Alice Schwarzer "'Emma' fordert auch in Zukunft Kind und Karriere"

Alice Schwarzer hört als "Emma"-Chefin auf - muss man sich Sorgen um den feministischen Journalismus machen? Schwarzer gibt Entwarnung - und skizziert im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE ihre weitere Karriere.


SPIEGEL ONLINE: Frau Schwarzer, wie sieht das feministische Blatt der Zukunft aus?

Feministin Schwarzer: "Fünf Wochen für ein Buch"
DDP

Feministin Schwarzer: "Fünf Wochen für ein Buch"

Schwarzer: Schon die letzten Jahrzehnte zeigen, dass "Emma" immer ein Blatt gewesen ist, das sich lebendig den aktuellen Entwicklungen gestellt hat. Ganz deutlich wird das auch in dem gerade erschienenen "Emma"-Buch über "die ersten 30 Jahre". Und die Tatsache, dass die neue Chefredakteurin eine Frau mit zwei kleinen Kindern ist, signalisiert, welchen Stellenwert auch in "Emma" die für die Mehrheit der Frauen aktuelle Forderung hat und zukünftig haben wird: Kind und Karriere! Diese Kinder haben allerdings auch einen engagierten Vater. Unveräußerlich bleibt auch in Zukunft die Grundposition von "Emma": für uneingeschränkt gleiche Rechte für Frauen wie Männer – und gleiche Pflichten.

SPIEGEL ONLINE: Wie spielen Sie künftig im Medienzirkus mit?

Schwarzer: Ich werde hoffentlich mehr Muße haben und mehr Zeit für das Schreiben. Schreiben für "Emma". Schreiben von Büchern. Letzteres musste ja bisher immer zwischen zwei Redaktionsschlüssen passieren, was hieß, ich hatte jeweils fünf Wochen für ein Buch. Doch selbstverständlich bleibe ich auch "Emma" erhalten, nicht nur als Verlegerin und Herausgeberin, sondern zunächst auch noch als redaktionelle Mitarbeiterin. Doch die alltägliche Verantwortung als Chefredakteurin, die wird ab Frühjahr 2008 Lisa Ortgies schultern.

SPIEGEL ONLINE: Wo und bei welcher Tätigkeit interviewen wir Sie in einem Jahr?

Schwarzer: Mein Traum wäre: Während ich gerade die druckfrische "Emma" lese – doch die Hälfte der Artikel im Heft noch gar nicht kenne.

SPIEGEL ONLINE: Wie kann Ihre Nachfolgerin aus Ihrem Schatten treten?

Schwarzer: Indem Lisa Ortgies sie selbst ist – und gleichzeitig die Tradition von "Emma" fortsetzt. Unterstützt von einem Team, das zum Teil seit 8 bis 25 Jahren dabei ist.

SPIEGEL ONLINE: Was möchten Sie in der "Emma" lesen, das es noch nicht zu lesen gab?

Schwarzer: Wenn ich das wüsste, würde ich den Artikel noch heute in die nächste Ausgabe setzen. Chefredakteurin Ortgies tritt ja erst im Frühjahr 2008 an.

Das Interview führte Leonie Wild



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