Eurovision Song Contest in Baku: Aserbaidschan unterstellt Deutschland Schmutzkampagne

Das autoritär regierte Aserbaidschan, Gastgeber des Eurovision Song Contest in diesem Jahr, geht in die Offensive gegen seine Kritiker. Die Botschaft in Berlin beklagt, Deutschlands Politiker und Medien wie der SPIEGEL würden eine systematische Kampagne zur Verunglimpfung des Landes führen.

Hauptstadt Baku: "Kampagne voller Verleumdungen und Täuschungen" Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Hauptstadt Baku: "Kampagne voller Verleumdungen und Täuschungen"

Hamburg - Deutschland führt eine Kampagne gegen Aserbaidschan. Davon ist das Land, in dem am 26. Mai das Finale des Eurovision Song Contest (ESC) stattfinden soll, überzeugt. Die Botschaft Aserbaidschans in Berlin hat eine Presseerklärung herausgegeben, in der sie sich gegen die Berichterstattung der deutschen Medien wehrt.

"Seit einiger Zeit, gleich nach dem Sieg Aserbaidschans im Eurovision Song Contest, wird eine systematische Kampagne gegen Aserbaidschan geführt. Dies ist bedauerlich, dass an dieser Kampagne auch der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Markus Löning, der deutsche Abgeordnete im Europarat, Christoph Strässer, ebenso einige andere Abgeordnete des Deutschen Bundestages aktiv teilgenommen haben und derzeit auch teilnehmen. Die deutschen Medien, wie SPIEGEL und ARD leisten ebenfalls Unterstützung für diese Kampagne", heißt es.

"Einige Kreise in Deutschland" hätten vor, "dem Image Aserbaidschans einen Schaden zuzufügen". Diese "Kampagne" sei "voll von Verleumdungen und Täuschungen".

Die Presse in Aserbaidschan sei frei "wie in Deutschland", heißt es in der Erklärung. "Das bedeutet, dass die Regierung keine Befugnisse besitzt, auf die Medien Einfluss auszuüben." Konkret erwähnt wird die aserbaidschanische Zeitung "Yeni Azerbaijan", das Parteiblatt der gleichnamigen Regierungspartei.

Zuvor hatte die deutsche Botschaft in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku Behauptungen zurückgewiesen, dass die Bundesregierung die deutschen Medienberichte über Aserbaidschan in eine bestimmte Richtung lenken könne.

Der Musiker Thomas D warnt vor zu hohen Erwartungen von Menschenrechtsaktivisten an den ESC in Baku. Ein Musikwettbewerb sollte "nicht politisch überladen werden", sagte der Jurypräsident der deutschen Vorauswahl der "Rheinpfalz". "Mehr als Aufmerksamkeit kann der ESC nicht schaffen. Um die Lage in Aserbaidschan zu verbessern, bedarf es einer stetigen politischen Anstrengung."

Der Musiker von den Fantastischen Vier bezeichnete es als sehr gut, dass durch den Wettstreit nun die Schattenseiten Aserbaidschans im Blickpunkt stünden. "Wir müssen aber aufpassen, dass sich nicht alle abwenden, wenn der Vorhang fällt", sagte der 43-Jährige, der den deutschen Teilnehmer Roman Lob zum Finale begleiten wird.

Menschenrechtsaktivist ausgezeichnet

Den Unesco-Preis für Pressefreiheit bekommt in diesem Jahr der Journalist und Menschenrechtsaktivist Eynulla Fatullayev aus Aserbaidschan. Der 35-Jährige habe sich immer wieder beharrlich für die Presse- und Meinungsfreiheit in Aserbaidschan eingesetzt und sei mehrfach von der Regierung angeklagt worden, teilte die Unesco in Bonn mit. Der sogenannte Guillermo Cano-Preis wird seit 1997 jährlich für besondere Verdienste um die Pressefreiheit vergeben und am 3. Mai, dem Welttag der Pressefreiheit, verliehen.

Fatullayev ist ehemaliger Chefredakteur und Gründer der unabhängigen russischsprachigen Wochenzeitung "Realny Azerbaijan" und der aserbaidschanischen Tageszeitung "Gundalik Azarbaycan". Bundesregierung und verschiedene Organisationen werfen Aserbaidschan Menschenrechtsverletzungen vor.

Fatullayev sei nach seiner Festnahme 2007 am 26. Mai 2011, dem "Tag der Republik", vom aserbaidschanischen Staatspräsidenten begnadigt worden, teilte die Unesco mit. Die internationale Gemeinschaft hatte wiederholt die Freilassung des Journalisten gefordert. Im Juli 2011 gründete Fatullayev den Angaben zufolge die "Public Union for Human Rights", eine Nichtregierungsorganisation für die Durchsetzung der Menschenrechte.

Derzeit sitzen in Aserbaidschan laut Human Rights Watch sechs Journalisten in Haft, zudem sind 14 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International steht das Land auf Platz 143 von 183 Staaten. Der Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte, Markus Löning (FDP), hatte angeprangert, dass in den vergangenen zehn Jahren die Freiheitsrechte in Aserbaidschan stark eingeschränkt worden seien - anders als es der mit harter Hand regierende Staatspräsident Ilham Aliyev versprochen habe.

jjc/dpa/dapd

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 46 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Naja, ganz unrecht haben die nicht!
bene_lava 01.05.2012
Zitat von sysopDas autoritär regierte Aserbaidschan, Gastgeber des Eurovision Song Contest in diesem Jahr, geht in die Offensive gegen seine Kritiker. Die Botschaft in Berlin beklagt, Deutschlands Politiker und Medien wie der SPIEGEL würden eine systematische Kampagne zur Verunglimpfung des Landes führen. Eurovision Song Contest in Baku: Aserbaidschan unterstellt Deutschland*Schmutzkampagne - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,830802,00.html)
Wer Aserbaidschan kennt und wer die Berichterstattung liest wird schon eine enorme Abweichung von Realität und Darstellung feststellen. Das Land ist erst seit 20 Jahren Unabhängig. Im Norden ist Russland und im Süden der Iran. Beide Großmächte versuchen Aserbaidschan zu Destabilisieren. Gleichzeitig hält Armenien fast 20 % aserbaidschanischen Territoriums besetzt und hat annähernd 1 Mio. Aserbaidschaner vertrieben. Unter diesen Umständen kann man nicht erwarten, dass das Land sich in kürzester Zeit zu einer blühenden Demokratie entwickelt. All diese Umstände finden in der Berichterstattung keinen Widerklang. Das Land hat in den vergangenen 10 Jahren Fortschritte gemacht. Die OSZE hat die letzte Wahl bereits deutlich besser befunden als die vorangegangenen Wahlen. Es wird ein einseitiges Bild gezeichnet.
2. Doppelt unterstreichen...
proanima 01.05.2012
Zitat von sysopDas autoritär regierte Aserbaidschan, Gastgeber des Eurovision Song Contest in diesem Jahr, geht in die Offensive gegen seine Kritiker. Die Botschaft in Berlin beklagt, Deutschlands Politiker und Medien wie der SPIEGEL würden eine systematische Kampagne zur Verunglimpfung des Landes führen. Eurovision Song Contest in Baku: Aserbaidschan unterstellt Deutschland*Schmutzkampagne - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,830802,00.html)
Diese Aussage(n) kann man nur doppelt unterstreichen/bestätigen, vor allem die Berichterstattungen des Spiegel über Aserbaidschan und andere Länder nicht nur in dieser Region.
3. Abschalten!
ratem 01.05.2012
Was tun, beim ESC? ... Abschalten! ... Und das gleiche tun wir auch mit denjenigen Spielen der Europameisterschaft, die in der Ukraine stattfinden. ... Diesen Möchtegerndiktaturen werden wir's schon zeigen! Die zappen wir einfach weg!
4.
L_e_w_i_n 01.05.2012
Ganz falsch ist diese Darstellung der Dinge sicherlich nicht. Die gesamte Berichterstattung über die Länder der ehemaligen UdSSR ist an Einseitigkeit und Voreingenommenheit nicht zu überbieten. Wie sagte Gorbatschow so richtig? „Die Deutsche Presse ist die bösartigste überhaupt" - Recht hat er!
5. Genau...
Wanax 01.05.2012
Zitat von bene_lavaWer Aserbaidschan kennt und wer die Berichterstattung liest wird schon eine enorme Abweichung von Realität und Darstellung feststellen. Das Land ist erst seit 20 Jahren Unabhängig. Im Norden ist Russland und im Süden der Iran. Beide Großmächte versuchen Aserbaidschan zu Destabilisieren. Gleichzeitig hält Armenien fast 20 % aserbaidschanischen Territoriums besetzt und hat annähernd 1 Mio. Aserbaidschaner vertrieben. Unter diesen Umständen kann man nicht erwarten, dass das Land sich in kürzester Zeit zu einer blühenden Demokratie entwickelt. All diese Umstände finden in der Berichterstattung keinen Widerklang. Das Land hat in den vergangenen 10 Jahren Fortschritte gemacht. Die OSZE hat die letzte Wahl bereits deutlich besser befunden als die vorangegangenen Wahlen. Es wird ein einseitiges Bild gezeichnet.
...die gleiche Schmutzkampagne wird hier betrieben wie gegen Nordkorea oder Syrien, dabei ist jedem klar, dass die Lage in diesen Ländern bei weitem nicht den Hetzberichten der westlichen Mainstreammedien entspricht ! Es ist zwr nicht alles Gold was dort glänzt...aber..das ist es ja auch nicht hier, nicht wahr? So schauts aus, jawohlja
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Kultur
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Gesellschaft
RSS
alles zum Thema Eurovision Song Contest
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 46 Kommentare


Fotostrecke
"Unser Star für Baku": Liebe, Friede, schöne Lieder