Architektur: Japanisches Duo gewinnt Baukunst-Preis

New York, Tokio, Essen: Für ihre Bauten rund um den Globus erhalten die Japanerin Kazuyo Sejima und ihr Kollege Ryue Nishizawa die weltweit höchste Auszeichnung für Architekten. Zu ihren bekanntesten Projekten zählt eine Hochschule in Deutschland.

Pritzker-Preis 2010: "Grazile und kraftvolle Entwürfe" Fotos
AP

Los Angeles - Das Architektenteam Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa gewinnen den Pritzker-Preis für Baukunst 2010. Die Japanerin Sejima und ihr Kollege Nishizawa, Gründer des Architektenbüros Sanaa in Tokio, erhalten den Preis am 17. Mai in New York. Dies teilte die Jury am Sonntag mit.

Zu ihren bekanntesten Projekten gehören das "New Museum of Contemporary Art" in New York, das "Christian Dior Building" in Tokio sowie das "21st Century Museum of Contemporary Art" im japanischen Kanazawa. Das für seine puristischen Projekte bekannte Team hat außerdem in Essen die "Zollverein School of Management and Design" entworfen.

Im nordfranzösischen Lens wird derzeit nach ihrem Design die Louvre-Dependance gebaut. Das rund 150 Millionen Euro teure Museum soll 2012 eröffnet werden. Es besteht aus fünf flachen Gebäuden und bildet eine fast 500 Meter lange Flucht.

Der mit 100.000 Dollar dotierte und seit 1979 verliehene Pritzker-Preis ist die weltweit höchste Auszeichnung für Architekten. Die Pritzker-Jury würdigte in einer Mitteilung die zugleich "grazilen und kraftvollen" und "klaren und fließenden" Entwürfe des Paares.

Erst zum dritten Mal gewinnt ein Team die Auszeichnung

Die Stiftung verwies auch darauf, dass erst zum dritten Mal in der Geschichte des seit 1979 vergebenen Preises ein Architekten-Duo ausgezeichnet wird. Die 54-jährige Sejima war außerdem im vorigen November als erste Frau zur Leiterin der Architekturbiennale von Venedig 2010 ernannt worden.

Der Architekturpreis wurde von dem Chicagoer Unternehmer Jay A. Pritzker und dessen Ehefrau Cindy gestiftet. Die Familie besitzt unter anderem die internationale Hyatt-Hotelkette.

Das Duo Sejima und Nishizawa gewann bereits unter anderem den Rolf-Schock-Preis 2005 sowie den Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste im Jahr 2007. Sejima und Nishizawa sind nach Kenzo Tange, Fumihiko Maki und Tadao Ando die vierten Pritzker-Preisträger aus Japan.

Zu den bisherigen Pritzker-Preisträgern gehören neben Frank Gehry auch der Italiener Renzo Piano, der Niederländer Rem Koolhaas und der deutsche Architekt Gottfried Böhm, der 1986 ausgezeichnet wurde. 2004 hatte mit der aus dem Irak stammenden britischen Architektin Zaha Hadid erstmals eine Frau den renommierten Preis erhalten. Im vergangenen Jahr wurde der Schweizer Architekt Peter Zumthor ausgezeichnet.

lgr/AP/dpa

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1. .
takeo_ischi 29.03.2010
Zitat von sysopNew York, Tokio, Essen: Für ihre Bauten rund um den Globus erhalten die Japanerin Kazuyo Sejima und ihr Kollege Ryue Nishizawa die weltweit höchste Auszeichnung für Architekten. Zu ihren bekanntesten Projekten zählt eine Universität in Deutschland. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,686087,00.html
Hatte die Freude die Beiden persönlich kennenzulernen. So erfolgreich, talentiert und doch zurückhaltend geerdet. Hochverdient. Gratulation.
2. (Ver-)Architektur
worldwatch, 29.03.2010
Zitat von sysopNew York, Tokio, Essen: Für ihre Bauten rund um den Globus erhalten die Japanerin Kazuyo Sejima und ihr Kollege Ryue Nishizawa die weltweit höchste Auszeichnung für Architekten. Zu ihren bekanntesten Projekten zählt eine Universität in Deutschland. http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,686087,00.html
[QUOTE=sysop;5261812]New York, Tokio, Essen: Für ihre Bauten rund um den Globus erhalten die Japanerin Kazuyo Sejima und ihr Kollege Ryue Nishizawa die weltweit höchste Auszeichnung für Architekten. Zu ihren bekanntesten Projekten zählt eine Universität in Deutschland. QUOTE] Die Selbstsichtweise so mancher Architekten-Parallelgesellschaften, insb. von sog. "Stararchitekten", scheinen sich m.E. stets weiter von den Ansichten so mancher Buerger und Stadtbewohner, die dazu nicht gefragt werden, ja selbst wohlwollender Zeitgenossen moderner Architektur, zu entfernen. Was zunehmend dabei herauskommt, sind, wie o.g. Preisverschiebung, (erneut) aestehetisch betrachtete Schandflecke, oekologische Desasterwuesten in Beton&Glas sowie nicht nachhaltige, nicht einfuegbare Fremdkoerpererektilereien. Zunehmend werden Ziele wie optische Harmonie, Einfuegbarkeit in bestehende Umgebungen und -ueberhaupt- jedwedes stilistisches Gefuehl voellig aus den Augen verloren. Was soll's, die Architekten feiern sich nur selbst, und scheren sich um die zunehmend rat-u.hilflose, teils angewidert-opresste Gesellschaft, fuer die diese Dinger angeblich errichtet werden und diese sodann in ihrem Leben erdulden und erleiden muessen, kein Stueck weit. Allerdings sind es willfaehrige Auftrags-Handlanger, die Geld und Land sodann fuer die Phantastereien raushauen. Diese Handlanger dafuer spaeter abzuwaehlen, wenn es Politiker und Ortsplaner sind, kommt indes zu spaet. Die Schandflecke sind dann beton-&glasgewordene Realitaeten geworden. Und bis zur endlichen Rueckbauchance, vergeht kostbare Zeit.
3. *
Andree Barthel 29.03.2010
Ich denke, dass die Einwohner, die, wenn sie aus dem Fenster gucken, das gespenstische und trostlos wirkende "Zollverein School of Management and Design" Gebäude zu ertragen haben, sich fragen werden, wie dessen Architekten den Pritzker-Preis erhalten können. Wer das erträgt, kann sich sicher sein, dass er nie in seinem Leben unter Depressionen leiden wird. Ich vermute, dass nicht wenige Architekturkritiker, die sich noch über die DDR-Neubauten mokierten, die hässlichen Bauten der japanischen Stararchitekten als gelungen bezeichnen. Der Bau in New York erinnert eher an eine Installation der Christos als an Architektur. Und er passt überhaupt nicht da hinein. Erschreckend finde ich, dass die Architekten sich nicht einmal die Mühe gemacht haben, ein Stilmittel, was darauf hindeuten könnte, dass man sich der Umgebung anzupassen versucht, zu verwenden.
4. Der Begriff "Baukunst" ...
worldwatch, 29.03.2010
.... laesst mich, sodann als darin u. damit (ueber-)lebenmuessender Buerger, zunehmend aengstlich zusammenzucken, sowie -zunehmend- nur noch vage hoffen, "hoffentlich wird's nicht noch mehr "Baukunst" in meiner Umgebung!" Meine zunehmende Empfindung und Assoziation, beim Anblick so mancher, gar praemierter, gelobter und auch noch baulich umgesetzter "Baukunst", wie aber auch bzgl. sog. "moderner Stadtplanung"; "Stadtbild-Praegeguerillia" und "aesthetische Kriegs-und Vertreibungserklaerung gegen Bewohner". Geht es um -irgendeine- andersgeartete "Kunst", etwa die in Museen, dann kann ich dem als Buerger fern bleiben, elegant ausweichen. Man muss jedenfalls nicht schauen, wenn man nicht mag. Bei "Kunst" im oeffentlichen Raum, wird's da schon schwieriger, aber sie ist regelm. nicht so gross und unumgehbar wie "Baukunst". Realisierte "Baukunst" indes kann ich als Buerger sodann, ohne jedwede Rechte, aber mit -zunehmend als Grausam empfundenen- Erduldungspflichten, indes nur durch Fortziehen ganz ausweichen oder komplett entgehen. Was leider bei den allermeisten "Baukunst"-Ausweichwilligen schon an der Geldboerse scheiterte.
5. Architekurperzeption als selbstrefenzieller Wanderzirkus
zitronenjette 29.03.2010
@ worldwatch #3 Volle Zustimmung! Seit 30 Jahren bewegt sich die ästhetische Diskussion nur innerhalb eines "Experten"-Zirkus. Egomanische Architekturclowns, sensationsgeile Hochglanzmagazine, schwadronierende Architekturprofessoren und irrlichternde Kunsthistoriker haben ein hermetisch abgeriegeltes Werte-System geschaffen, das keine Sau außerhalb dieses "Clubs" interessiert Wie die "Jazzpolizei" reagieren die Protagonisten beleidigt bis agressiv, wenn das unbedarfte und ungebildete Volk den ganzen Dreck, der ihnen da als smart und "high sophisticated" vor die Füße gekippt wird - einfach nur zum Kotzen findet und sich mit Grausen abwendet! Wer keinen Jazz mag ist ein Idiot. Chic, cool und trendy ist nur das was von 90 Grad-Winkel abweicht, mindestes drei Asymmetrien und 2 Achsverschiebungen aufweist. Selbst die so bezeichnete "Postmoderne" und die IBA 1987 - über die man schon heute - ganze 20 Jahre später - amüsiert bis naserümpfend herzieht - wurden damals im Feuilleton noch kritisch und disziplinübergreifend diskutiert. Dagegen herrscht heute eine wundersame Einigkeit: Gut ist, was den Pritzkerpreis bekommt und was auf den Titelseiten der Architekturpornomagazine gedruckt wird. - DER SPIEGEL täte gut daran, hin- und wider einen unbequemen "Reich-Ranicki" für Architekturkritik zu bestellen, der den ganzen Zirkus mal richtig aufräumt ! Die Frage ist nur: gibt es den überhaupt noch ?
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