Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ARD-Talkshow: Jauch statt Christiansen

Seit zehn Jahren ist sie das Gesicht des Sonntagabends. Von George W. Bush über Tony Blair bis Gerhard Schröder - in Sabine Christiansens ARD-Talkshow waren sie alle zu Gast. In zwölf Monaten soll damit Schluss sein. Ihre Nachfolge soll Günther Jauch antreten.

Hamburg - "Nach fast zehn Jahren Leitung der ARD-Sendung 'Sabine Christiansen' habe ich der ARD mitgeteilt, mich ab Sommer 2007 aus der Moderation zurückzuziehen", sagte Christiansen heute. Zudem erklärte sie ihren Rückzug mit ihrem verstärkten Engagement für das weltweite CNBC-Format "Global Players". Seit Februar moderiert sie die 60-minütige Talkshow auf Englisch, die an wechselnden Standorten in aller Welt stattfindet. Auch wolle Christiansen ihren privaten Lebensmittelpunkt ins Ausland verlagern. Bei einer "Global Players"-Aufzeichnung hatte sie den französischen Unternehmer Norbert Medus, 53, kennen gelernt. Danach hatte sie im April dieses Jahres angekündigt, Paris zu ihrem zweiten Wohnsitz neben Berlin zu machen.

Der Entschluss Christiansens ist offenbar über Monate gereift. "Sie trägt das seit etwa einem halben Jahr in ihrem Herzen", sagte ihr Sprecher Michael Ortmanns heute gegenüber SPIEGEL ONLINE. Die endgültige Entscheidung sei aber erst in den vergangenen Wochen gefallen. Das Ende ihrer Talkshow soll jedoch nicht gleichzeitig das Ende ihrer deutschen Fernsehkarriere bedeuten. "Sabine Christiansen wird mit Sicherheit nicht mit ihrer letzten Sendung vom Bildschirm verschwinden", sagte Ortmanns.

Christiansens Sendeplatz am Sonntagabend um 21.45 Uhr im Ersten wird ab Herbst kommenden Jahres Günther Jauch, 49, übernehmen. "Mit Günther Jauch ist es uns gelungen, nicht nur eines der bekanntesten Fernsehgesichter Deutschlands zu gewinnen, sondern mehr noch einen exzellenten Journalisten", erklärte Programmdirektor Günter Struve.

Jauch macht bei RTL weiter

Die ARD zitiert Jauch mit den Worten: "Noch sind die Verträge nicht unterschrieben, aber die ARD und ich hoffen, dass uns gemeinsam ein ebenso anspruchsvolles wie beim Publikum erfolgreiches Format gelingen wird. Das ist sicher eine der spannendsten Aufgaben, die es im nächsten Jahr im deutschen Fernsehen geben wird."

Nach Angaben von RTL bleibt Jauch aber auch dem Kölner Sender erhalten. RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt erklärte heute: "Wir arbeiten seit Jahren hervorragend und sehr erfolgreich mit Günther Jauch zusammen und sind uns einig, diese Zusammenarbeit fortzusetzen." Man freue sich auf weitere Ausgaben von "Wer wird Millionär?" und "stern TV" ebenso wie auf neue Eventshows wie "Typisch Frau, typisch Mann" mit Jauch bei RTL. Jauch selbst ließ über den Sender verbreiten: "Ich bin mir mit RTL einig, dass sich an unserer guten Zusammenarbeit nichts ändern wird."

Seit 1990 moderiert Jauch bei RTL die Sendung "stern TV", seit 1999 die erfolgreiche Quiz-Show "Wer wird Millionär?". Im Sommer 2000 gründete der Moderator seine eigene Produktionsfirma I & U TV, die unter anderem auch "stern TV" produziert.

Bedauern bei der ARD

Struve bedauerte den Entschluss Christiansens. Er sei jedoch froh, dass es gelungen sei, sie zu überreden, bis zur Sommerpause 2007 weiterzumachen. "Persönlich verstehe ich die Ungeduld, mit der sie sich neuen Aufgabenfeldern zuwenden möchte nur zu gut. Aber für Das Erste bin ich natürlich froh, sagen zu können, dass alles erst einmal so bleibt, wie es die Zuschauer kennen und schätzen", erklärte Struve in einer Mitteilung der ARD.

NDR-Intendant Jobst Plog äußerte Verständnis für den Wunsch Christiansens, "dass sie sich ab Herbst 2007 nach dann zehn Jahren neuen Herausforderungen stellen will". Als federführender Sender sei der NDR zugleich froh, dass ab September 2007 mit Günther Jauch ein "hervorragender Nachfolger" bereitstehe. "Jauch ist öffentlich-rechtlich geprägt, er zeichnet sich durch hohe journalistische Kompetenz aus", hieß es in einer Erklärung Plogs.

Sabine Christiansen war in den 80er Jahren aus dem NDR- Landesfunkhaus Hamburg zu den ARD-"Tagesthemen" gekommen, die sie von 1987 bis 1997 moderierte. Seit Januar 1998 präsentiert sie am Sonntagabend in der ARD die Talkshow "Sabine Christiansen", die bald zu einer festen Größe im deutschen Fernsehen wurde. Drei bis vier Millionen Zuschauer verfolgten zuletzt Woche für Woche die Diskussionen prominenter Politiker über das aktuelle Geschehen. Zuletzt hatte die ARD den Vertrag mit Christiansen Anfang 2003 bis 2006 verlängert mit der Option auf Fortsetzung um jeweils ein Jahr. Nun einigte man sich auf ein halbes.

phw/lan/AP/dpa/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Polit-Talkerin: Kleine Frau - große Quote


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: