Anzeigenkrise Süddeutscher Verlag streicht noch mehr Stellen

Auch vor Deutschlands journalistischen Schwergewichten macht die Medienkrise nicht Halt: Zum zweiten Mal im laufenden Jahr könnten bei der "Süddeutschen Zeitung" Arbeitsplätze wegfallen. Dem Verlag drohen Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.


München - Bei der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) und dem Süddeutschen Verlag (SV) steht offenbar ein weiterer Stellenabbau bevor. Die "SZ" berichtete am Mittwoch von den auf einer Betriebsversammlung am Vortag verkündeten Sparmaßnahmen, darunter neben betriebsbedingten Kündigungen weitere Einsparungen bei den Sachkosten. Von derzeit rund 600 Verlagsmitarbeitern sollen demnach 30 gehen.

Begründet wird der Entschluss mit Umsatzeinbrüchen aufgrund der Anzeigenkrise. Erstmals in seiner mehr als 60-jährigen Geschichte schreibt der Verlag rote Zahlen. Die Details sollen dem Bericht zufolge in den nächsten Wochen verhandelt werden, dabei werde nach "sozialverträglichen Lösungen" gesucht, wie Verlagsgeschäftsführer Detlef Haaks sagte.

Auch für die Redaktion der "SZ" hat Haaks Kürzungen und betriebsbedingte Kündigungen angekündigt, jedoch keine Einzelheiten genannt. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete allerdings am Mittwoch, dass in der "SZ"-Redaktion 30 von derzeit 400 Arbeitsplätzen wegfallen sollen.

Laut "SZ"-Bericht sei es das erklärte Ziel des Verlags, eine Beschädigung der lokalen und überregionalen Spitzenstellung der "SZ" zu verhindern. "Wir erwarten, dass die Verlagsspitze zur Wahrung der journalistischen Qualität auf Gewinne verzichtet", sagte Konzernbetriebsrat Harald Pürzel. Die Redakteure der "SZ" wollten zunächst ein eigenes Sparkonzept ausarbeiten, um einen Arbeitsplatzabbau zu vermeiden. Zudem könnten die nach Ansicht des Managements überzähligen Stellen nach und nach über die nächsten Jahre abgebaut werden, etwa indem Mitarbeiter in Rente gingen. Es müsse nicht auf Kündigungen hinauslaufen.

Es sind nicht die ersten krisenbedingten Streichungen beim traditionsreichen Süddeutschen Verlag: Nachdem das Medienhaus im März 2008 von seinem Minderheitsgesellschafter, der Südwestdeutschen Medien Holding (SWMH), mehrheitlich übernommen worden war, verließen rund 70 Angestellte im Frühjahr gegen eine Abfindung das Unternehmen, etwa ein Drittel davon aus der Redaktion. Insgesamt fielen 90 Stellen weg. Pürzel zufolge rechnet der Verlag in diesem Jahr mit einem Minus von acht bis zehn Millionen Euro.

Auflage verliert weiter an Bedeutung

Die Schwierigkeiten in München zeigen, wie unwichtig derzeit die Auflagenzahlen für den wirtschaftlichen Erfolg sind, selbst für Qualitätsmedien wie die "Süddeutsche Zeitung". Zwar ist die verkaufte Auflage trotz eines Einschnitts im abgelaufenen Quartal (von rund 442.000 auf 430.000) im Verlauf der Krise weitgehend stabil geblieben. Doch die Anzeigenbuchungen sind so stark zurückgegangen, dass die Zeitung in diesem Jahr wohl erstmals mehr durch den Vertrieb als mit Werbeumsätzen erwirtschaftet.

Weitere Ursache für die prekäre wirtschaftliche Lage sollen früheren Berichten von "Berliner Zeitung" und "Frankfurter Rundschau" zufolge die hohen Mietkosten des Redaktionsgebäudes sein. Anfang des Jahres hatte die "Süddeutsche Zeitung" einen Neubau am Stadtrand von München bezogen, der jedoch vor der Übernahme durch die SWMH verkauft worden war.

can/ddp/Reuters

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