Alexander Osang Das eiserne Mädchen - Teil 2


Kasner hat versucht, den Druck vonseinen Kindern fern zu halten, sagt er. Nur in der erstenKlasse, als die anderen sofort in die Pionierorganisationeintraten, ließ er sie warten. "Ich wollte ihnen zeigen,dass man nicht alles mitmachen muss. Aber wir hatten unsganz bewusst für diesen Schritt entschieden, in die DDR zugehen. Wir wollten den Druck nicht an unsere Kinderweiterleiten. Wir wollten ihnen eine Chance in diesem Landgeben." Alle drei Kinder gingen zu den Pionieren und späterin die FDJ.Kirchenkinder mussten trotzdem besser sein als alleanderen. Angela gewann zwei DDR-Russisch-Olympiaden und warin der Förderklasse für Mathematik. Sie war beliebt beiihren Mitschülern und auch bei den Lehrern. Zumindest siehtdas heute so aus.In einer Templiner Villa, die den Namen "Frohsinn" trägt,wohnen zwei ihrer Lehrer. Oben Beeskow, der Mathematik ander Grundschule unterrichtete. Ein Christ, der es zuDDR-Zeiten schwer hatte. Unten Gabriel, ein ehemaligerSchuldirektor. Auch ein Mathematiklehrer, aber einKommunist. Sie sind beide 60 und leben hier zusammen wieDon Camillo und Peppone. Gabriel hat das "Neue Deutschland"abonniert. Beeskow ist der Fraktionsvorsitzende der CDU inder Stadtverordnetenversammlung von Templin. Gabriel istInvalidenrentner, er sitzt im Rollstuhl, sein Körper wirdvon einer unheilbaren Muskelschwächekrankheit zerstört. Erkann vor keiner Klasse mehr stehen. Beeskow ist nach derWende Direktor der Schule geworden. Gabriel hat die Villazu DDR-Zeiten von Beeskows Schwiegereltern gekauft. Ganzlegal. Für 15000 Ostmark, heute dürfte sie etwa 30-mal soviel wert sein. West. Beeskow hat die historische Schlachtgewonnen und eine andere verloren. Er ist Direktor, und erist Mieter beim Kommunisten.Sie belauern sich gegenseitig."Wir respektieren uns", sagt Beeskow."Wir respektieren uns", sagt Gabriel.Es gibt keine Gewinner, aber Angela Merkel mögen sie beide."Ein aufgeschlossenes, aufgewecktes und hoch intelligentesMädchen", sagt Gabriel, der Kommunist."Frisch, durchsetzungsfähig, gescheit", sagt Beeskow, derChristdemokrat.Die Augen leuchten, wenn sie von ihr sprechen. Sie sindstolz, ihre Lehrer gewesen zu sein. Man fragt sich, wermehr Einfluss auf sie hatte.

Niemand unter den erfolgreichen Ostpolitikern hat sich demwestlichen System so ausgesetzt wie Angela Merkel.Wolfgang Thierse will immer alles richtig machen. Nachdemer der CDU eine 41-Millionen-Mark-Rückzahlung aufgedonnerthatte, posierte er auch noch mit der Taschenbuchausgabe desGrundgesetzes. Er ist der Onkel Tom des Ostens. Gregor Gysimuss nicht so viele Rücksichten nehmen. Christine Bergmannhat kaum Einfluss. Aber Angela Merkel muss sich in dervielleicht westlichsten Partei der Bundesrepublikdurchsetzen. Die Partei der rheinischen Katholiken. DerKlüngel. Der Intrigen. Sie hasst den Karneval und denStallgeruch, sie ist eine brandenburgische Protestantin,Naturwissenschaftlerin. Sie wurde einmal geschieden und istkinderlos, sie ist so etwas wie das Gegenteil einesKatholiken.Sie ist in der Diaspora, aber wie der gehorsame Thierse undder gerissene Gysi kann auch sie nicht raus aus ihrer Haut.Sie will mitmachen. Also hat sie sich einen Landesverbandgenommen, wie die Bonner ihr geraten haben, um Hausmacht zubekommen, wie sie das nennen. Allerdings war nur noch einerzu haben, in dem der Karneval keine besonders große Rolle spielt.Mecklenburg-Vorpommern. Die Menschen dort halten es auchmal vier Stunden ohne ein Wort aus. Dafür halten Vorurteileein Leben lang. Auf einem Empfang im Stralsunder Rathaussagte eine CDU-Abgeordnete zu Angela Merkel: "Ich war zuDDR-Zeiten Buchhalterin bei der Baustoffversorgung. Bei unswar so was wie in Hessen ausgeschlossen. In der DDRherrschte noch Recht und Ordnung." Angela Merkel trankschnell einen großen Schluck Bier.Die Parteikrise hat vielen ehemaligen Ost-CDUlern einneues, eigenes Selbstbewusstsein gegeben. Sie fühlen sichnicht mehr nur als Anhängsel der Westpartei, sie habeneigene Qualitäten. Sie haben nichts gewusst. Angela Merkelist die Schirmherrin dieser Bewegung.Sie kann sich auf niemanden verlassen, auch nicht auf die,die es gut mit ihr meinen. Förster Manfred Bönke, der inHohenwalde lebt, wo Merkel mit ihrem Mann ein Wochenendhausbesitzt, ist CDU-Mitglied und stolz auf sie. So stolz, dasser gern den Platz zeigt, wo sie mit demBundeswehrhubschrauber im Naturschutzgebiet landete. Sowichtig ist sie geworden, seine Angela Merkel.Ein paar Tage später ist er damit in der Fernsehsendung"Monitor". Ein Flugskandal, noch einer. Das hat der FörsterBönke nicht gewollt.

"Templin war irgendwann langweilig", sagt Angela Merkel.Es gab keine Theater, es gab die Schülergaststätte, dierauchenden Mädchen im "Café am Markt", die auf ihrenPrinzen warteten. Am Wochenende fuhren sie die Tanzsäle ab.Sie nicht, sagt Roland Saeger, der mit ihr zur Schule ging."Als Mädchen war sie eher ein guter Kumpel." Harald Löschkesagt: "Angela gehörte damals schon zur CDU. Zum Club derUngeküssten." Sie sammelte Kunstpostkarten, sagt sie.Kunstpostkarten.Alles stand still in Templin, man kann heute noch fühlen,wie es damals war. Die Häuser sehen hübscher aus, aber diePionierbrücke heißt immer noch Pionierbrücke, und dieMädchen warten immer noch. Sie haben jetzt Handys, das istder Unterschied. Die Handys liegen vor ihnen auf denTischen des Café am Markt, die Mädchen rauchen und warten,dass es klingelt.Angela Merkel hat nie Ostkleidung getragen. Sie wollte nurweg aus Templin. Sie mochte Leipzig. Leipzig war sicher diebeste Stadt, die die DDR zu bieten hatte. In einem letztenTempliner Reflex heiratete sie dort den schweigsamenMerkel, nicht weil sie ihn liebte, sondern weil alleheirateten. Die Provinzmädchen waren immer als erste weg.Die meisten Mitschüler sind inzwischen aus Templinweggezogen. Die noch da sind, schauen Angela Merkel mitStolz und Verachtung hinterher. Der Templiner PolizeichefLöschke hat seine Schulfreundin das letzte Mal vor 25Jahren auf dem Bahnhof in Prenzlau getroffen. Sie fuhr nachLeipzig zum Physikstudium, er nach Aschersleben zurPolizeischule. Als er sie begrüßen wollte, tat sie, alskenne sie ihn nicht. Er trug eine Uniform. "Sie hat sichgeschämt", sagt er.

Hans-Joerg Osten hat sie 1980 kennengelernt, als er ans Institut für Physikalische Chemie ander Berliner Akademie der Wissenschaften kam. Sie haben inder FDJ-Leitung zusammengearbeitet. "Angela war Sekretärfür Agitation und Propaganda. Sie hat sich da sehrengagiert, wir haben viel diskutiert, wir haben überSelbstmorde gesprochen und über wirtschaftliche Probleme.Wir waren auch zusammen im Ferienlager, sie hat die ältesteMädchengruppe betreut. Sie war damals noch mit dem Merkelzusammen, so ein ruhiger Bergmensch, der auch an derAkademie arbeitete. Als sie sich trennten, hatte sie keineWohnung. Da haben wir eine besetzt. Wir haben sie zusammenrenoviert, neue Schlösser eingebaut und alles. Also wirhaben wirklich viel Zeit zusammen verbracht. Von ihrenHaltungen habe ich nie was mitbekommen, ich glaube, ichhabe sogar versucht, sie als Kandidatin für die SED zugewinnen."Osten ging 1984 für ein Jahr nach Chicago und später nochmal nach Cambridge. Aus einem Grund, den er nie erfuhr,durfte er irgendwann nicht mehr reisen. Er bewarb sich beianderen Instituten, wurde aber immer abgelehnt. ImRevolutionswinter 1989 ist er noch mal nach Berlin in dieAkademie zurückgekehrt."Alle waren aufgeregt, haben diskutiert. Nur Angela saß anmeinem ehemaligen Schreibtisch und machte irgendwasFachliches. Ich habe sie gefragt, warum sie nicht bei denanderen sei. Sie hat gesagt, dass es ja sowieso nichtsbringe. Insofern habe ich mich schon gewundert, dass sieein paar Wochen später Sprecherin der Regierung de Maizièrewar."Osten hat versucht, noch mal mit ihr zu reden. 1992, alssie bei einer Veranstaltung in der FrankfurterOderlandhalle auftrat. Er hat was auf seine Visitenkartegekritzelt und sie ihr bringen lassen."Sie hat sie durchgelesen, zu mir geguckt und gesagt, dasssie leider keine Zeit habe. Dann hat sie weiterrumgestanden", sagt Osten.Sie hat nicht nur Schnur und Kohl und Krause hinter sichgelassen, überall sitzen die Männer, die sich beklagen. Siesplittet die Männer in zwei Gruppen. Die, die gern an ihrerKarriere mitgewirkt hätten, und die, die sich ausgenutztfühlen. Die Stolzen und die Neidischen.Und manche haben sogar Angst vor ihr.In dem Buch "Spuren der Macht" versucht die FotografinHerlinde Koelbl zu zeigen, wie die Macht die Menschenverändert, indem sie Politiker und Wirtschaftschefs übereinen längeren Zeitraum fotografierte und interviewte. Diemeisten Menschen werden einfach älter, aber was die Machtaus Menschen macht, sieht man am besten an Angela Merkel.Auf den ersten beiden Bildern sieht sie aus wie dieBassistin einer Mädchenband, auf dem letzten wie SabineLeutheusser-Schnarrenberger. Es ist klar, woher sie ihreKraft nimmt und die Geschicklichkeit. Sie hat ein Lebenlang gelernt, sich zwischen den Fronten zu bewegen, durchOffenheit zu entwaffnen, sie hat gelernt zu argumentieren.Sie kann sich bewegen, die Frage ist, wohin sie will. Wofürsie steht, ist schwer zu sagen.Gysi sagt, für nichts. Lothar de Maizière, ihr politischerEntdecker, glaubt, dass sie nur zufällig in die CDU geratenist.Angela Merkel gehörte zunächst dem Demokratischen Aufbruchan, der sich Anfang 1990 spaltete. Friedrich Schorlemmerzum Beispiel ging in die SPD. De Maizière glaubt, dassAngela Merkel den Zeitpunkt verpasste, mitzugehen. "Siepasste eigentlich nicht in die CDU."De Maizière betont ihren Vornamen auf der zweiten Silbe,wie es alle Berliner tun. Sie hat immer darum gekämpft,dass er auf der ersten betont wird. "Ich weiß", sagt deMaizière, "aber dann vergisst man's ja doch immer wieder."Angela Merkel wurde Stellvertretende Regierungssprecherinund war wirklich ein Talent. Damals hatte ja kaum jemandErfahrung mit diesen Dingen. Entweder die Papiere klangenwie Synodalbriefe oder wie Parteitagsdekrete. Aber siekonnte gut formulieren. Einfach, verständlich, knapp. Sie konnte das Wesentliche erkennen. Und weil dererste Regierungssprecher Matthias Gehler panische Flugangsthatte, begleitete die Stellvertreterin den Regierungschefde Maizière auf fast allen Reisen. De Maizière erinnertsich, wie er sie in Moskau losschickte, "um die Stimmung imVolk zu checken. Also, was die von der deutschen Einheithalten. Taxifahrer, Verkäuferinnen, in der Metro." AngelaMerkel kam wieder und erzählte, die Stimmung sei schlecht.Worauf de Maizière beschloss, die Verhandlungen mit derSowjetunion zu forcieren. So will es die Anekdote.Eigentlich wollte Kohl Sabine Bergmann-Pohl als ostdeutscheMinisterin in Bonn. Aber da hat ihm de Maizière abgeraten.Er hat Kohl Angela Merkel empfohlen, weil er nicht wollte,dass sich der Osten blamiert."Ich habe sie dann irgendwo zufällig in Bonn getroffen undihr gesagt: ,Du, der Kohl ruft dich bald an und fragt, obdu Ministerin werden willst.' Sie hat gesagt: ,Spinnstdu?'" Aber natürlich hat sie es gemacht. Sie konnte garnicht anders.Sie war Regierungssprecherin, stellvertretendeParteivorsitzende, zweimal Ministerin, sie istGeneralsekretärin und CDU-Chefin vonMecklenburg-Vorpommern. Inzwischen wird sie alsCDU-Vorsitzende gehandelt.Sie hat eine Menge erlebt, vielleicht hat sie bis jetzt nurgelernt. Wer weiß. Die Frage ist, was passiert, wenn dieKrise vorbei ist. Wenn ihr jemand sagt: Hör auf zu rennen,Angela. Du bist jetzt da. Begreift sie dann, in welcherPartei sie eigentlich ist?Lothar de Maizière weiß auch nicht so richtig. Er zeigt daswunderschöne Treppenhaus des klassizistischen Baus amKupfergraben in Berlin-Mitte. Ganz unten hat de Maizièreseine Kanzlei, ganz oben wohnt Angela Merkel mit ihremMann, dem Chemieprofessor Joachim Sauer, mit dem sie seitEnde 1998 verheiratet ist. Aber de Maizière hat sievielleicht erst zehnmal gesehen, seit sie hier lebt."Sie ist ja viel unterwegs", sagt er.Besser kann man es nicht sagen.

Es ist dunkel geworden, aber Angela Merkels Vater hat immernoch kein Licht eingeschaltet. Es ist so friedlich jetzt.Seine Frau ist in Hamburg bei ihrer Schwester. Er hat nurein Bild, auf dem sie vor einem Trabant steht. Sie hatteihr eigenes Auto, und wohl auch ihr eigenes Leben. Sie warlange Jahre SPD-Abgeordnete im Kreistag, aber beim letztenMal hat sie nicht mehr genügend Stimmen bekommen. Er ärgertsich maßlos darüber, denn er ist ehrgeizig, nicht nur wassein Leben anbetrifft. Er berichtet über die Karrierenseiner drei Kinder und seiner Frau, als müsse er dasabrechnen. Er hatte wenig Zeit für seine Kinder, sagt er.Angela Merkel sagt, dass sie oft draußen stand und nach ihmAusschau gehalten hat. Er hat seine Versprechen nichtgehalten, er kam immer später, als er versprochen hatte. Erhat sie längst verloren, auch wenn sie ihm noch immer etwaszu beweisen versucht. Er hat ihr den Weg geebnet, er hatsie zur Universität gebracht, damals, und noch ein gutesWort bei einer Rektorin eingelegt, weil er glaubte, dass esnötig war. Er hat ihr das Laufen beigebracht, nicht dieRichtung. Und irgendwann war das Mädchen weg."Sie macht doch sowieso, was sie will", sagt er.Die Nachrichten verlieren an Wucht hier draußen, Koch wirktunwirklich, Kohl ist verschwunden, Schäuble beginntunscharf zu werden. Und auch Horst Kasner sieht nicht mehrganz so kräftig aus wie vor sechs Stunden, als unserGespräch begann. Er will sich nicht fotografieren lassen.Er sieht ein wenig wie Richard von Weizsäcker aus.

Am Abend nach irgendeinem langenWahlkampftag in Schleswig-Holstein sitze ich mit einemKollegen in einem Restaurant, in dem auch Angela Merkel zuAbend isst. Nach einer Weile kommt sie an unseren Tisch,setzt sich aber nicht. Sie steht da, als wolle sie uns zumTanzen auffordern. Sie ist geschmeichelt und besorgt. Siewill Rat, aber wenn sie ihn bekommt, traut sie ihm nicht.Pressekonferenz in Hannover, sie sitzt vorn neben ChristianWulff. Er trägt kein Jackett, sondern einen Wollpullover,weil heute Sonnabend und damit Lockerheit angesagt ist.Wulff merkt schnell, dass sich die Journalisten nur fürMerkel interessieren."Es ist ja klar, dass sie mehr Fragen an unseren Gast ausder Bundespolitik haben", sagt er. "Ich bin ja nur einkleiner Lokalpolitiker.""Ich dachte, Sie sind stellvertretenderParteivorsitzender", sagt Merkel.Dann lachen beide. Wulff sieht aus wie ein verklemmterOberschüler, aber auch Angela Merkel ist dünnhäutiger alssonst. Vielleicht liegt es an Hannover, vielleicht amWesten, vielleicht an Wulff. Als ein Stativ umfällt, zucktsie zusammen, als wäre geschossen worden."Ich bin doch nicht auf der Flucht", ruft sie.Sie schafft den ICE nach Berlin in letzter Minute. Auf deranderen Seite des Bahnsteigs wartet Jürgen Trittin, ihrNachfolger im Umweltministerium und perfidesterGrimassenschneider der deutschen Polit-Talkshow. Er hateinen hübschen Mantel an und wirkt völlig entspannt.Verglichen mit Angela Merkel sieht er wie ein Urlauber aus.Sie liest zwei Porträts, die heute in zwei großen Zeitungenstanden. Es muss komisch sein, pausenlos beschrieben undgedeutet zu werden. Jede Geste wird zum Symbol."Ach", sagt sie, und nach einer Pause: "Schauen Sie nichtkünstlich traurig." Sie ist immer auch ein bisschenLehrerin.Kurz hinter Wolfsburg redet sie über Kohl. Wie er gekochthat im Fernsehen vor Wut. Sie pendelt zwischen Wut undMitleid hin und her. Respekt gibt es nicht mehr. AberAngst. Es ist schlichter als man glaubt. Kohl denkt anEhrenwort und Verrat, sie will überleben.All das will sie nicht gedruckt sehen. Die einzigen beidenSätze, die sie freigibt, lauten: "Helmut Kohl steht da, woer am 15. Dezember stand. Die Partei aber hat sichweiterbewegt." Und dann fügt sie noch einen neuen Satzhinzu. "Denn es geht um unsere Zukunft."Nach einem Interview mit Angela Merkel kann man seinenNotizblock verbrennen. Sie sagt nichts, sie tut nur so. Aufden Pressekonferenzen klammert sie sich an ihre Begriffewie an Rettungsringe. "Ich habe nicht Dummheit gesagt,sondern Fehler."Sie muss vorsichtig sein. Ein falscher Halbsatz kann einezehntägige Krise auslösen.Niemand geht unbeschadet aus so einem Kampf hervor. Sie istlange unterschätzt worden, manchmal sieht es so aus, alskippe das jetzt ins Gegenteil.Vielleicht besucht sie Kohl irgendwann noch mal. Wenn siesich stark genug fühlt. Stärker als er.Fühlt sie sich denn nicht stark?"Doch, doch."Sie steigt am Bahnhof Zoo aus, weil sie noch zum ZDF muss,um ein Interview aufzuzeichnen. Sie steht einen Moment ganzallein auf dem Bahnsteig und überlegt, in welche Richtungsie jetzt gehenmuss.Zurück: Das eiserne Mädchen - Teil 1



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