Amerikanische Moderne Architekturfotograf Julius Shulman gestorben

Er war einer der großen Architekturfotografen des 20. Jahrhunderts und prägte mit seinen Aufnahmen das kollektive Bild der amerikanischen Moderne. Jetzt ist Julius Shulman im Alter von 98 Jahren in Los Angeles gestorben.


Einem Ufo gleich scheint der Bungalow über dem Lichternetz von Los Angeles zu schweben, seine Fracht: klassisch moderne Möbel; seine Passagiere: zwei Frauen in Cocktailkleidern.

Julius Shulmans Schwarzweißbild "Case Study House No. 22" aus dem Jahr 1960 gilt heute als Inbegriff der Architekturfotografie, der Fotograf selbst als einer der Großen seines Fachs.

Jetzt ist Julius Shulman im Alter von 98 Jahren in Los Angeles gestorben. Das teilte sein deutscher Verlag Taschen am Freitag mit.

Shulman hatte über sieben Jahrzehnte hinweg Architektur fotografiert. Eine seiner ersten Arbeiten, eine Aufnahme der Kun Residence in Los Angeles, ließ 1936 den bekannten Architekten Richard Neutra, der das Haus entworfen hatte, auf Shulman aufmerksam werden. Neutra fing an, die Arbeiten des jungen Mannes zu sammeln - und Shulman avancierte binnen weniger Jahre zu einem der stilprägenden Architekturfotografen der USA.

Die Architektur der klassischen Moderne hatte viele Elemente einer neuen Antike - und so entsprach Shulmans Methode dem Geist der Zeit. Er überhöhte die Bauwerke optisch, bildete sie als Tempel ab, die zwar im 20. Jahrhundert errichtet worden waren, aber die den Ewigkeitswert antiker Stätten ausstrahlten. Die führenden Architekten der Zeit ließen ihre Bauten von Shulman in Szene setzen - und wer sich heute an die amerikanischen Bauwerke der Nachkriegs- und Kennedy-Jahre erinnert, denkt dabei vielleicht unbewusst in Bildern von Shulman.

Ab den siebziger Jahren zog sich der Fotograf zunehmend zurück. Seinen Ruhm schmälerte das nicht: 1998 wurde er mit dem Lifetime Achievement Award des International Center of Photography in New York ausgezeichnet.

Im Jahr 2005 widmete das Deutsche Architekturmuseum in Frankfurt am Main Shulman eine große Ausstellung; der Taschen Verlag veröffentlichte zwei Jahre später Shulmans Arbeiten in drei Bänden, "Modernism Rediscovered". Die zeigen Shulmans Bilder so, wie es dem Geist und der Bedeutung des Fotografen entspricht: in einer Prachtausgabe.

sha/rtr



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