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01. Februar 2016, 10:58 Uhr

Protest gegen Asylpolitik

Ai Weiwei posiert als toter Flüchtlingsjunge

Das Foto des toten Flüchtlingsjungen Alan Kurdi wurde zum Symbol für den Schrecken restriktiver Asylpolitik - jetzt hat es Chinas bekanntester Künstler nachgestellt.

Das Foto des dreijährigen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi, der tot an einem türkischen Strand angespült wurde, ging im vergangenen Sommer um die Welt - weil es den ganzen Schrecken restriktiver Einwanderungspolitik in einer Momentaufnahme bündelte.

Jetzt hat der chinesische Künstler Ai Weiwei das Bild an der griechischen Küste nachgestellt: Auf einem Foto, das während eines Shootings für "India Today" auf Lesbos entstand, liegt der Künstler mit geschlossenen Augen an einem Steinstrand. Ai und sein Team hätten "aktiv geholfen, das Bild zu stellen", sagte Fotograf Rohit Chawla. "Ich bin sicher, es war nicht sehr bequem, sich so auf die Kieselsteine zu legen. Das weiche Abendlicht fiel aber auf sein Gesicht, als er sich niederlegte."

Offiziell veröffentlicht wird das Foto erst mit dem Interview in "India Today", es wurde jedoch schon bei einer Kunstmesse ausgestellt: Bei der India Art Fair in Neu-Delhi hätten sich laut einem Bericht der "Washington Post" viele Kunstliebhaber und Galeriebesitzer für das Bild interessiert. "Das Bild ist bewegend und zeigt die ganze Einwanderungskrise und Hoffnungslosigkeit der Menschen, die ihre Vergangenheit für eine bessere Zukunft hinter sich gelassen haben", so Sandy Angus, Co-Leiter der Messe. Ai selbst äußerte sich bisher nicht öffentlich zu dem Bild.

Der Künstler hat in letzter Zeit auf unterschiedlichen Wegen gegen Asylpolitik protestiert: Vergangene Woche beendete er seine Ausstellung in Kopenhagen vorzeitig, um seine Kritik an der Verschärfung der Asylregeln in Dänemark deutlich zu machen.

Auf Lesbos plant Ai ein Denkmal für Flüchtlinge, die auf dem Weg nach Europa gestorben sind.

eth

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