Aktionskunst Amerikaner geben's Bush mit dem Stiefel

Trauer sieht anders aus. Die Besucher einer Galerie im US-Bundesstaat Oregon bescheren ihrem scheidenden Präsidenten George Bush einen eher unfeinen Abtritt: Sie werfen ihm Stiefel und Sandalen mit roter Farbe ins Gesicht.


Ashland/Hamburg - Zur Eröffnung einer Galerie im US-Staat Oregon konnten die Besucher sozusagen zwei Fliegen mit einem Schuh schlagen. Wer die MAda Shell Gallery im Städtchen Ashland besuchte, durfte nicht nur Schuhe auf den scheidenden Präsidenten George W. Bush werfen, sondern auch noch mit dem Gefühl nach Hause gehen, einen Beitrag zur Kunst geleistet zu haben. Denn die Schuhe, die auf ein 2,40 Meter hohes Bush-Porträt geschleudert wurden, waren an der Sohle mit frischer roter Farbe überzogen.

Die außergewöhnliche Aktion hinterließ nicht nur bleibende Abdrücke sondern auch Eindrücke. Die 91 Jahre alte Marjorie Mather etwa war ganz beglückt, ob der Chance, Bush einen symbolischen Kick zu verschaffen. "Wow, ich wusste nicht, dass dies so viel Spaß macht", sagte sie nach ihrem Wurf auf das Bild des Präsidenten.

Der erste Teilnehmer an der Aktion in der MAda Shell Gallery in dem knapp 20.000 Einwohner zählenden Städtchen Ashland war allerdings nicht die betagte Werferin Mather, sondern der städtische Abgeordnete Eric Navickas.

Er hat die Galerie zusammen mit der Künstlerin und Lehrerin Amy Godard eröffnet. Jeder Wurf kostet einen Dollar. Die Wahl der Waffen haben die beiden Galeristen dabei beträchtlich erweitert: Neben eher konventionellen Halbschuhen stehen auch Sandalen und Stiefel zum Bush-Bashing bereit.

Mit den Einnahmen will die Galerie künftige Ausstellungen finanzieren. Godard betonte aber, die Aktion sei nicht nur eine reine PR-Veranstaltung. Dem Lokalblatt "Ashland Daily Tidings" sagte er, dass es ihnen auch um etwas gehe, was er als "Anti-Kunst" bezeichnet; Arbeit, die auf mehr politische und soziale Gerechtigkeit ziele statt sich lediglich auf "ästhetische Schönheit" zu konzentrieren.

Entsprechend betrachtet er die Aktion auch als Solidaritätserklärung mit Muntasar al-Saidi, dem irakischen Journalisten, der beim Abschiedsbesuch von George W. Bush zwei Schuhe auf Bush geworfen und gerufen hatte: "Dies ist dein Abschiedskuss, du Hund!"

Der Präsident konnte sich zwar bei der Attacke am 14. Dezember rechtzeitig wegducken. Dennoch wurde der 29-jährige Journalist nach dem handgreiflichen Protest vergangenen Jahres verhaftet und muss sich derzeit vor Gericht verantworten.

Wie der SPIEGEL Ende Dezember berichtete, könnten al-Saidis beherzte Würfe ihm theoretisch bis zu sieben Jahre Haft eintragen. Ein irakischer Jurist geht aber davon aus, dass der Delinquent in ein bis zwei Monaten wieder frei sein dürfte.

tdo/AP



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