Lego-Spenden für Ai Weiwei Steine im Klingelbeutel

Es hat geklappt: Nachdem der Lego-Konzern sich weigerte, Steine für ein Kunstprojekt von Ai Weiwei zu liefern, riefen Fans zu Spenden auf. Das Werk könne umgesetzt werden, bestätigte der Künstler und Aktivist jetzt - und verglich das Internet mit einer Kirche.

Ai Weiwei in Berlin: Der chinesische Künstler lehrt an der Universität der Künste
AFP

Ai Weiwei in Berlin: Der chinesische Künstler lehrt an der Universität der Künste


Kreativität gehört bei Lego eigentlich zum Geschäftskonzept - aber die Idee von Ai Weiwei ging dem Konzern offenbar zu weit: Sie wollten dem chinesischen Künstler und Regimekritiker keine Steine für ein neues Kunstprojekt - ausgerechnet - zum Thema Meinungsfreiheit liefern. Fans riefen daraufhin im Internet zu Spenden auf und eine Lego-Lawine rollte los. Der Künstler hat jetzt in Berlin verkündet, die gespendeten Steine reichten aus. Das Projekt könne wie geplant verwirklicht werden.

Der Künstler wollte für die Ausstellung "Andy Warhol/Ai Weiwei" in Melbourne die Porträts von australischen Bürgerrechtsaktivisten in Lego nachbauen. Das Unternehmen hatte die Lieferung mit Hinweis auf den politischen Charakter des Projekts abgelehnt. Ai nannte den Vorgang merkwürdig. "Ich war ziemlich geplättet, denn es handelte sich doch um einen ganz respektablen Auftrag", sagte er.

Ai verglich das Internet mit einer modernen Kirche. "Sie gehen in die Kirche und klagen dem Priester ihr Leid, und alle in der Gemeinde können so Anteil nehmen und vielleicht eine Lösung finden", sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin.

Dort stellte sich der 57-Jährige als neuer Gastprofessor der Universität der Künste vor. Die Professur war ihm bereits vor vier Jahren angeboten worden, er hatte sie aber aufgrund seiner Verhaftung in China und dem anschließenden Reiseverbot bisher nicht antreten können.

Er habe 16 Studierende in seinen Kurs aufgenommen, berichtete Ai. Er plane, in den nächsten drei Jahren verschiedene künstlerische Disziplinen zu unterrichten. Ein Projekt werde sich auch mit dem Thema Flüchtlinge auseinandersetzen. Der Fokus läge jedoch nicht auf der aktuellen Situation. "Flüchtlinge sind Teil der menschlichen Geschichte", sagte Ai.

Nicht ansprechen wolle er politische Themen oder Menschenrechtsfragen. "Ich unterrichte Kunst", sagte Ai. Natürlich beschäftigten ihn diese Fragen, aber er wolle seine Studierenden damit nicht unter Druck setzen: "Jeder hat das Recht, selbst über seine Grundsätze zu entscheiden."

kop/dpa/AP



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