Asterix-Schöpfer Uderzo Der globale Gallier

Gemeinsam mit René Goscinny schuf Albert Uderzo den vielleicht berühmtesten Franzosen: Asterix. Heute wird der Zeichner 80 Jahre alt. Seine Figuren jedoch sind zeitlos - und erobern nach wie vor die Welt.


"Tim, das bin ich!", sagte "Tim & Struppi"-Schöpfer Hergé einmal über seine berühmte Figur. "Niemand kennt die Seele von Asterix besser als ich", erklärte Albert Uderzo kurz nach dem Tod seines langjährigen Kreativpartners René Goscinny. Mit ihm zusammen gestaltete er insgesamt 24 "Asterix"-Abenteuer. Heute ist Asterix Albert Uderzo. Und Uderzo, das ist Asterix.

Dabei hatte Uderzo, als er 1951 René Goscinny erstmals traf, schon mehrere hundert Comicseiten gezeichnet. Vor und auch lange während seiner künstlerischen Partnerschaft mit Goscinny gab es ein Leben neben Asterix.

Mit zehn hatten den 1927 als Sohn zweier italienischer Einwanderer in Frankreich geborenen Albert die Comics der Disney-Studios fasziniert, deren Stil er nachzuahmen versuchte. Mit 18, gleich nach Kriegsende, veröffentlichte er seinen ersten professionellen Comic. Viele weitere folgten, mitunter nur kurze Episoden von wenigen Seiten über selbstkreierte Gnome, Ritter und Superhelden, die in den verschiedensten Publikationen erschienen.

Die Bekanntschaft mit dem quirligen Pariser war eine Erleichterung: Uderzo hasste es, seine Abenteuer selbst zu schreiben, und überließ sich nahezu ganz dem narrativen Geschick Goscinnys. Gemeinsam mit Freunden gründeten Uderzo und Goscinny 1959 das Comicmagazin "Pilote". In Fortsetzungen mit dabei von der ersten Ausgabe an: ein kleiner Gallier, der auf die Römer nicht sehr gut zu sprechen ist. "Als wir Asterix aus der Taufe hoben, wollten wir den amerikanischen Comics etwas typisch Französisches gegenüberstellen", erinnerte sich Uderzo später.

Parodie nationaler Gewohnheiten

Der Zeichner gestaltete neben "Asterix" auch die in einem ausgesprochen realistischen Zeichenstil gehaltene Serie "Mick Tanguy" nach Skripten des Vielschreibers J.M. Charlier. Ein Spagat, den Uderzo über Jahre durchhielt und der vielleicht am besten seine zeichnerische Meisterschaft demonstriert: auf der einen Seite die Knollennasen-Slapstick-Welt der verrückten Gallier, auf der anderen die ernsthaften High-Tech-Abenteuer des Fliegerasses Tanguy.

Der Rest ist bekannt. "Asterix" entwickelte sich entgegen aller Erwartungen zum Massenphänomen und Verkaufsschlager. Während das erste "Asterix"-Album noch mit überschaubaren 6.000 Stück Startauflage erschien, verdoppelten sich die Verkäufe mit jedem Band. 1966, bei Band acht, "Asterix bei den Briten" waren es bereits sechs Millionen, und selbst die reichten nur wenige Tage. In Deutschland wiederholte sich das Phänomen nur wenige Jahre später.

Wollte man das Geheimnis des Erfolgs analysieren, wäre sicher die liebevolle Parodie nationaler Gewohnheiten zu nennen, außerdem der Wortwitz, den Goscinny in die Geschichten diktierte. Aber eben auch Uderzos graphische Meisterschaft, mit der er die unzähligen Schauplätze der Serie und die vielfältigen Figuren abbildet.

Schwereloser als die schönste Tortenschlacht

Allen voran die fein ausgearbeiteten Dorfbewohner, denen Uderzo Körper und Gesicht, Gestik und Mimik verliehen hat: Asterix und Obelix, der Druide Miraculix, der Barde Troubadix, Häuptling Majestix - alle Ikonen der Comic-Unterhaltung.

Und alles, die Eskapaden und Dramen, Konflikte und Katastrophen, sind mit einer unvergleichlichen Leichtigkeit und Ironie in Szene gesetzt. Selbst die heftigste Prügelei mit den Römern wirkt schwereloser, als es die schönste Tortenschlacht in Hollywoods Slapstick-Glanzphase je war. "Asterix" hebt in seinen besten Momenten völlig von der Realität ab, schafft einen eigenen Kosmos mit eigenen Gesetzen, die dennoch jeder versteht.

24 Alben "Asterix" haben Goscinny und Uderzo zusammen geschaffen, der Autor starb 1977 mitten in der Produktion des 24. Seitdem hält Uderzo allein die Fahne des gallischen Dorfes hoch. Und hat aus dem Comic-Helden ein multimediales Unternehmen gemacht, nicht nur mit Filmen, sondern auch mit Computer-Games, Handyspielen und einem Freizeitpark.

Kerkermeister seiner Kreation

Und natürlich mit weiteren Comics: Acht "Asterix"-Alben hat Uderzo seitdem produziert. Sie sind leider auch Dokumente einer Verfallsgeschichte. Denn immer öfter steigert sich Uderzo als Autor in seinen Geschichten in Altherrenphantasien und nationalistisches Gehabe. "Gallien in Gefahr", das jüngste Abenteuer von 2005, geriet schließlich zum erzählerischen Super-GAU.

Dazu kommt die Eifersucht, mit der Uderzo die Marke Asterix und alle ihre Ableger bewacht. Denn die Geldmaschine Asterix (Gesamtauflage der Bücher weltweit: 325 Millionen) darf nicht ins Stocken geraten. Zu spüren bekam das zuletzt der Betreiber der Website "Mobilix", der erfolgreich in Uderzos Auftrag verklagt wurde. Auch auf Parodien auf die Gallier reagiert der Zeichner, der selbst unzählige Stars und Sternchen in seinen Comics karikiert hat, allergisch. So bekamen es etwa die Comiczeichner Ralf König und Walter Moers wegen ihrer Beiträge für den Band "Die hysterischen Abenteuer von Isterix" mit Uderzos Rechtsabteilung zu tun.

So wirkt der Zeichner, der doch die Seele des freiheitsliebenden Galliers eigentlich so genau kennt, heute eher wie ein Kerkermeister seiner Kreation. Ach, hülfe doch hier der Zaubertrank!

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