Alleingang: Die "FAZ" schreibt wieder nach den alten Regeln

Ein Jahr nach der Übernahme der neuen Rechtschreibung durch die Presse, ist die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ") als einziges Blatt in Deutschland zur alten Orthografie zurückgekehrt.

Frankfurt/Main - Mehr als 80 Prozent der Leser hätten dem Schritt zugestimmt, heißt es in der Dienstagausgabe der "FAZ" auf der Titelseite. Einer der Herausgeber der Zeitung, Günther Nonnenmacher, bezweifelte den Nutzen der Rechtschreibreform. Schließlich hätten viele Firmen der Medienbranche gar nicht erst auf die neue Rechtschreibung umgestellt. Deutsche Sprachexperten reagierten unterschiedlich auf den Vorstoß der Zeitung.

Der "FAZ" gehe es nicht darum, die Regeln der alten Rechtschreibung für alle Zeiten festzuschreiben, schreibt das Blatt. "Die Sprache entwickelt sich ständig weiter; sie bedarf aber auch einer zuverlässigen Grundlage." Mit der Einführung der neuen Schreibung sei die Einheitlichkeit der Rechtschreibung verloren gegangen. "Es entstand eine Vielzahl von Varianten, die zu Mißverständnissen und Fehlern führten." Klarheit schaffe in dieser Lage nur die Rückkehr zur alten Rechtschreibung. Zunächst bittet das Blatt jedoch um Rücksichtnahme. "Trotz der getroffenen Vorkehrungen", heißt es, "sei es nicht auszuschließen, daß sich in den ersten Tagen nach der Umstellung Schreibweisen einschleichen, die nicht der alten Schreibweise entsprechen."

Während die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung (Darmstadt) den Vorstoß der Zeitung als "mutigen, hoch willkommenen Befreiungsschlag" gewertet hatte, sagte der Leiter des Instituts für deutsche Sprache (Mannheim), Gerhard Stickel, die "FAZ" wolle im Sommerloch nur die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Er bezeichnete die Rückkehr zur alten Rechtschreibung als Sensations- und Aktionsjournalismus und stellte sich hinter die neue Rechtschreibung: "Sie bedeutet eine Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung gegenüber der, die früher war." Hinzu komme, so Stickel, dass zur Zeit rund 15 Millionen Schüler in Deutschland die neuen Rechtschreiberegeln lernen. "Warum sollen wir die auch noch durcheinander bringen?"

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