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09. Februar 2013, 13:24 Uhr

Angebliche Bush-Gemälde

Reinigung von allen Sünden

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George W. Bush nackt unter der Dusche - gemalt von ihm selbst? Noch ist nicht sicher, ob die von einem Hacker veröffentlichten Gemälde wirklich vom 43. Präsidenten stammen. In den USA hat trotzdem das große Spekulieren der Medien eingesetzt: Welche verdrängten Komplexe arbeitet der Mann auf?

Was ist schon das Auftauchen eines zum berühmtesten Unterleib der Kunstgeschichte passenden Frauenkopfs gegen diese Meldung: Ein Hacker hat offenbar E-Mail-Konten der Familie der ehemaligen US-Präsidenten George H.W. Bush und George W. Bush geknackt. Gefunden hat er dort, wie die Webseite The Smoking Gun behauptet, auch die Foto-Dateien zweier Gemälde, die George W. Bush selbst angefertigt haben soll.

Die Bilder wirken wie der Teil einer Serie: Zeigt das eine einen Bush stark ähnelnden Mann unter der Dusche, der in den Rasierspiegel blickt, so ist auf dem anderen ein Paar vermutlich zu einem Mann gehörender Beine in der Badewanne zu sehen. Verbindendes Motiv beider Gemälde ist - neben der Szenerie des Badezimmers - das aus dem Hahn strömende Wasser.

Besonders dieses Detail ist es, das US-amerikanische Journalisten und Kunstkritiker über den tieferen Sinn der vordergründig schlichten Gemälde spekulieren lässt: "Vielleicht versucht er sich in einem metaphorischen Sinn zu reinigen, auf der Suche nach Erlösung von den Entscheidungen seiner Präsidentschaft", schreibt Roberta Smith auf der Webseite der "New York Times" über Bush. Man müsse wohl einen Freudianer fragen, was das Wasser zu bedeuten habe, meint Jerry Saltz auf der Kultur-Webseite vulture.com: eine Art private Taufe des wiedergeborenen Christen Bushs, ein Reinigungsritual oder doch kindlichen Übermut?

Größte Katastrophe der Amtszeit

Dan Amira vom "New York Magazine" behauptet gar: "Bush starrt in die Ecke der Duschkabine, als ob er über vergangene Sünden nachdenken würde, die niemals abgewaschen werden können. Egal, wie viel Seife man nimmt und wie kräftig man schrubbt."

Auch "New Republic" versucht sich an einer tiefenpsychologischen Analyse der angeblichen Werke Bushs. Dort kommt Michael Schaffer zu einem erstaunlich konkreten Ergebnis. Das Bild unter der Dusche verweise auf Bushs verdrängte Schuldgefühle für eine der größten Katastrophen seiner Amtszeit - den Hurrikan "Katrina".

Wie lässt sich diese Einschätzung noch steigern? Auf den angesichts einer Duschszene nahe liegenden Vergleich mit Hitchcocks "Psycho" ist bislang anscheinend kein Kunstkritiker gekommen. Aber es gibt ja noch die Weltgeschichte.

In einer von der "Huffington Post" veranstalteten Umfrage unter US-amerikanischen Kunstexperten vergleicht der in San Francisco ansässige Galerist Jack Fischer die Bush zugeschriebenen Kunstwerke mit denen Adolf Hitlers. Und relativiert - als ob er von den Schwierigkeiten gehört hätte, in die einst Hertha Däubler-Gmelin durch einen ihr nachgesagten Vergleich des 43. US-Präsidenten mit einem gewissen Adolf Nazi kam - sogleich: Er vergleiche die beiden lediglich als Künstler, nicht als historische Figuren. Als Maler allerdings schneiden bei ihm beide gleich schlecht ab.

Nahe liegender ist neben dem Verweis auf die berühmten Pool-Bilder des Pop-Art-Künstlers David Hockney wohl der auf Frida Kahlo. Ihr Gemälde "What The Water Gave Her" ähnelt erstaunlich der Perspektive, die das Bush zugeschriebene Badewannenbild einnimmt.

Alle Fragen zu seinen angeblichen Werken allerdings kann nur der Ex-Präsident persönlich beantworten. Eines steht fest: Er malt tatsächlich. Wie das "Time Magazine" meldete, veröffentlichte er Anfang Februar ein Gemälde seines verstorbenen Hundes Barney.

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