Anwalt der Prominenten Wie wichtig ist Ihnen die Wahrheit, Herr Prinz?

Der Rächer der Begehrten: Matthias Prinz ist der gefragteste Medienanwalt der Prominenz. Im Interview spricht der Jurist über Frust mit der Regenbogenpresse - und erklärt, warum er seine Arbeit als Qualitätskontrolle für Journalisten begreift.


Frage: Herr Prinz, Sie haben einmal gesagt: "Wenn bei Recherchen eine wahre Geschichte herauskommt, die einen Wert hat, gehe ich nicht dagegen vor." Nehmen wir an, ein Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft ist schwul, wir wissen, dass Homosexualität im Fußball immer noch ein Tabu ist. Nun wollen eingeweihte Journalisten nicht mehr dichthalten und veröffentlichen erste Hinweise. Würden Sie den Spieler vertreten, wenn er Sie darum bäte?

Prinz: Ja, das würde ich tun. Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten von Persönlichkeitsrechtsverletzungen, gegen die ich vorgehe. Einerseits Beiträge, die unwahr sind. Andererseits Beiträge, die wahr sind, aber die Intim- oder Privatsphäre verletzen wie bei diesem Fußballspieler. Mit ihm würde ich vor den ersten juristischen Schritten allerdings intensiv die Frage diskutieren, ob er gegen die Veröffentlichungen wirklich vorgehen will. Denn klar ist: Durch ein Gerichtsverfahren wird die Sache erst richtig publik.

Frage: Wie wichtig ist Ihnen die Wahrheit?

Prinz: Sehr wichtig. Wir verbringen sehr viel Zeit mit Prozessen, bei denen es um wahrheitsgemäße Berichterstattung, richtige Recherche und journalistische Sorgfaltspflicht geht.

Frage: Bei der Vielzahl Ihrer Klagen drängt sich der Eindruck auf, dass es Ihnen weniger um die Wahrheit geht und mehr um das Recht, zu bestimmen, ob und wie Medien überhaupt Nachrichten verbreiten - um die "Hoheit über Klatschgeschichten", wie die "Welt" einmal schrieb.

Prinz: Klatschgeschichten sind mir per se völlig gleichgültig und die Hoheit über Klatschgeschichten erst recht. Es gibt, wie gesagt, lediglich zwei Gründe, aktiv zu werden: wenn Medien unwahre Geschichten verbreiten oder Menschen verletzen, indem sie intime Details aus deren Leben ans Licht der Öffentlichkeit zerren. Der erste Fall ist eindeutiger als der zweite. Das Bundesverfassungsgericht hat klargestellt, dass unwahre Berichterstattung nicht unter die grundgesetzlich geschützte Pressefreiheit fällt. Medien haben nicht das Recht zu lügen, und wenn sie es tun, ist es sinnvoll, dagegen vorzugehen. Im zweiten Fall von wahren, aber die Privatsphäre beziehungsweise Intimsphäre verletzenden Berichten, wie etwa im Falle des homosexuellen Fußballspielers, geht es darum, abzuwägen, ob es ein überwiegendes Informationsinteresse der Bevölkerung an dieser Berichterstattung gibt. Nur wenn dies nicht der Fall ist, also das Interesse des Einzelnen, geschützt zu bleiben, überwiegt, kann man juristisch tätig werden.

Frage: Das tun Sie mit erstaunlichem Eifer. So machten Sie innerhalb eines Jahres mehr als 1500 Ansprüche des schwedischen Königshauses gegen den Klambt-Verlag mit Blättern wie "Woche der Frau" und "Frau mit Herz" geltend.

Prinz: Haben Sie das gezählt? Ich nicht, und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es 1500 Fälle waren. Aber einige hundert unwahre Geschichten hat dieser Verlag schon veröffentlicht. Alle frei erfunden. Der Verlag hatte also eine Möglichkeit entdeckt, viel Geld zu verdienen ohne Recherche und ohne die übliche journalistische Arbeit. Dann hat das schwedische Königshaus uns beauftragt, gegen alle erfundenen Geschichten vorzugehen.

Frage: Sie haben Prominente wie den Fürsten von Monaco, den König von Schweden, den Sultan von Brunei, Karl Lagerfeld, Claudia Schiffer und den Aga Khan vertreten. Was sind Ihre Kriterien, ein Mandat anzunehmen? Die zu erwartende Publicity?

Prinz: Im Regelfall können wir gar keine neuen Mandate annehmen, weil wir keine freie Kapazität haben. Die meisten unserer Mandanten beraten wir seit vielen Jahren, teilweise seit Jahrzehnten. Mehr als 70 Prozent der neuen Anfragen lehnen wir ab. Prominenz ist dabei kein Kriterium, ich würde auch Sie vertreten, wenn mich Ihr Fall interessiert.

Frage: Wir kommen auf Ihr Angebot gegebenenfalls gern zurück. Die "Süddeutsche Zeitung" nennt Sie den "Rächer der Begehrten", die "Zeit" einen "Robin Hood der Reichen". Schränken Sie in diesen Rollen nicht die Freiheit der Presse ein?

Prinz: Ganz im Gegenteil. Viele Chefredakteure begreifen unsere Arbeit als Qualitätskontrolle. Wir kommen nur dann zum Zug, wenn in ihrer Redaktion ein Fehler gemacht worden ist. Wenn dort stets gründlich und fehlerfrei gearbeitet würde, könnten wir keine Prozesse führen. Es ist schlicht so: Gute journalistische Arbeit hält jeder gerichtlichen Auseinandersetzung stand.



insgesamt 4 Beiträge
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HenkMann 06.03.2009
1. Ein Dorn im Auge
Anwälte wie Herr Prinz mögen vielen Journalisten ein Dorn im Auge sein. Doch bei guter, seriöser und ethischer Arbeit der Medien wären sie arbeitslos. Wenn man sich schon die platten Zwischenüberschriften im Artikel ansieht, dann wird sofort offensichtlich, dass die deutsche Presselandschaft solche Leute dringend braucht. Das der Mann dabei mit den plumpen Fehlern anderer gut Geld verdient, kann man ihm ja nun kaum vorwerfen. Und: Selten liest man Spiegel Interviews in dem der Gesprächspartner den fragenden Redakteuren intellektuell so überlegen ist. Also entweder haben die Spiegel-Leute bewusst Fragen gestellt, die Herrn Prinz solch belehrend-aufklärende Antworten erst ermöglichen sollten (um quasi den Spiegel-Bildungsauftrag zu ermöglichen) oder die beiden Interviewenden haben tatsächlich gedacht, einen Profi wie Herrn Prinz kann man mit flachen, provozierenden Fragen wie diesen irgendwie aus der Raison bringen. Im ersteren Fall applaudiere ich den Beiden zu so viel subversiver Einflussnahme auf den Leser, im letzteren Fall würde es erst Recht den Größenwahn vieler deutscher Journalisten entlarven :-)
turo 06.03.2009
2. Anwalt der Betroffenen gegen eine zügelosen Pressefreiheit
Zitat von sysopDer Rächer der Begehrten: Matthias Prinz ist der gefragteste Medienanwalt der Prominenz. In Interview spricht der Jurist über Frust mit der Regenbogenpresse - und erklärt, warum er seine Arbeit als Qualitätskontrolle für Journalisten begreift. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,611494,00.html
Ich fand dieses Interview sehr sehr aufschlußreich und insbesondere die Antworten des Herrn Prinz sehr überzeugend. Wenn sich Personen mit seiner oder anderen Anwälten Hilfe gegen die überborderdne Presseberichterstattung nicht gewehrt hätte, gäbe es in der Meinungsfreiheit keine Richtlinien. Auch bei einem Grundgesetz, das Pressefreiheit gewährleistet sind Grundregeln einzuhalten. Die Grundlagen dafür liefern die Vorträge (Klageschriften der Anwälte) und die Entscheidungen der Gerichte. Mit Sicherheit werde ich mich noch anderer Stelle zu Wort melden. Ich stelle jedoch zur Diskussion, das eine saubere journalistische Rechersche Grundlage aller Berichterstattungen sein sollten. Wer dagegen verstößt muß mit rechtlichen Konsequenzen ( auch mit strafrechtlichen) rechnen. Aus meiner Sicht hat sich heute zu sehr der Usus eineschlichen ( Spiegel: wie de Bild v... berichtete; Stern: wie die SZ v.. berichtete). Nein die Medien dürfen nicht nur Meldungen übernehmen, die sich dann als falsch dar-.stellen, sondern MÜSSEN eigene Recherschen anstellen und sie dukomentieren
Hubert Rudnick, 06.03.2009
3. Boulevardanwalt
Zitat von sysopDer Rächer der Begehrten: Matthias Prinz ist der gefragteste Medienanwalt der Prominenz. In Interview spricht der Jurist über Frust mit der Regenbogenpresse - und erklärt, warum er seine Arbeit als Qualitätskontrolle für Journalisten begreift. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,611494,00.html
----------------------------------------------------------- Für mich ist der Herr Prinz einfach nur ein Boulevardanwalt, der in dieser von viel Geld, Macht und Streitigkeiten bestehenden Gesellschaft auch schönes Geld verdienen kann. Hubert Rudnick
Pablo alto, 06.03.2009
4. Immer öfter
Zitat von HenkMannAnwälte wie Herr Prinz mögen vielen Journalisten ein Dorn im Auge sein. Doch bei guter, seriöser und ethischer Arbeit der Medien wären sie arbeitslos. Wenn man sich schon die platten Zwischenüberschriften im Artikel ansieht, dann wird sofort offensichtlich, dass die deutsche Presselandschaft solche Leute dringend braucht. Das der Mann dabei mit den plumpen Fehlern anderer gut Geld verdient, kann man ihm ja nun kaum vorwerfen. Und: Selten liest man Spiegel Interviews in dem der Gesprächspartner den fragenden Redakteuren intellektuell so überlegen ist. Also entweder haben die Spiegel-Leute bewusst Fragen gestellt, die Herrn Prinz solch belehrend-aufklärende Antworten erst ermöglichen sollten (um quasi den Spiegel-Bildungsauftrag zu ermöglichen) oder die beiden Interviewenden haben tatsächlich gedacht, einen Profi wie Herrn Prinz kann man mit flachen, provozierenden Fragen wie diesen irgendwie aus der Raison bringen. Im ersteren Fall applaudiere ich den Beiden zu so viel subversiver Einflussnahme auf den Leser, im letzteren Fall würde es erst Recht den Größenwahn vieler deutscher Journalisten entlarven :-)
Leider ist das gar nicht mehr so selten. Es wird allmählich zur Regel. Ein Medienprofi wie Prinz macht sowas mit Links - und er könnte auch noch locker nebenbei einen ordentlichen Schriftsatz diktieren. Das perlt einfach ab. Da hätte man sich doch ein paar ausgebufftere oder wenigstens besser vorbereitete Journalisten gewünscht ...
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