Apple im Museum Keine Angst, der will nur speichern!

Design als Wirtschaftsfaktor: Die facettenreiche Ausstellung "Stylectrical" im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe stellt die Produkte des Apple-Chefdesigners Jonathan Ive in den Mittelpunkt. Zu sehen sind seine Vorbilder - und seine Nachahmer.


"Stylectrical" heißt die weltweit erste Gesamtschau der Produkte des Unternehmens Apple, und diese Schau sollten nicht nur iPhone-Fans besuchen, sie ist auch interessant für jeden Designer, Werber und PR-Menschen. Denn der unglaubliche wirtschaftliche Erfolg des kalifornischen Unternehmens beruht eher nicht auf technischer Kompetenz und der Entwicklung neuer elektronischer Produkte, sondern auf der Gestaltung der Geräte - zumindest galt diese Regel, bis Apple mit dem iPhone auf dem Markt kam.

Die verdankt das Unternehmen seinem Chefdesigner, dem Briten Jonathan Ive, der seit 1997 für alle Produkte zuständig ist und früh von Apple-Gründer Steve Jobs zum Senior Vice President of Industrial Design ernannt wurde. Seitdem war nahezu jedes neue Produkt ein Erfolg und hat die Geräte der Mitbewerber in den Schatten gestellt.

In 15 Stationen thematisiert die Schau die gestalterischen Entwicklungen bei Apple, gegliedert in Themen wie Farben, Material, Nachhaltigkeit, Vorbilder, Kopien. Am Eingang stehen die ersten iMacs, die Ive 1998 entworfen hat. Minimalistisch und flach wie heute war da gar nichts, der iMac war knubbelig und knallbunt, steckte in einer durchsichtigen Plastikhülle. Er war ein Verkaufserfolg, und so wurde Design bei Apple fortan als Wirtschaftsfaktor geschätzt.

Das auf den iMac folgende iBook war ebenfalls rund und bunt und hatte einen Henkel. Computer, das hatte Ive erkannt, waren nicht mehr nur Arbeitsgeräte für das Büro, sie waren zum Interieur-Gegenstand geworden, zum Lifestyleprodukt, zum Spaßgerät für zu Hause. Und dementsprechend entlehnte Ive Form, Farbe und Material aus dem Mode-, Möbel- und Autodesign der Zeit.

Genau das zeigt die Ausstellung: orange, lila und grüne Tupperwarendosen, einen knallblauen Mülleimer aus Plastik, Plateau-Schuhe, ein Miyake-Kleid, Alessi-Produkte und einen durchsichtigen Kunststoff-Stuhl. Auch eine Packung mit bunten Jelly Belly Beans ist ausgestellt, "weil das Designteam angeblich in einen Jelly-Belly-Laden ging, um sich die Farbgebung und Durchfärbung anzugucken", sagt Ina Grätz, die Kuratorin der Schau.

Angst vor der Technik

Seriöser ist die Lampe "Soon" von Tobias Grau, zu deren Entwurf und deren transluzentem Material Grätz den Designer interviewt hat; zu sehen ist das Gespräch in einem Video. Auch an anderen Stationen des Ausstellungsrundgangs sind Interviews zu sehen, beispielsweise mit den Design-Experten Benjamin und Guus Gugelot, dem Marketing-Mann Jesko Perrey, dem Architekten Hadi Teherani und dem Modemacher Paul Smith, einem alten Freund Jonathan Ives.

Ein wichtiges Thema in den neunziger Jahren sei mit dem Einzug der Computer in den privaten Bereich auch die Emotionalisierung der Geräte gewesen, sagt Grätz. Denn das erste Jahrzehnt der Digitalisierung und die Anfänge des Internets waren mit einer unbestimmten Angst vor der Technik verbunden - man denke nur an die Jahrtausendwende, als man glaubte, um Mitternacht würden "die Nullen" die Computer zerstören. Ive reagierte, legte bei den neuen Macs den Blick auf die Technik frei, und suggerierte, man wisse, was da drin sei. Eine Neuheit war das allerdings nicht, schon drei Jahre vorher gab es durchsichtige Gameboys und Tamagotchis zu kaufen.

Neben einem Ausflug in die Geschichte des Elektrodesigns mit Musikmöbeln, Radios, Plattenspielern von Herbert Hirche, Hans Gugelot und dem von Ive sehr verehrten Dieter Rams, wird auch eines der wenigen Produkte gezeigt, das Ive nicht für Apple entworfen hat: es ist ein Buch aus Styropor für seinen Freund, den Modedesigner Paul Smith.

Dann kommt der neue Design-Trend des Jahres 2000: Der Zeitgeist verlangte Reduktion, sowohl in den Farben als auch in den Formen. Silber, Weiß und Transparenz waren gefragt, Apple verbannte die Farbe und folgte dem Trend - bis heute.

Am Ende der Ausstellung werden Probleme angesprochen: die nicht offengelegten Produktionsbedingungen Apples in Asien, die undurchsichtige Verwendung giftiger Materialien und die umweltfeindliche Verschrottung der alten Geräte - das kratzt am Image.

Weniger dramatisch, aber auch nicht gut fürs Image ist die Missachtung des Designs durch einige Verbraucher: ein goldroter Schlangendruck auf einer Zubehör-Schutzhülle kann aus einem iPad ein ziemlich gewöhnliches Elektrogerät machen.


Ausstellung:
Stylectrical - Von Elektrodesign, das Geschichte schreibt. Hamburg. Museum für Kunst und Gewerbe. 26.8.2011-15.1.2012.

Katalog:
Sabine Schulze und Ina Grätz (Hg.): Apple Design. Verlag Hatje Cantz. 314 Seiten; 39,80 Euro.



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Seite 1
enforca, 23.08.2011
1. Neulich bei SPON:
"Apple ist voll toll - nicht vergesssen!"
cor 23.08.2011
2. Blabla
Zitat von enforca"Apple ist voll toll - nicht vergesssen!"
Dieser Hersteller hat nun mal eine steile Erfolgskurve in den letzten Jahren hingelegt und daher wird auch gerne über ihn berichtet, denn es interessiert viele. Diese Tatsache können Sie nun einfach anerkennen oder weiterhin billig Neidphrasen dreschen. Ich sehe, Sie haben letzteres gewählt. Mal abgesehen davon wird in der Kategorie "Netzwelt" genau so viel über Samsung, Google, Sony, etc. berichtet. Da beschwert sich allerdings niemand, dass das Werbung sein soll. Schon komisch, ne?
macfan 23.08.2011
3. In und out
Es sind halt viele Apple-Hasser im Forum. Besonders toll finde ich immer die Widersprüchlichkeit ihrer Argumentation. Einerseits kippen sie eimerweise Häme aus, andererseits behaupten sie, man würde Apple-Produkte kaufen, um als Angeber "in" zu sein. Das Gegenteil ist doch der Fall. Man muss sich ständig verteidigen, weil man angeblich überteuerte Snob-Produkte kauft. Dass es auch um Qualität geht, wird dabei nicht gesehen.
Hans bigfoot 23.08.2011
4. Keine Angst, der will nur speichern
Dies ist wieder einmal einer der schlecht recherchierten Spiegel-online Artikel. Apple hat von Anfang an auf Design gesetzt, da musste nicht erst Ive dazukommen: Die Ur Macs wurden von Hartmut Esslinger und seinem Frogdesign entworfen, welche unter vielem anderen auch das Design des Walkmans geprägt haben. Legendär und richtungsweised ist ebenfalls das GUI des klassischen Betriebssystem gewesen. Nichts gegen Jonathan Ive aber der Artikel ließt sich wie eine abgeschriebene Pressemeldung und eine weitere Apple-Lobhudelei.
sichreid, 23.08.2011
5. -
Zitat von macfanEs sind halt viele Apple-Hasser im Forum. Besonders toll finde ich immer die Widersprüchlichkeit ihrer Argumentation. Einerseits kippen sie eimerweise Häme aus, andererseits behaupten sie, man würde Apple-Produkte kaufen, um als Angeber "in" zu sein. Das Gegenteil ist doch der Fall. Man muss sich ständig verteidigen, weil man angeblich überteuerte Snob-Produkte kauft. Dass es auch um Qualität geht, wird dabei nicht gesehen.
Jetzt wird es gleich Antworten geben, daß das doch auch nur China-Schrott sei! Ist klar, alles aus einem Land ist gleich! Ein Mercedes S-Klasse ist auch nichts anderes als ein Opel-Corsa. Ist beides nur Deutschen-Schrott!
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