ARD-Chef Plog "Harald Schmidt ist ein Stück Grundversorgung"

Die ARD freut sich auf die Rückkehr Harald Schmidts: Der Entertainer soll genau ein Jahr nach seinem Abschied bei Sat.1 mit einer neuen Late-Show im Ersten starten. Die Verhandlungen stehen kurz vor dem Abschluss. Finanzieren will die ARD den Coup möglicherweise über Einsparungen bei der Sportberichterstattung.


Entertainer Schmidt: "Einfach ein Typ, der sehr gut sortiert ist im Kopf"
DDP

Entertainer Schmidt: "Einfach ein Typ, der sehr gut sortiert ist im Kopf"

Hamburg - Noch ist der Vertrag mit Harald Schmidt nicht unterschrieben, aber der ARD-Vorsitzende Jobst Plog ist zuversichtlich: "Die Verhandlungen sind aussichtsreich. Ich persönlich denke, wir schaffen es. Und das wird sich in wenigen Tagen herausstellen", sagte er am Sonntagabend im NDR-Medienmagazin "Zapp".

Drei Tage ist die Nachricht von Harald Schmidts Rückkehr auf die Fernsehschirme der Nation alt. Die Medien reagierten mit Erleichterung und Jubel: "Wir sind nicht mehr allein", seufzte die "Welt", "Ja, is denn schon Weihnachten?", freute sich die "Süddeutsche Zeitung" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" brachte es auf den Punkt: Schmidt-Gucken könne "nahezu das gesamte andere Fernsehprogramm ersetzen".

Am 23. Dezember, genau ein Jahr nach seinem Abschied von Sat.1 in eine "Kreativpause" kehrt Schmidt, 47, zurück ins Late-Night-Programm. Geplant ist ein 30-Minuten-Format immer mittwochs und donnerstags um 23 Uhr nach den "Tagesthemen". Thematisch soll Schmidt das leisten, was er immer am besten konnte: Das aktuelle Tagesgeschehen mit intellektuellem Witz und zynischen Pointen werten und kommentieren.

Die Kosten für die Sendung will die ARD durch Einsparungen an anderer Stelle finanzieren, etwa im Sportbereich oder bei Fernsehfilmen. "Harald Schmidt können wir uns sehr viel eher leisten als vieles andere, was viel Geld kostet. Ich denke, wenn man über diesen oder jenen Sport-Event redet und sich fragt, brauchen wir sie alle, dann kann man sicherlich dort eher zu Abstrichen kommen", sagte Plog in "Zapp". Auch bei "aufwendigen Produktionen, die sonst gemacht werden", könne man sich diese Frage stellen.

Die Federführung der neuen Sendung soll der WDR übernehmen; produziert wird in Köln. Wie die neue Show heißen wird, steht noch nicht fest.

Mit dem Sendeplatz unmittelbar nach den "Tagesthemen" würde Schmidt in der ARD die Talkshows von Reinhold Beckmann am Montag und Sandra Maischberger am Dienstag ergänzen. Auf diesen Aspekt wies am Montag auch der Hamburger Medienwissenschaftler Siegfried Weischenberg gegenüber der Nachrichtenagentur dpa hin. Zusammen mit Johannes B. Kerner im ZDF biete das öffentlich-rechtliche Fernsehen künftig im Spätabendprogramm von Montag bis Donnerstag einen "kompletten Einkaufskorb" mit Talkern, die im Privatfernsehen tätig waren oder - wie Maischberger - noch sind, aber jetzt für ARD oder ZDF arbeiten.

Medienberichten zufolge soll auch Schmidts Partner Manuel Andrack in der neuen Show mit dabei sein. Der Entertainer hatte Ende 2003 nach acht Jahren seine "Harald Schmidt Show" eingestellt und eine "kreative Pause" angekündigt. Seine Nachfolgerin bei Sat.1, Anke Engelke, hatte erst vor einer Woche nach nur fünf Monaten mit ihrer "Late Night" aufhören müssen. Der Grund: Schlechte Quoten und anhaltende Kritik aus den Feuilletons, die sich mit dem weiblichen Schmidt-Ersatz nicht anfreunden wollten.

Das Comeback bei der ARD würde Schmidt zu dem Sender zurück führen, bei dem er seine Fernsehkarriere begonnen hat. Der Schauspieler und Kabarettist hatte Ende der achtziger Jahre zunächst im WDR und dann in der ARD mit "MAZ ab!" und "Schmidteinander" erste TV-Erfolge gefeiert.

ARD-Chef Plog nannte die Verpflichtung Schmidts ein Stück "Grundversorgung". "Das ist einfach ein Typ, der sehr gut sortiert ist im Kopf, der sehr schnell ist, sehr pointensicher, dem sehr viel einfällt, der sehr viel Gespür hat, sehr viel Intuition. Ich sage das ja alles nicht erst heute, ich fand seine Sendung auch bei Sat.1 toll. Und von daher gesehen: Wir knüpfen an gesicherte Erfahrungen an und wir werden das schon zusammenkriegen", sagte der ARD-Vorsitzende.



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