Akt-Fotograf Rössler Tod in der "Super-Illu"

Was für eine peinliche Panne! Die Zeitschrift "Super-Illu" hat einen Nachruf auf den berühmten Akt-Fotografen Günter Rössler veröffentlicht - aber der ist quicklebendig.

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Günter Rössler muss gestern genauso erstaunt gewesen sein wie die Redakteurin der "Super-Illu", die bei ihm anrief. Denn eigentlich wollte sie wohl Rösslers Frau das Beileid zum Tod ihres Mannes aussprechen. In der Leitung aber war Rössler selbst - und der war nach Informationen der "Super-Illu" längst tot. "Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte und habe den Hörer gleich an meine Frau weitergereicht", sagte Günter Rössler zu SPIEGEL ONLINE.

Seite aus der "Super-Illu": "Bedauerlicher Fehler"

Seite aus der "Super-Illu": "Bedauerlicher Fehler"

Die hat daraufhin mit der Redakteurin der "Super-Illu" gesprochen. "Sie hat sich immer wieder entschuldigt. Auch der stellvertretende Chefredakteur hat bei uns angerufen und erklärt, wie leid es ihm tut", so Rösslers Ehefrau Kirsten Schlegel.  

Entschuldigungen statt Beileid - das funktionierte im persönlichen Gespräch. Der Druck und Vertrieb der vor allem in Ostdeutschland auflagestarken Zeitschrift war aber nicht mehr zu stoppen: In seiner heutigen Ausgabe bringt das Magazin aus Berlin einen Nachruf auf den berühmten Aktfotografen. Unter der Überschrift "Der letzte Akt ist vorüber" steht in dem Artikel: "Vor wenigen Tagen starb der Altmeister der DDR-Aktfotografie an den Folgen einer schweren Lungenentzündung." In Wirklichkeit aber ist Rössler, der Anfang des Jahres 80 wurde, quicklebendig und arbeitet viel. Wie also konnte der "Super-Illu" das passieren?

"Es war eine Verknüpfung unglücklicher Umstände, die uns unendlich leid tut", heißt es aus der "Super-Illu"-Redaktion. Der stellvertretende Chefredakteur der Zeitschrift, Stefan Kobus, schreibt in einer Meldung an Agenturen und Tageszeitungen, der Redaktion sei "ein bedauerlicher Fehler unterlaufen. Aufgrund einer Fehlinformation wird auf Seite 82 über das Ableben des Fotografen Günter Rössler informiert". Die Meldung habe sich als nicht zutreffend herausgestellt, heißt es dort etwas lapidar. "Zum Glück lebt Herr Rössler."

Rösslers Frau geht davon aus, dass man ihren Mann mit dem kürzlich verstorbenen Fotografen Roger Rössing aus Leipzig verwechselt hat, der auch ein Freund Rösslers war. Auch von der "Super-Illu" heißt es, es habe sich um einen Hörfehler gehandelt. Dass keine Agentur, keine Zeitung über den Tod berichtete, machte dort offenbar niemanden stutzig.

Rössler selbst hat wenig Verständnis: "So was darf doch nicht passieren", sagt er zu SPIEGEL ONLINE. Zwar habe sich die "Super-Illu" bei ihm entschuldigt, aber er erwarte trotzdem einen Vorschlag, wie dieser Schaden wieder gut gemacht werden kann. "Schließlich geht es auch um eine Geschäftsschädigung. Was sollen die Leute, mit denen ich bereits Vorverträge geschlossen habe, jetzt denken?", so Rössler zu SPIEGEL ONLINE.

Dass die "Super-Illu" in ihrer nächsten Ausgabe eine Richtigstellung bringen und darin erklären will, wie es zu dem Fehler kommen konnte, reicht Rössler nicht aus. Man habe sich nun darauf geeinigt, über Nachrichtenagenturen die Meldung vom Tod des Künstlers richtig zu stellen. Bis Donnerstag Mittag hatten die Agenturen die von der "Super-Illu" herausgegebende Stellungnahme noch nicht verbreitet.

Zu SPIEGEL ONLINE sagte Rössler, er wolle heute Abend mit Anwälten reden und überlegen, ob man rechtliche Schritte einleiten werde.

Als gestern Reporter der "Bild-Zeitung" zu ihm nach Hause kamen und einen Vorabdruck der "Super-Illu"-Geschichte mitbrachten, wollte Rössler das gar nicht sehen: "Ich habe nur einen flüchtigen Blick darauf geworfen und den Reportern dann gesagt, sie sollten das wieder einstecken".

Wie er sich nach der medialen Verkündung seines Todes fühle? "Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Ich bin einfach nur schockiert und sprachlos. "

Rössler ist für seine sinnlichen schwarz-weißen Aktfotos bekannt. Den Vergleich mit Star-Fotograf Helmut Newton lehnte er aber immer ab.  Von den kühlen Akten Newtons hielt er nicht viel. Für ihn war die Natürlichkeit seiner Modelle - Rössler sagte immer "Mädchen" - und auch die Einfachheit des "Sets" wichtig. Der Playboy druckte 1984 eine Fotostrecke des DDR-Fotografen ab - Titel: "Mädchen aus der DDR".

Der Fotograf ist in zweiter Ehe mit der mehr als 40 Jahre jüngeren Kirsten Schlegel verheiratet. Mit 77 Jahren wurde er noch einmal Vater - auch damals hatte die "Super-Illu" berichtet. Geburt oder Tod - der DDR-Star-Fotograf ist immer für eine Geschichte gut.

Rössler selbst will jetzt erstmal Ruhe: "Am liebsten würde ich in Urlaub fahren", sagt der 80-Jährige. Aber irgendwann, wenn er sich eine lustige Stunde machen wolle, werde er den Nachruf auf ihn vielleicht noch einmal lesen, sagt er.



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