Künstler und Regimekritiker Lego verweigert Ai Weiwei Bausteine

Für eine Ausstellung wollte Ai Weiwei bei Lego eine Riesenportion Bausteine bestellen. Doch das Unternehmen lehnte ab, es wolle politische Kunst nicht unterstützen. Die Lego-Steine trudeln nun trotzdem beim Künstler ein.

Ai Weiwei im September in London: Ärger mit Lego
REUTERS

Ai Weiwei im September in London: Ärger mit Lego


Eine riesige Ladung Legosteine wollte der chinesische Künstler Ai Weiwei bei der dänischen Firma Anfang September bestellen. Er brauchte sie für ein Kunstwerk im Rahmen der Ausstellung "Andy Warhol/Ai Weiwei" in Melbourne, wie der Regimekritiker auf seinem Instagram-Account erklärte. Das Konzept des Werks: die Meinungsfreiheit, natürlich.

Aber laut Ai weigerte sich Lego, der Lieferung nachzukommen. Die Begründung: Man könne es nicht gutheißen, dass Lego für politische Arbeiten verwendet werde, zitiert Ai aus einem Schreiben der Firma. Der Künstler sprach von Zensur und Diskriminierung und postete offensichtlich verärgert verschiedenste Beiträge zu dem Thema.

Ein von Ai Weiwei (@aiww) gepostetes Foto am

"Lego sagt uns, was wir tun oder nicht tun sollen", schrieb Ai auf Twitter. "Das ist großartig!" Ein ironischer Seitenhieb auf einen bekannten Slogan des Unternehmens - der Titelsong von "The Lego Movie" lautet "Everything is awesome".

Es wäre nicht das erste Mal, dass Ai für seine Kunst Legosteine verwendet. Erst vergangenes Jahr hatte er auf dem Gelände des Alcatraz-Gefängnis' nahe San Francisco die Gesichter von 175 Dissidenten aus Lego nachgebaut, darunter von Edward Snowden und Nelson Mandela. Mit Legos Weigerung überlege man sich nun für die Ausstellung etwas anderes, sagte Museumssprecherin Sharon Wells der australischen "Herald Sun".

Dissidenten auf der Alcatraz-Insel: Kein Lego für politische Kunst
AP

Dissidenten auf der Alcatraz-Insel: Kein Lego für politische Kunst

Lego bestätigte dem britischen "Guardian", dass man der Bestellung nicht nachgekommen sei. Es sei jedoch seit langem Praxis, nicht direkt an Einrichtungen zu verkaufen, von denen man genau wisse, dass diese damit ein politisches Statement setzen wollten.

Ai sieht jedoch noch eine andere Motivation. Wenige Wochen nach der Anfrage seines Ateliers habe eine britische Firma bekannt gegeben, dass in Shanghai ein neues Legoland entstehe. Lego erklärte daraufhin lediglich, dass die Rechte für die Legoland-Parks bei einem britischen Unternehmen lägen.

Eventuell kann der 58-Jährige aber doch noch seinen Original-Plan umsetzen. Nachdem Medien wie die BBC und "Buzzfeed" die Meldung aufgriffen, erklärten sich Dutzende Menschen bereit, ihre Legosteine an Ai zu spenden.

gam

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