Reaktionen auf den Tod von US-Koch Bourdain "Tief, zutiefst menschlich"

Der Tod von Koch und Moderator Anthony Bourdain löst weltweit Bestürzung aus. In emotionalen Statements teilten Freunde ihre Trauer im Netz, darunter etliche Prominente. Auch Barack Obama meldete sich zu Wort.

Anthony Bourdain
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Anthony Bourdain


Der prominente US-Koch und Moderator Anthony Bourdain, der mit Reportagen über die Küche aus Ländern weltweit Millionen erreichte, ist tot. Er habe sich während Dreharbeiten in Frankreich im Alter von 61 Jahren das Leben genommen, berichtete der TV-Sender CNN. Bourdain sei in einem Luxushotel im elsässischen Ort Kaysersberg gestorben, bestätigte die Staatsanwaltschaft von Colmar. Es gebe bislang keine Hinweise auf ein Eingreifen Dritter.

"Seine Liebe zu großen Abenteuern, neuen Freunden, gutem Essen und Trinken und den bemerkenswerten Geschichten der Welt machten ihn zu einem einzigartigen Geschichtenerzähler", fasste der Sender sein Wirken zusammen.

Der aus New York stammende Bourdain wuchs im benachbarten New Jersey auf und absolvierte das renommierte Culinary Institute of America. Er arbeitete als Koch in New Yorker Restaurants und wurde Chefkoch in der inzwischen geschlossenen Brasserie Les Halles. In den Achtzigerjahren hatte er mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen.

Sein Wechsel in die Welt der Restaurantkritiker kam durch einen Artikel im "New Yorker", den er dem Magazin auf eigene Initiative geschickt hatte. Der Beitrag legte Details über die Arbeitsweise von Restaurants und deren Küchen offen.

Obama: "Wir werden ihn vermissen"

Im Internet überschlugen sich die Reaktionen auf Bourdains Tod. So twitterte etwa der ehemalige US-Präsident Barack Obama eine sehr persönliche Nachricht: "Niedrige Plastikhocker, billige, aber leckere Nudeln, kaltes Hanoi-Bier. So werde ich mich an Tony erinnern. Er brachte uns viel über Essen bei - aber noch wichtiger, über seine Fähigkeit, uns zusammenzubringen. Uns ein wenig die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen. Wir werden ihn vermissen."

CNN-Kollegin und Internationale Chefkorrespondentin Christiane Amanpour: "Mein Herz bricht für Tony Bourdain. Möge er jetzt in Frieden ruhen. Er war ein Freund, ein Mitarbeiter und Familie. Eine riesige Persönlichkeit, ein riesiges Talent, eine einzigartige Stimme und tief, zutiefst menschlich. Mein Mitgefühl geht an seine Tochter und Familie, und seine langjährigen Partner und Freunde in ZPZ."

Auch Fernsehkoch Jamie Oliver war schockiert und würdigte Bourdains Werk: "Er brach wirklich die Form, schob das kulinarische Gespräch voran".

"Desperate Housewives"-Schauspielerin Eva Longoria Baston zeigte sich untröstlich über Anthony Bourdains Tod: "Er war so ein großartiges Beispiel für Klasse, Intelligenz und Mitgefühl. Möge er in Frieden ruhen."

Supermodel Naomi Campbell erinnerte an ein Zitat von Bourdain: "Ohne zu experimentieren, die Bereitschaft, Fragen zu stellen und neue Dinge auszuprobieren, werden wir sicherlich statisch, repetitiv und sterben."

Ein großes Publikum erreichte Bourdain mit seinen Memoiren "Geständnisse eines Küchenchefs: Was Sie über Restaurants nie wissen wollten". Von dort begann er seine TV-Karriere mit der Show "A Cook's Tour" beim Food Network. In der Sendung "No Reservations" stellte er beim Reisesender Travel Channel unbekannte Restaurants und für Amerikaner ungewöhnliche Essens-Trends vor. Dann wechselte er zum Sender CNN, für den er seit 2013 in mittlerweile elf Staffeln weniger bekannte Orte der Welt und deren Restaurants besuchte.

"Wir stellen sehr einfache Fragen", beschrieb er seinen Ansatz in der Sendung einmal. "Was macht dich glücklich? Was isst du? Was kochst du gern?" Meist bekämen er und sein Team dabei erstaunliche Antworten. Besonders bekannt wurde Bourdains Show durch eine Folge, in der er mit dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama in Hanoi in Vietnam in einem einfachen Restaurant isst. Seine Dokumentationen waren in Deutschland unter anderem bei Kabel Eins Doku zu sehen.

Parallel machte sich Bourdain weiter als Autor einen Namen. In seinen Büchern befasste er sich mit den weltweit berühmtesten Köchen, versuchte sich in "The Bobby Gold Stories" aber auch an einem Restaurant-Krimi. Das Smithsonian-Institut bezeichnete ihn einmal als "echten Rockstar" der Gastronomieszene und als "Elvis unter den Bad-Boy-Köchen". Bourdain hinterlässt eine Ex-Frau und eine gemeinsame Tochter.

lie/dpa

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