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Kunstaktion: Ai Weiwei plant auf Lesbos Mahnmal für ertrunkene Flüchtlinge

Kunstaktionen: Die Westen der Verzweifelten Fotos
AFP

Kunstprojekt auf Lesbos: Der chinesische Künstler Ai Weiwei plant ein Denkmal für die Flüchtlinge, die auf ihrem Weg nach Europa gestorben sind. Zeitgleich haben Freiwillige verschiedener Organisationen ein Mahnmal errichtet - aus Schwimmwesten.

"Viele Menschen haben unter den Wellen ihr Leben verloren... Wir brauchen ein Denkmal", so begründet der chinesische Künstler Ai Weiwei in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP seinen Plan für ein Mahnmal für ertrunkene Flüchtlinge. Er habe bereits ein Atelier auf Lesbos eingerichtet, das sich an "verschiedenen Projekten" beteiligen werde. Auch seine Workshops in China und Deutschland sowie einige seiner Studenten würden mitmachen.

Der Künstler hob in dem Gespräch die Bedeutung der gegenwärtigen Flüchtlingskrise hervor. "Das ist ein sehr historischer Moment in jeder Hinsicht", sagte Ai. Als Künstler wolle er sich mehr in die Debatte darüber einmischen und Kunstwerke mit Bezug zu der Krise schaffen, die dazu beitragen sollten, ein Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.

Ai hatte diese Woche Flüchtlinge auf Lesbos besucht und Fotos und Videos von ihnen veröffentlicht. Eines der Bilder zeigt den 58-jährigen Künstler, wie er am Strand eine Kinderschwimmweste hochhält.

Im September hatte Ai bei einem Besuch in London gesagt, er sei "sehr stolz" auf den Empfang, den Deutschland sehr vielen Flüchtlingen bereitet habe. In Deutschland lebt Ais Sohn. In London hatte sich Ai mit weiteren Künstlern an einem Solidaritätsmarsch für Flüchtlinge beteiligt. Zuletzt hatte Ai für Aufsehen gesorgt, als er für eine Kunstaktion die Gesichter australischer Bürgerrechtsaktivisten mit Legosteinen nachbauen wollte.

Vergangenes Jahr sind mehr als eine Million Flüchtlinge nach Europa gekommen, viele von ihnen aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Mehr als 800.000 von ihnen nahmen den Weg über die griechischen Inseln. Auf der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland ertranken 2015 fast 700 Menschen, zumeist Kinder.

Nahe der Ortschaft Mithymna liegen die Rettungswesten von 500.000 Flüchtlingen, die nach Lesbos übergesetzt haben. Auch die von jenen, die auf der Flucht gestorben sind. Aus 3000 dieser Westen haben Freiwillige mehrerer Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen, Greenpeace und Sea Watch am Freitag ein riesiges Peace-Zeichen gebildet. Ein Mahnmal für die Flüchtlinge gibt es also schon auf Lesbos.

cbu/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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1. Vernünftiges Denkmal
dieter 4711 02.01.2016
Wäre das richtige Denkmal, für die vielen Toten, die im Mittelmeer ertrunken sind,
2. Menschlich und als Erinnerung an die vielen Tragödien bei der Überfahrt von der Türkei nach Griechenland
m.gu 02.01.2016
Nur 2015 ca 800 000 Menschen, die diesen gefährlichen Weg gehen mussten. Wie viel Menschen werden 2016 diesen gefährlichen Weg wählen? Bisher 700 Tote darunter viele Kinder. Sind die Regierenden der EU-Staaten nicht mitschuldig am Tod der vielen Menschen? Konnten nicht Schiffe für die gefährliche Überfahrt über das Meer zur Verfügung gestellt werden? Es hat sich auch hier gezeigt, das Leben von Menschen ist für die Regierenden in den EU Staaten wertlos. Sind nur die Schlepper schuldig am Tod der Menschen? Ich glaube nein, sie haben nur die Not der Flüchtlinge ausgenutzt und viel Geld verdient.
3.
Wahrheit2011 02.01.2016
Ich bin da ambivalent. Die Menschen wissen, dass sie illegal auf dem Landweg und auch illegal über das Meer einreisen. Das ist ihnen klar, und sie wissen auch um die Gefahr, dabei umzukommen. Dennoch sind sie natürlich Opfer, die tragischerweise tot sind. Und die Krieg erlebt haben. Oder anderes Schlimmes. Ein Mahnmal sollte irgendwo auch die Selbstverantwortung der Menschen mit erfassen und nicht nur die Tragik des Todes zeigen. Oder man kann die westliche Welt anklagen, keine legalen Wege zu ermöglichen. Das geht auch.
4. Typisch Künstler
ekel-alfred 02.01.2016
Anstatt sich für die Toten einzusetzen, sollte er sich lieber für die Überlebenden engagieren. Seinen Namen zu Nutze machen..... Er selbst wäre jetzt auch kein freier Mann, wenn wir ihm in Berlin nur ein Denkmal gebaut hätten.
5.
ghanima23 02.01.2016
Ekelig, da instrumentalisiert einer die Flüchtling für Aufmerksamkeit, was in dem Gewerbe ja lohnend für das eigene Bankkonto ist. Niemand braucht ein Denkmal für Flüchtlinge, auch die Flüchtlinge nicht. Die brauchen Hilfe.
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