormouthWie wärs denn mall mit einem Welt-"Heute schreibe ich keinen Quatsch"-Tag? Dann blieben uns auch Hobbykoch Wagner und seine "Rezepte" incl. Gesülze erspart!
... würde ich mir sogar im Jahresplaner rot ankreuzen! Kann mir mal jemand erklären, was Kurkuma als Gewürz in einem Pastagericht zu suchen hat? Crossover, wenn einem gar nichts mehr Gescheites einfällt?
sponwurm 24.10.2010
5. A propos Gesülze; - gut gemachte Sülze ist auch lecker
Zitat von motormouthWie wärs denn mall mit einem Welt-"Heute schreibe ich keinen Quatsch"-Tag? Dann blieben uns auch Hobbykoch Wagner und seine "Rezepte" incl. Gesülze erspart!
Das ist ganz schön intolerant, was Sie da anmerken. Zur Eigenverantwortung, die ich daher anmahne, zählt auch, ganz subjektiv einen „Heute-lese-ich-keinen-Quatsch“-Tag einzulegen. Ansonsten bleibt es mir ein Rätsel, wie diese Fast-Food-Minimalernährer solche Klugsch…er sein können. Es gibt nichts Harmloseres auf dieser Welt, als mit guten Zutaten ein gutes Essen zuzubereiten. Leider ist das einer viel zu großen Anzahl von Mitmenschen nicht vergönnt, weil es zu viele Klugsch… mit Einfluss gibt.
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