China Regimekritiker Ai Weiwei hat wieder einen Pass

2011 zogen die chinesischen Behörden den Pass von Ai Weiwei ein - jetzt hat der regimekritische Künstler das Dokument zurückerhalten. Ai veröffentlichte gleich ein Beweisfoto.

Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei: Seit 2011 ohne Pass
AP

Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei: Seit 2011 ohne Pass


"Heute habe ich meinen Pass bekommen" - diesen Kommentar mit einem Foto von sich und dem Reisedokument hat der chinesische Künstler Ai Weiwei am Mittwoch auf dem Netzwerk Instagram veröffentlicht. Eine Sprecherin Ais bestätigte, dass die chinesischen Behörden dem 57-jährigen Ai seine Papiere wiedergegeben haben.

Chinas berühmtester zeitgenössischer Künstler und Regimekritiker war 2011 wegen angeblicher Wirtschaftsvergehen auf dem Weg nach Hongkong von der Polizei festgenommen worden. Nach 81 Tagen in Einzelhaft kam er wieder auf freien Fuß. Danach stand er zunächst unter Hausarrest. Sein Pass wurde einbehalten.

Aus der Not, das Land nicht verlassen zu dürfen, hatte Ai in den vergangenen Jahren künstlerisch improvisieren müssen: So arbeitete er etwa gemeinsam mit Til Schweiger an einem Episodenfilm über Berlin, bei dem er Drehanweisungen nur via Skype übermittelte.

Schon vor der Rückgabe des Reisepasses hatte sich das Verhältnis der Behörden zu Ai in den vergangenen Monaten entspannt. Innerhalb kurzer Zeit konnte Ai gleich vier neue Ausstellungen eröffnen. Seit seiner Festnahme war das für lange Zeit undenkbar gewesen.

Eine der ersten Reisen Ais könnte nun nach Deutschland gehen. Der Künstler will nach eigenen Angaben seinen sechsjährigen Sohn besuchen, der in Berlin zur Schule geht. Außerdem will er sich in Deutschland einer Nachuntersuchung seiner Kopfoperation unterziehen. Ai war 2009 in München operiert worden, um die Spätfolgen eines Übergriffs chinesischer Beamter auf ihn zu behandeln.

eth/dpa/AFP



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