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Ausstellungseröffnung in Berlin: Ai Weiweis bittere Pointe

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Ai-Weiwei-Ausstellung: Pop Art und Diktatur Fotos
AFP

Kein anderer chinesischer Künstler ist im Westen so populär wie Ai Weiwei. Im Berliner Martin-Gropius-Bau wird jetzt seine bislang größte Ausstellung eröffnet. Er selbst durfte nicht anreisen - und machte daraus ein Statement.

Er hat nicht kommen dürfen. Das ist nach all den Spekulationen um einen Auftritt von Ai Weiwei wohl die Nachricht, die im Mittelpunkt der Eröffnung von "Evidence" steht - der weltweit größten Ausstellung des chinesischen Künstlers, die er eigens für den Berliner Martin-Gropius-Bau konzipiert hat. Tagelang hatte Ai Weiwei betont, er sitze auf gepackten Koffern und warte auf seinen Reisepass. Er hat ihn nicht bekommen. Einer Pressekonferenz zur Ausstellung wird er deswegen nur per Videobotschaft zugeschaltet.

Die Abwesenheit des Künstlers beschert der Berliner Schau eine bittere Pointe: Vor rund einer Woche hatte Ai, das Reiseverbot vorwegnehmend, in einem Interview erklärt, sein Lieblingsstück der Ausstellung sei der Umstand, dass er nicht an ihr teilnehmen dürfe: "Das ist ein Kunstwerk an sich. Das spiegelt eine menschliche Verfassung wider."

Anspielung auf Repressalien

Die Exponate im Martin-Gropius-Bau lassen sich in drei Themenfelder gliedern: Da sind zum einen Stücke, die sich mit der chinesischen Gegenwart auseinandersetzen. "Stools", das im Lichthof ausgestellt wird, ist eines davon. Zu sehen sind 6000 nebeneinander gestellte Holzschemel, die aus dem Kaiserreich und der Zeit der Republik China stammen und in nordchinesischen Dörfern gesammelt wurden. Jeder Schemel ist in Farbe, Maserung und Höhe individuell. In der Summe stehen die Stühle für das Treibgut der chinesischen Modernisierung: herrenlose Hinterlassenschaften im Zuge von Urbanisierung und Landflucht.

Ein weiteres Themenfeld der Ausstellung bilden Exponate, die die Beziehungen Chinas mit dem Ausland behandeln. Der "Circle of Animals" etwa zeigt Nachbildungen von bronzenen Tierköpfen des chinesischen Tierkreises. Europäische Jesuiten hatten die Originale einst für den Alten Sommerpalast in Peking geschaffen. 1860 fielen sie Plünderungen französischer und britischer Soldaten zum Opfer. Bis heute ist strittig, wie viele Tierköpfe erhalten sind und wem sie gehören. Die Exponate setzen ein Fragezeichen hinter patriotische Debatten über den Begriff der Beutekunst.

Nicht zuletzt geht es in der Ausstellung aber um Ai Weiwei selbst. Mit zahlreichen Details wie konfisziertem Büromaterial oder dem aus Marmor gefertigten Modell einer Überwachungskamera stellt er die Repressalien der chinesischen Staatsgewalt dar.

"Politischen Voyeurismus des Westens befriedigen"

Am 3. April 2011 wurde Ai verhaftet und für 81 Tage an einem unbekannten Ort festgehalten. Später wurde ihm ein fadenscheiniges Steuerdelikt angehängt. Bis heute steht er unter Hausarrest und darf weder in China ausstellen noch das Land verlassen. Bei der Berliner Ausstellung, die auf den Tag genau drei Jahre nach seiner Festnahme eröffnet wird und den Titel "Evidence" - Beweis - trägt, handelt es sich deshalb auch um Ais persönliche Beweisaufnahme. Stück für Stück legt er seine Sicht der Dinge dar. Das eigene Leben als Kunstwerk, man kann das entweder selbstreferentiell oder in der Tradition der Pop Art genial finden.

Der mediale Aufruhr um Ai Weiwei - die Ausstellung wird von einem Dutzend Medienpartnern unterstützt - macht eine recht banale Sache vergessen: Ai Weiwei ist nicht der einzige Künstler Chinas und in China schon gar nicht der bekannteste. Im westlichen Ausland aber ist Ai weitaus berühmter als in China. Auch gibt es Kritiker, die Ai attestieren, Teil eines Machtspiels zwischen China und dem Westen zu sein. In einem Interview mit dem Kunstmagazin "Monopol" etwa erklärte der chinesische Kurator Hou Hanru schon 2011, dass Ai als Künstler für ihn völlig uninteressant sei: "Ich finde es fragwürdig, dass er eine Kamera nimmt und fotografiert, wie er von der Polizei verprügelt wird, und dieses Bild zu einem Hauptwerk einer Ausstellung im Westen macht. Es geht nur darum, ein Bild herzustellen und den politischen Voyeurismus des Westens mit einem neuen Spektakel zu befriedigen."

Eines zumindest kann man Ai Weiwei nicht vorwerfen: dass er nicht genügend polarisiert.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Künstler?
Ausfriedenau 02.04.2014
Der ist zum bedeutenden "Künstler" vom Westen gemacht worden, nur weil er sich als Oppositioneller so hervorragend zum China-Bashing des Westens eignet. Die Kunst von AuWeiWei ist doch noch keine Kunst, nur weil die Politik sie aus antichneschischem Interesse sie zur Kunst erklärt!!!! Diese Kunst ist eben so fragwürdig wie regiemgefällige Kunst!!!
2. Ausreiseverbot - Menschen nicht Eigentum eines Landes
neue_mitte 02.04.2014
Zitat von sysopAP/dpaKein anderer chinesischer Künstler ist im Westen so populär wie Ai Weiwei. Im Berliner Martin-Gropius-Bau wurde jetzt seine bislang größte Ausstellung eröffnet. Er selbst durfte nicht anreisen - und machte daraus ein Statement. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ai-weiwei-austellung-evidence-in-berliner-martin-gropius-bau-a-962163.html
Ich habe keine Ahnung von Kunst, muss also hier voll den China-Freunden vertrauen, die sagen, der macht keine Kunst, der wird nur benutzt. Ich dachte zwar, Kunst liegt im Auge des Betrachters, und selbst "ist das Kunst oder kann das weg" ist Kunst... aber wie gesagt, ich habe keine Ahnung von Kunst. Nur ein Ausreiseverbot stinkt mir gewaltig. Geboren in der VR Ungarn, aufgewachsen in der DDR kann ich es > 24 Jahre nach dem Ende des Eisernen Vorhangs nicht verstehen, wieso es heute sowas immer noch gibt. Ein Mensch ist kein Eigentum seines Landes, umgekehrt wird höhstens ein Schuh draus. Viele Länder mögen die EINreise beschränken, aber kein Land darf die AUSreise beschränken. Was soll das?
3. Unbekannter Aiweiwei
sharlie41 02.04.2014
Bei einem Besuch in Peking im letzten Jahr habe ich meine Bekannten (Akademiker) auf Aiweiwei angesprochen. Als Kuensteler war er keinem bekannt. Einer wusste, dass ers wohl untergeordnet in einem Architektenteam bei den Olympiabauten mitgewirkt hatte. Das wars aber auch schon.
4. Was Kunst ist bestimmt der Markt ...
nadennmallos 02.04.2014
Zitat von sysopAP/dpaKein anderer chinesischer Künstler ist im Westen so populär wie Ai Weiwei. Im Berliner Martin-Gropius-Bau wurde jetzt seine bislang größte Ausstellung eröffnet. Er selbst durfte nicht anreisen - und machte daraus ein Statement. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/ai-weiwei-austellung-evidence-in-berliner-martin-gropius-bau-a-962163.html
... ob wir das nun wahrhaben wollen oder nicht. Das war schon in der Antike und in der Renaissance so. Zugegeben, in den damaligen Zeiten musste das Handwerk beherrscht werden, heute reichen Ideen und Visionen aus, die man geschickt verkauft. Und das ist auch hier der Fall. Denn wer hat schon den Mumm zu sagen: Nette Idee, aber mehr auch nicht. Wenn ich da an Hrdlitschka denke ..., der hatte beides drauf: Handwerk und Idee.
5. Erschreckend
Brillstein 02.04.2014
Wenn Ai Weiwei so unwichtig ist, wie jetzt hier behauptet wird, warum verbietet ihn dann China die Ausreise? Welche Kriterien muss Kunst eigentlich erfüllen, um Kunst genannt zu werden? Und inwiefern sind das Argumente dafür, dass ein Land einem seiner (freien) Bürger die Ausreise ins Ausland verbieten dürfte? Wie verblendet muss man sein, um das auch noch zu verteidigen? Wenn man auch nur einen Pfifferling auf Menschen- und Bürgerrechte gibt, muss man ein solches Vergehen der chinesischen Regierung scharf verurteilen. Und zur Erinnerung: China ist auf Platz 173 von 179 der ROG-Rangliste der Pressefreiheit. Natürlich ist in China niemanden die Beliebtheit von Ai Weiwei im Westen bekannt - oder überhaupt sein Name geläufig; darüber wird schlicht und ergreifend nicht berichtet. (https://www.reporter-ohne-grenzen.de/china-spezial/)
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