Ai Weiwei in Wien F*** aus Rettungswesten

In einer neuen Ausstellung visualisiert Ai Weiwei erneut die Flüchtlingsthematik: Aus 1005 zurückgelassenen Rettungswesten formte er in Wien einen schwimmenden Buchstaben - für ein Wort mit F.


Sie sehen von Ferne fast aus wie Seerosen. Doch beim näheren Hinsehen werden es Symbole der Flucht und Verzweiflung - auf kleinen Plattformen schwimmen im Wasserbecken des Wiener Belvedere-Schlossparks Rettungswesten. Je fünf von ihnen sind zu einer blütenähnlichen Form angeordnet, die vielen Plattformen bilden den Buchstaben "F". Steht er für Freiheit? Flucht? Fälschung? Das englische F-Wort?

Ai Weiwei, 58, lässt die Antwort offen, welches F-Wort gemeint ist. Der Chinese ist als Konzeptkünstler weltweit ein Star. Als Kind hat er das Schicksal eines Flüchtlings selbst erlebt, das Thema lässt Ai nicht los. Auf der griechischen Insel Lesbos sammelte er zurückgelassene Rettungswesten ein und plant ein Mahnmal für ertrunkene Flüchtlinge. Mit seinem Körper stellte er das Foto des ertrunkenen dreijährigen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi nach, dessen Bild um die Welt ging. In Berlin fertigte er eine Installation am Konzerthaus am Gendarmenmarkt an: Er verkleidete die Säulen des Gebäudes mit Rettungswesten.

Auch in Wien fordert Ai mit seiner Installation aus 1005 Rettungswesten mehr Menschlichkeit. Die Ausstellung "translocation - transformation" beschäftigt sich mit Veränderungsprozessen, die durch Vertreibung und Migration ausgelöst werden. Gerade die auf den griechischen Inseln von den Flüchtlingen zurückgelassenen Rettungswesten seien ein Symbol. "Das erzählt so viel über unsere Zeit" - über die tiefe Verzweiflung der Betroffenen und ihre äußerst skeptisch beobachtete Ankunft, sagt Ai.


Ausstellung: "translocation - transformation". Belvedere und 21er Haus, Wien. Bis 20. November.

cpa/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.