Mittelalter-Statue in Florenz US-Tourist bricht Madonna den Finger ab

Wollte er die Fingerlängen vergleichen? Oder sich gar mit der Statue abklatschen? Ein Museumswärter versuchte noch, den älteren Herren aus Missouri zu stoppen - doch zu spät: Der kleine Finger der Madonna aus dem 14. Jahrhundert ist ab. Der Museumsleiter beklagt nun allgemeinen Sittenverfall.

DPA

Florenz/Hamburg - "Nur gucken, nicht anfassen!" - diesen Satz bekommen Kinder in Museen gerne mal zu hören. Ein erwachsener amerikanischer Tourist hatte diese Mahnung offenbar nicht mehr im Ohr, als er das Museo dell'Opera di Santa Maria del Fiore besuchte, das Dommuseum von Florenz: Wie lokale Medien berichteten, brach der Besucher einer Madonna aus dem Mittelalter den Finger ab.

Die abgetrennte Gliedmaße gehört zu einer Skulptur des florentinischen Bildhauers Giovanni d'Ambrogio, von der man annimmt, sie sei um das Jahr 1400 entstanden. Wie die "Firenze Post" zuerst berichtete, hatte ein Museumswärter den Touristen dabei beobachtet, wie er die "Madonna dell' Annunziata" berühren wollte und noch versucht, ihn zu stoppen - er kam aber zu spät. Der kleine Finger der rechten Hand der Jungfrau war bereits gebrochen und musste von Restauratoren entfernt werden, damit er nicht auf den Boden fällt.

Der Tourist, nach Angaben des "Corriere Fiorentino" ein 55-Jähriger aus Missouri, habe zunächst versucht, den Vorfall zu ignorieren und abzuhauen, wurde dann aber von Mitarbeitern des Museums aufgehalten. Er gab die Tat zu, beteuerte, es sei ein Versehen gewesen, und entschuldigte sich. Der Zeitung zufolge vermuten die Museumswärter, der Mann habe die Länge seiner Finger mit denen der Skulptur vergleichen oder ihr gar High-Five geben wollen.

Mit seiner Missetat hat der Tourist, der für den Schaden wahrscheinlich wird einstehen müssen, den Groll des Museumsdirektors auf sich gezogen. Timothy Verdon, ein Kunsthistoriker, katholischer Priester und obendrein Landsmann des Täters, sagte zu "Firenze Today": " In einer globalisierten Welt wie der unseren scheint man eine der grundlegenden Regeln für den Besuch von Museen vergessen zu haben: nämlich dass man die Werke nicht anfassen darf."

Doch der Direktor des Dommuseums fand auch beruhigendere Worte: Der Schaden ist offenbar nicht ganz so dramatisch, weil der beschädigte Finger nicht mehr das Original sei. Der Körperteil sei, so Verdon, im Laufe der Jahre nachgebildet worden.

feb



insgesamt 29 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
winkdon 06.08.2013
1. ...
Zitat von sysopDPAWollte er die Fingerlängen vergleichen? Oder sich gar mit der Statue abklatschen? Ein Museumswärter versuchte den US-Touristen noch zu stoppen - doch zu spät: Der kleine Finger der Madonna aus dem 14. Jahrhundert ist ab. Der Museumsleiter beklagt nun allgemeinen Sittenverfall. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/amerikanischer-tourist-bricht-statue-in-florenz-finger-ab-a-915099.html
Je bekannter die Objekte um so geringer der Respekt, so scheint es mir. Wenn man in diesen Tagen das Louvre besucht traut man seinen Augen nicht, was sich einige Besucher da an Frechheiten heraus nehmen. Egal, in welchen Sprachen und mit welchen Symbolen man "Berühren verboten!" signalisiert, die Leute grabschen an den Kunstgegenständen herum als seien sie auf einem Flohmarkt. Man muss die Dinge absperren. Alles andere ist für die Katz.
hansmaus 06.08.2013
2. optional
Tja was will man auch anderes erwarten? "Jetzt komm ich" "Ich darf das" usw. sind schon fest verankert in den westlichen Gesellschaften. Respekt ehre und Benimm sind Worte die maximal noch in irgendwelchen Hip Hop Liedern vorkommen aber keine weitere Bedeutung mehr haben
ex rostocker 06.08.2013
3. In den Büchereien noch schlimmer !
Was sich an fehlendem Respekt in den Museen ausbreitet, gilt noch mehr für öffentliche Büchereien: Früher hat man sich Notizen gemacht, heute kann man für wenig Geld den Kopierer benutzen. Trotzdem werden massenhaft Seiten aus dem Buch gerissen, weil man Stoff für eine Hausarbeit braucht. Kaum ein Buch ist noch unbeschädigt. Und wer erwischt wird, kommt meistens ohne Strafe davon. Dabei sind solche Taten schlimmer als Diebstahl, denn sie nehmen anderen Menschen die Grundlage zum Wissenserwerb.
Atheist_Crusader 06.08.2013
4.
Eigentlich sollten Länder Pflichtkurse für Auslandsreisende veranstalten, damit sie nicht wirklich jedes miese Klischee über ihr Land in der Welt verbreiten. Hier passt es wieder wie die Faust auf's Auge. "Ich darf das, ich kann das... upps, kaputt!". In Florenz genauso wie im Nahen Osten.
tom.le 06.08.2013
5. Nachteil der Offenheit
Wie überall an besonderen Orten: Wo die Masse hinkommt, geht die Bewunderung verloren.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.