Kunstbiennale Venedig 2013 Ai Weiwei und Romuald Karmakar im deutschen Pavillon

Der deutsche Beitrag für die Biennale 2013 in Venedig wird hochpolitisch: Den Pavillon der Bundesrepublik sollen neben anderen der chinesische Bürgerrechtler Ai Weiwei und der Filmemacher Romuald Karmakar bespielen - und Deutschland als "Teil eines weltweiten Netzwerks" darstellen.

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Frankfurt am Main/Hamburg - Es ist ein starkes Bekenntnis auch zur Regimekritik in China: Der Künstler und Bürgerrechtler Ai Weiwei repräsentiert bei der Biennale 2013 in Venedig die Bundesrepublik. Er soll den deutschen Pavillon zusammen mit dem Regisseur Romuald Karmakar, dem südafrikanischen Fotografen Santu Mofokeng und der indischen Fotografin Dayanita Singh gestalten, wie die Kuratorin Susanne Gaensheimer am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Die vier Künstler verträten unterschiedliche Kunstgattungen, erläuterte Gaensheimer. "Ai Weiwei wird was Skulpturales machen, Singh zeigt eine Diaprojektion, Mofokeng Fotos und Karmakar Filme, die es in sich haben." Mit der Auswahl internationaler Künstler will Gaensheimer, die nach ihrem großen Erfolg im Jahr 2011 erneut zur Kuratorin des deutschen Pavillons für die Biennale 2013 berufen wurde, nach eigenen Angaben Deutschland als "aktiven Teil eines komplexen, weltweiten Netzwerkes" darstellen. Ai Weiwei werde ein Konzept entwickeln, das auch von anderen Künstlern umgesetzt werden könnte, falls er selbst das Land bis dahin nicht verlassen dürfe, sagte ein Sprecher der Projektleitung des Deutschen Pavillons.

Ende Juli war Ai Weiwei mit seinem Einspruch im Berufungsprozess wegen angeblicher Steuervergehen gescheitert. Der Künstler saß im vergangenen Jahr mehrere Monate in Haft, im Juni 2011 wurde er wieder entlassen. Danach war ihm der Reisepass abgenommen worden.

Auch Romuald Karmakar hat zuletzt bei der Berlinale 2012 mit einem hochpolitischen Thema von sich reden gemacht: In seiner Dokumentation "Angriff auf die Demokratie - Eine Intervention" haben Publizisten, Künstler und Intellektuelle wie Franziska Augstein, Ingo Schulze und Roger Willemsen Klartext über den Zustand der Bundesrepublik geredet.

Kuratorin Gaensheimer hatte im Jahr 2011 Christoph Schlingensief eingeladen, den Biennale-Pavillon zu bespielen - doch der Ausnahmekünstler starb bereits im August 2010 an Lungenkrebs. Gemeinsam mit Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz realisierte Gaensheimer daraufhin eine Inszenierung seiner Werke. Damit stieß sie im deutschen Feuilleton auf ein geteiltes Echo - die Jury konnte sie hingegen überzeugen: Der Beitrag wurde mit dem Goldenen Löwen für den besten Länderpavillon ausgezeichnet.

bos/dapd/dpa/AFP

insgesamt 9 Beiträge
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agathonpg 19.09.2012
1. Wenn in Deutschland ein Sack Reis umfällt
...dann können sich die Gutmenschen – und vor allem die Gutmeschinnen in den Redaktionsstuben kaum halten vor Begeisterung. Er ist ja auch so putzig, der kleine Ai Weiwei. Und auch noch so furchtbar verfolgt... Ich frage mich nur, warum wir zur Repräsentation Deutschlands auf der Biennale in Venedig ausgerechnet diesen weit überschätzten PR-Künstler brauchen. Und dass der deutsche Pavillon nächstes Jahr "hochpolitsch" wird, bedeutet mal wieder, dass man sich den Besuch eher sparen kann.
glen13 19.09.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSDie deutsche Besetzung für die Biennale 2013 in Venedig wird hochpolitisch: Den Pavillon der Bundesrepublik sollen neben anderen der chinesische Bürgerrechtler Ai Weiwei und der Filmemacher Romuald Karmakar bespielen - und Deutschland als "Teil eines weltweiten Netzwerks" darstellen. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,856760,00.html
Ich kann diesen ganzen Ai Weiwei Mist nicht mehr sehen und hören. Er ist wohl nur so berühmt geworden, weil er einen Namen wie ein Teletubbi hat.
markus_wienken 19.09.2012
3. .
Zitat von agathonpg...dann können sich die Gutmenschen – und vor allem die Gutmeschinnen in den Redaktionsstuben kaum halten vor Begeisterung. Er ist ja auch so putzig, der kleine Ai Weiwei. Und auch noch so furchtbar verfolgt... Ich frage mich nur, warum wir zur Repräsentation Deutschlands auf der Biennale in Venedig ausgerechnet diesen weit überschätzten PR-Künstler brauchen. Und dass der deutsche Pavillon nächstes Jahr "hochpolitsch" wird, bedeutet mal wieder, dass man sich den Besuch eher sparen kann.
Das war auch mein erster Gedanke, Deutschland...und....irgendwas dazu. Hat Deutschland selbst so wenig zu bieten, an Personen, Persönlichkeiten und auch Inhalten und Selbstbewustsein dass man es nicht aus sich selbst heraus präsentieren kann? Brauchen wir wirklich etwas anderes von außen um uns selbst darzustellen, können wir uns, unser Land, unsere Nation nicht ohne Einfluss von außen mehr präsentieren?
fahcgn 19.09.2012
4. voellig ueberschaetzt
und zur Vertretung Deutschlands (was soll denn sonst der Deutsche Pavillon) ungeeignet ist der Politclown aus Beijing!
Thomas Mank 19.09.2012
5. Romuald Karmakar...
... ist ein sehr kluger Künstler, der beeindruckende Filme macht.
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