Andy-Warhol-Plattenhüllen Das Cover ist der Star

Bei den ersten Scheiben half noch Warhols Mutter mit, später entstanden Cover der berühmtesten Alben: Andy Warhol gestaltete zeitlebens auch Plattenhüllen. Eine Privatsammlung zeigt sie nun erstmals vollständig.

Andy Warhol Foundation for the Visual Arts/ MAKK/ ARS/ Foto: RBA Köln, Marion Mennicken

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Für Andy Warhol gehörte sowieso alles zusammen: Musik und Mode, Fotografie und Film, Malerei und Gestaltung, Kunst und Kommerz und Lifestyle. Der Pop-Art-Pionier ließ diese Grenzen verschwimmen und nannte das seine "Pop Idea", seine Ateliers waren zugleich Filmstudios und Partylocations und bildeten das Herz der Kreativszene New Yorks. Logisch, dass er sich zeit seines Lebens auch der Gestaltung von Plattencovern widmete.

Vinyl war damals eine boomende Industrie: Andy Warhol war bereits als Ausnahme-Grafiker für die Mode- und Werbeindustrie bekannt, als 1948 von Columbia Records die Langspielplatte eingeführt wurde. Wer es sich leisten konnte, engagierte das gerade einmal zwanzigjährige Talent für die Gestaltung von Jazz- und Klassikplatten oder Literaturserien. Schon damals hatte er eine typische Bildsprache mit aussagestarken Symbolen in einer Paustechnik, die er "blotted line" nannte.

Schallplattenhüllen aus 40 Jahren Musikgeschichte sind vom König der Pop-Art designt worden. Berühmtestes Werk: die Nummer-1-Scheibe "Sticky Fingers" der Rolling Stones, 1971 als erstes Album auf dem eigenen Label der Band veröffentlicht. 15.000 Pfund soll Warhol für die Gestaltung erhalten haben, und dafür lieferte er einen kleinen Skandal: die Nahaufnahme der Lendengegend des Schauspielers Joe Dallesandro, unter dessen hautenger Jeans sich die Geschlechtsteile deutlich abzeichneten. Der Reißverschluss der Hose war aus Metall gearbeitet, ließ sich aufziehen und legte eine weiße Unterhose frei.

So viele Genres

Der Kunstsammler Ulrich Reininghaus besitzt neben "Sticky Fingers" auch nahezu alle anderen Cover und Entwürfe Warhols, nun zeigt er sie erstmals der Öffentlichkeit im Kölner Museum für Angewandte Kunst.

"Es sind so viele Genres dabei, von Klassik über Jazz, Pop, Rock und Soul, und das während seiner gesamten künstlerischen Laufbahn bis zu seinem Tod 1987", sagt Reininghaus. In einigen Fällen sei es für ihn mit dem einmaligen Erwerb eines Albums nicht genug gewesen, denn Warhol prägte in den Sechzigerjahren die Idee der seriellen Komposition und übertrug diese auch auf das Medium Cover: "Es gibt eine Menge von Varianten. Auflagen sind in verschiedenen Farben erschienen oder zeigen unterschiedliche Beschriftungen. Das berühmte Cover 'The Velvet Underground & Nico' gibt es zum Beispiel mit oder ohne geschälte Banane", erklärt Reininghaus.

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Ausstellung in Köln: Andy Warhol auf Platte

Neben "Sticky Fingers" ist "The Velvet Underground & Nico" eines der Cover-Schlüsselwerke Warhols, das ebenfalls Musikgeschichte schrieb: Das Debütalbum der New Yorker Band mit der deutschen Sängerin erschien 1967 und war von Warhol produziert, auf dem Cover prangte der legendäre Bananen-Sticker und darunter die Aufforderung "Peel slowly and see". Die Hülle war das innovativste, was die Musikindustrie bisher gesehen hatte.

Warhol übersetzte 40 Jahre lang Musik in Zeichnungen, Siebdrucke, Fotografien und Collagen. Für die Gestaltung einzelner früher Plattencover nutzte er die dekorative Handschrift seiner Mutter Julia Warhola, etwa für das experimentelle Album "The Story of Moondog", dessen Cover mit Schrift überzogen ist. Auch viele Signaturen ließ er von seiner Mutter zeichnen. Später, als Warhol mit seinen seriellen Siebdrucken von ikonographischen Porträts und Gegenständen die Grenzen zwischen angewandter und freier Kunst verwischte, wurden auch die Plattencover zur Pop-Art - Porträts von Lisa Minelli, Diana Ross, Aretha Franklin oder John Lennon sind dabei.

Es gibt sogar ein einziges Cover, dass Warhol eigenhändig im Siebdruckverfahren herstellte, alle anderen wurden industriell als Offset-Lithografien gedruckt - die Hülle für "Giant Size $ 1.57 Each", einer Platte, die Interviews mit den wichtigsten Künstlern der Pop-Art-Bewegung enthält. Eine limitierte Auflage davon signierte er. Das ganz warholmäßige Motiv: eine simple Supermarkt-Billigpreiswerbung.


Ausstellung: Andy Warhol. Pop goes Art. Museum für Angewandte Kunst Köln, 1. September 2018 bis 24. März 2019

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insgesamt 4 Beiträge
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Papazaca 31.08.2018
1. Zwei Cover sind genial ......
Aber auch Warhol konnte nicht Meisterwerke am laufenden Band produzieren. Für mich sind das Sticky Finger Cover und die Banane für Velvet Underground wahre Ikonen der Covergestaltung. Die anderen hier vorgestellten Motive verblassen dagegen. Aber so oft: Alles subjektiv!
freddykruger 31.08.2018
2. Langweilig
Nichts und niemand kann gegen Roger Dean anstinken. Am ehesten noch HR Giger (Celtic Frost Cover u.v.a.). Warhol war als Cover Designer eine Null. Ausnahme (siehe post 1) die Banane und Sticky Fingers und die haben Kultcharakter.
Aberlour A ' Bunadh 01.09.2018
3. Warhol - langweilig
Sehe ich auch so. Langweilig. Sticky Fingers war genial, ansonsten wenig Inspiration. Wenn schon, hätte man noch das Cover von Love You Live der Stones als bestes der bekanten "Portrait-Cover" anfügen können. Ansonsten kein Vergleich zu meinem Lieblingscoverartworkern aus der ehemaligen Londoner Hipgnosis-Agentur. Genial. Wer auf Fantasy-Cover steht, sollte auch mal Rodney Matthews konsultieren (Eloy, Magnum, Nazareth etc.). Immer wieder unterhaltsam - zumindest nicht langweilig - noch eine genau gegensätzliche Kategorie: "The worst Album Cover". Meine drei Favoriten: 3. Platz: The Handsome Beasts - "Beastiality". 2. Platz: Black Sabbath - "Sabotage" (mit Bill Ward in Strumpfhose!). Und natürlich die ungeschlagene Nr. 1 für alle Ewigkeit: Millie Jackson: "Back to the s - - it!" Jetzt mal unabhängig der Album-Cover allseits beliebter Schlagerstars. Die sind alle schrecklich.
freddykruger 01.09.2018
4. @Aberlour A ' Bunadh
Die Magnum Cover sind wirklich fast alle sehr gut, so wie auch der musikalische Inhalt. Eine Außnahme ist für mich allerdings Wings Of Heaven. Das beste Magnum Album mit dem schlechtesten Cover. U2' s Joshua Tree läßt grüßen. Bei den Stones und Love You Live kann man sich wohl einigen. Großartig das Portrait. Man könnte jetzt noch Don Van Vliet u.v.a. nennen, aber das würde den Rahmen sprengen. Das mit Abstand häßlichste Cover stellt aber wohl Manowar's Fighting The World dar. Vermutlich designt von einen 10 jährigen.
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